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Bierdusche nach perfekter Saison Radikaler Wandel treibt Adler zum DEL-Titel

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Da ist das Ding: Die Adler Moritz Seider, Dennis Endras und Marcel Goc jubeln über den DEL-Pokal.

(Foto: imago images / Thomas Frey)

Die Mannheimer Adler sind ein Schwergewicht der DEL, doch in den vergangenen Jahren bleiben sie hinter den Erwartungen zurück. Erst als sich Klubboss Daniel Hopp zu einer Kurskorrektur entscheidet, kommt der Erfolg zurück.

Ganz am Ende eines beeindruckenden Weges hatten die Helden mit ihren wildgewachsenen Bärten sogar noch für einen Spannungsbogen gesorgt, der die Freude ursprünglicher und heroischer werden ließ. Im letztlich entscheidenden Spiel um die Deutsche Meisterschaft hatten die Mannheimer Adler eine 4:1-Führung gegen den EHC München verspielt und mussten nach drei Toren des Titelverteidigers in die Verlängerung. In der Extrazeit besaßen beide Teams große Chancen zum Sieg, ehe Verteidiger Thomas Larkin für die Adler zum 5:4 traf und die Tribünen der Arena in ein Tollhaus verwandelte. Es hatte keine Zeit für die Beteiligten gegeben, sich auf den Moment des Jubels vorzubereiten, der deshalb umso impulsiver ausfiel.

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Pavel Gross schreit seine Adler zum Sieg.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Der "sudden death", der plötzliche Tod für die Münchner, bedeutete gleichzeitig den verdienten Gewinn der Meisterschaft für die Mannheimer, die den Seriensieger der jüngeren Vergangenheit entthronten, weil sie vor einem Jahr harte, aber richtige Korrekturen im Klub und in der Mannschaft vorgenommen hatten. Der letzte Schritt war ein "Krimi mit Überlänge", insgesamt marschierten die Adler allerdings in souveräner Manier zur achten Meisterschaft der Klubgeschichte. Vor dem 4:1-Seriensieg im Finale gegen die Münchner hatten sich die Mannheimer im Playoff-Viertelfinale gegen die Nürnberg Icetigers ebenfalls mit einem 4:1-Sieg durchgesetzt und im Halbfinale gegen die Kölner Haie gar ein 4:0 folgen lassen – die Adler beherrschten die Konkurrenz.

Mannheim, die "Eishockeystadt"

"Die Freude und der Stolz sind groß. Diese Jungs haben einen überragend guten Job gemacht", sagte Pavel Gross. Der Trainer der Mannheimer trug keinen Bart, den sich die meisten Spieler traditionell wachsen lassen, wenn mit den Playoffs die heiße Zeit der langen Saison beginnt. Der Tscheche genoss den Augenblick des Triumphes und wirkte erlöst. Als Spieler gehörte er der großen Generation der Adler an, die zwischen 1997 und 2001 vier Mal die Meisterschaft gewann, arbeitete später jahrelang erfolgreich als Trainer in Wolfsburg, doch um erstmals den Titel als Verantwortlicher auf der Bank zu gewinnen, musste er im vergangenen Sommer zu den Mannheimern zurückkehren. "Ich bin dankbar für die Chance", sagte Gross, sein Anzug war zu diesem Zeitpunkt von unzähligen Bierduschen schon völlig durchnässt.

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Es hatte nicht an Unterstützung von außen gemangelt – man musste als Beobachter zwangsläufig das Gefühl bekommen, dass wirklich alle diese Meisterschaft für Mannheim gewinnen wollten. Berichterstatter der lokalen Tageszeitung hatten sich einen "Playoff-Bart" wachsen lassen und vermittelten damit ihre Verbundenheit zum Klub und zur Mannschaft. Beim titelbringenden Treffer jubelte ein Teil der Journalisten wie Fans, und später auf dem Eis klatschten sie die Spieler eifrig ab. Offensichtlich hatten die Jahre des Misserfolgs nicht nur an den Verantwortlichen der Adler genagt, sondern die Gier bei allen gesteigert, den Meisterpokal zurück in die Stadt zu holen.

Die Fans auf den Stehplätzen der SAP-Arena hatten schon vor der Partie eine gewaltige Wucht entwickelt und Argumente dafür geliefert, warum sie Mannheim ganz selbstbewusst als "Eishockeystadt" titulieren. Für die beeindruckende Lautstärke, die in der Halle herrschte, und die außergewöhnliche Unterstützung über Monate hinweg revanchierten sich die Spieler in diesem Jahr mit einer perfekten Saison.

Neuer Trainer als Schlüssel zum Erfolg

Vor knapp einem Jahr hatte Daniel Hopp in verträumten Momenten wohl auf eine solche Entwicklung gehofft, aber damit planen konnte der Geschäftsführer der Mannheimer Adler nicht. Der Sohn von Dietmar Hopp, Mäzen des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim, hatte seinen Klub nach Jahren des Misserfolgs ganz neu strukturiert. Die letzte Meisterschaft hatten die Mannheimer 2015 gewonnen, waren danach durch viele Täler gegangen und mussten einige Krisen durchleben, ehe Hopp sich zu einer radikalen Kurskorrektur entschied.

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Mit kühlem Blick zur meisterlichen Neuausrichtung: Daniel Hopp.

(Foto: imago/Eibner)

Die Adler verpflichteten nicht nur Gross als Trainer, sondern installierten einen neuen Manager und einen Team-Verantwortlichen. "Der Erfolg jetzt ist eine Summe vieler guter Entscheidungen", sagte Hopp am Rande der Feierlichkeiten, über deren Zeitpunkt er überrascht war: "Wir konnten nicht damit rechnen, dass es so schnell funktioniert."

Schließlich machte die Neuausrichtung nicht vor der Mannschaft halt. "Es war ein schwerer Weg, denn wir mussten ein paar Spieler rausschmeißen, die noch einen Vertrag besaßen", sagte Gross. Die Struktur innerhalb des Kaders wurde gewaltsam verändert, aber die natürliche Autorität des Trainers half dabei, den Kurs zu halten. Klubboss Hopp sagte: "Die Verpflichtung des Trainers war der Schlüssel."

"Hungrig bleiben"

Bei der Kaderplanung wurde nach vielen Jahren erstmals auch im europäischen Ausland gescoutet und mit Joonas Lehtivuori sowie Tommi Huhtala unter anderem zwei Finnen verpflichtet, die zu Leistungsträgern wurden und Anteil daran hatten, dass die Adler in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 116 Punkten einen Rekord aufstellten. Der Gewinn der Meisterschaft war deshalb nicht die zwangsläufige, aber die logische Fortsetzung nach beeindruckend starken Leistungen in den Playoffs.

Ein wenig Sorge gibt es im Umfeld des Klubs, ob die Mannheimer das Niveau künftig halten können, denn nach den bislang letzten Meister-Spielzeiten 2007 und 2015 folgten Jahre der Tristesse. "Wir müssen den Weg konsequent weitergehen und hungrig bleiben", forderte Hopp mitten im Meisterrausch. In Gross hat er dabei einen Befürworter im Geiste, wenngleich sich der frischgebackene Meistertrainer mit den Gefahren der Zukunft im Moment des Triumphes nicht beschäftigen wollte: "Das ist kein Thema für heute Abend", sagte er – und bekam kurz darauf schon die nächste Bierdusche verpasst.

Quelle: n-tv.de

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