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Union-Profi entschuldigt sich Rassismus-Vorfall für Amiri "erledigt"

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Bei einer Rudelbildung kommt es zu hässlichen Aussagen zwischen Spielern von Bayer Leverkusen und Union Berlin.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

Fußball-Nationalspieler Nadiem Amiri wird im Bundesligaspiel zwischen Bayer Leverkusen und Union Berlin von einem Berliner rassistisch beleidigt. Der Vorfall sorgt für Bestürzung auf beiden Seiten, für den Leverkusener ist die Sache aber inzwischen ausgeräumt. Erledigt ist sie damit nicht.

Bayer Leverkusens Profi Nadiem Amiri hat die schnelle Entschuldigung angenommen. Der Wirbel um die Rassismus-Vorwürfe ist aber gerade für den 1. FC Union Berlin damit noch nicht vorbei. Trainer Urs Fischer und Manager Oliver Ruhnert sind weiter mit einem Problem konfrontiert, das rein gar nicht zum Selbstverständnis der Eisernen passt und einen Schatten auf den sportlichen Sensationskurs in der Fußball-Bundesliga wirft.

"Ich möchte das in Ruhe klären und nicht was erzählen, was ich nicht weiß", sagte Fischer. "Solche Dinge haben auf dem Fußballplatz nichts verloren. Von daher gilt es sicherlich, das aufzuarbeiten", betonte der Schweizer nach dem 1:0-Sieg am Freitagabend. Für Amiri war die Angelegenheit im Stadion an der Alten Försterei am Samstag erledigt. "Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind aus den Emotionen heraus unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leid tun. Er hat mir das glaubwürdig versichert, deswegen ist die Sache für mich erledigt", wurde der 24-Jährige am Samstagmorgen von seinem Verein zitiert.

Union Berlins Manager Oliver Ruhnert dagegen hat die Rassismus-Vorwürfe zurückgewiesen und seinen Spieler Florian Hübner in Schutz genommen. "Er hat sich so nicht geäußert", sagte Ruhnert. Dem Verteidiger Rassismus "anzudichten" sei schon alleine wegen der Hautfarbe von dessen Ehefrau "schwierig", fügte Ruhnert an. Eine Sanktion gegen Hübner durch den Verein werde es daher nicht geben.

"Scheiß Afghane"

Das Schuld-Eingeständnis des Union-Akteurs muss für Amiri überzeugend gewesen sein. Zuvor war er auf dem Rasen sichtlich aufgewühlt und empört ob der verbalen Auseinandersetzung. Nur durch die anschließenden klaren Worte seines Bayer- und DFB-Kollegen Jonathan Tah im DAZN-Interview wurde der Vorfall in seiner Tragweite publik.

"Scheiß Afghane", soll der Union-Profi dem deutschen Nationalspieler Amiri entgegengerufen haben. Auf TV-Bildern ist zu sehen, wie sich der 24-Jährige aufgebracht mit mehreren Kontrahenten unterhält. Gestik und Mimik der Beteiligten verdeutlichen die angespannte Stimmung. Auslöser war offenbar ein Disput über ein vermeintliches Foulspiel kurz vor dem späten Union-Siegtor von Cedric Teuchert (88. Minute). Amiri hatte danach gemeckert und war von Schiedsrichter Florian Badstübner verwarnt worden.

Laut Ruhnert seien die Worte "Scheiß Afghane!" nach seinem Kenntnisstand aber nicht gefallen. Vielmehr habe es während und nach dem Spiel ungewöhnlich viele hitzige Äußerungen von Spielern beider Vereine gegeben. Entschuldigungen seien nach der Partie von beiden Seiten ausgetauscht worden. "Wir haben diese Information nicht." Allerdings geht der Union-Geschäftsführer davon aus, dass sich der DFB-Kontrollausschuss mit den Ereignissen nach dem Bundesliga-Spiel am Freitagabend beschäftigen wird.

Entschuldigung stoppt nicht die Ermittlungen

Union Berlin stehe klar für Anti-Rassismus, verdeutlichte Kommunikationschef Christian Arbeit. "Wir entschuldigen uns dafür, wenn das so gefallen ist. Es tut uns leid, das möchten wir gerne auch hier nochmal den Gästen mitgeben", betonte der Pressesprecher. Zur Tagesordnung will man in Berlin-Köpenick nicht übergehen. Diese Reflexion war zuletzt im Profisport beim heiklen Thema Rassismus und von diversen Protagonisten sorglos gewählten Formulierungen unüblich.

Amiri, dessen Eltern in den 80er Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kamen, soll nach dem Spiel aufgelöst in der Kabine gesessen haben. Amiris Freund und Kollege Kerem Demirbay machte dem Referee den Vorwurf, die Situation nicht im Blick gehabt zu haben. Die Beschreibung des Referees im Spielbericht ist mitentscheidend für eine mögliche Begutachtung des Falls durch den DFB-Kontrollausschuss. Amiris Annahme der Entschuldigung kann sich auf ein mögliches Urteil auswirken, nicht aber Ermittlungen als solche verhindern.

Quelle: ntv.de, ter/dpa