Formel1

Kampf gegen Zweifel und Leclerc Ferraris Zukunft heißt nicht mehr nur Vettel

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Sebastian Vettel läuft bei Ferrari langsam die Titelzeit davon.

(Foto: imago/Motorsport Images)

Seit 2015 fährt Sebastian Vettel für Ferrari, die Titel-Träume hat er noch nicht erfüllt. Kritik und Zweifel wachsen, 2019 könnte sein Schicksalsjahr im Ferrari-Cockpit werden. Sein Teamkollege wird dann Toptalent Charles Leclerc - mit dem Ferrari die Formel-1-Zukunft plant.

Es wird nicht leichter für Sebastian Vettel. Beim nächsten Anlauf auf den WM-Titel sitzt neben ihm schon die langfristige Zukunft von Ferrari im Cockpit. Im Dauerduell mit Lewis Hamilton kann Vettel in der kommenden Formel-1-Saison nicht mehr auf seinen routinierten Gehilfen Kimi Räikkönen vertrauen, sondern muss sich auch noch mit einem jungen, hoch talentierten und hoch ambitionierten Stallrivalen messen. Charles Leclerc ist die Langzeit-Investition bei Ferrari - und der Blick in die Zeit nach dem Deutschen.

Und Vettel? 2019 wird sein fünftes Jahr bei der Scuderia. Im fünften Jahr holte Vorbild Michael Schumacher einst den ersten Titel mit Ferrari. Der Druck wird immer größer auf dessen Nachfolger, der seit seinen triumphalen Jahren bei Red Bull mit den Titeln 2010, 2011, 2012 und 2013 auf Nummer fünf wartet.

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Mit Youngster Charles Leclerc bekommt Vettel einen neuen Ferrari-Teamkollegen, der sich nicht als Nr. 2 sieht.

(Foto: imago/Motorsport Images)

Die Kritik an Vettel nimmt zu. Die Fehler, die er sich neben den Patzern des Teams in diesem und im vergangenen Jahr leistete, kratzen zunehmend an seinem Status als unumstrittener Starpilot der Scuderia. "Die Kritiker waren vor einigen Monaten noch Schulterklopfer. Er nimmt die Kritik an, sagte der "Welt am Sonntag" aber auch: "Es ist Teil unseres Sports, dass sich das Blatt eben auch mal wendet. Mit der Kritik muss ich leben."

Außerdem sei  Kritik "per se nichts Negatives. Wer sachkundigen Kritikern zuhört,  kann viel lernen und von der Kritik profitieren." Sein großes Ziel bleibt, mit Ferrari Weltmeister zu werden, er findet: "Wir sind auf dem richtigen Weg und haben auch in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorn  gemacht." Die WM sei vor allem dank Ferrari eng "und keine Mercedes-Show mehr".

Die Traum-Kombination stagniert

Ferrari ist allerdings auch keine Vettel-Show mehr. Bei der Wahl des neuen Teamkollegen hatte der Vierfach-Weltmeister kein entscheidendes Mitspracherecht. "Sebastian ist unser Fahrer, er ist nicht der Teamchef, bei allem Respekt", hatte Rennleiter Maurizio Arrivabene in Singapur erklärt. "Wenn wir über Langzeitpläne sprechen, trifft das Management die Entscheidung", betonte der Teamchef. Vettel, der 2014 in seinem letzten Jahr bei Red Bull sportlich vom damaligen Team-Neuankömmling Daniel Ricciardo geschlagen worden war, hätte eine weitere Ferrari-Saison mit Räikkönen begrüßt. Der 31 Jahre alte Heppenheimer und der 39 Jahre alte Finne verstehen sich bestens. Zwischen ihnen sei das "Bullshit"-Level von Anfang an bei null, wie Vettel mal betonte.

Räikkönen war schon da, als Vettel zur Saison 2015 zu Ferrari wechselte. Arrivabene, ehemaliger Manager eines Tabakkonzerns und Ferrari-Sponsors, hatte seinen Posten erst ein paar Wochen vor Vettels Ankunft übernommen.

Nach einem viel versprechenden Premierenjahr mit drei Siegen stagnierte die Kombination Vettel-Ferrari: 2016 musste sich der Hesse zum zweiten Mal in seiner Karriere ohne Sieg in die Winterpause verabschieden. 2017 und in diesem Jahr meldete sich die deutsch-italienische Arbeitsgemeinschaft bereit für den Kampf um die WM, begann jeweils stark, ließ aber in den entscheidenden Wochen auch stark nach. "Um Mercedes zu besiegen, müssen wir auch einen besseren Job machen", sagte Vettel - und meint sich auch selbst.

Ferraris Geduld ist nicht unendlich

Die Wiederholung des Erfolgs der Paarung Schumacher/Ferrari mit den fünf Titeln des Kerpeners von 2000 bis 2004 lässt weiter auf sich warten. Die Geduld mit Vettel dürfte nicht unendlich sein. Ferrari denkt längst an die Zukunft. Und die heißt Charles Leclerc, der sein Cockpit bei Sauber mit Räikkönen tauscht. Leclerc entstammt der Ferrari-Nachwuchsschule. Am vergangenen Dienstag wurde der Monegasse 21 Jahre alt. 2016 gewann er die GP3, 2017 die Formel 2.

"Ein frühreifer Champion mit einem atemraubenden Talent", heißt es ganz unbescheiden auf seiner eigenen Homepage. Aber auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist voll des Lobes, er sieht in Leclerc einen "Superstar der Zukunft". Leclerc wird genau das in dem Wagen beweisen wollen, der noch immer die größte Strahlkraft in der Motorsport-Königsklasse besitzt. Das Talent bringt er dazu mit. Er fühlt sich auch in der Lage, den immensen Erwartungen gerecht zu werden.

"Wenn Sie mich fragen, was meine größte Qualität ist, sage ich: meine mentale Stärke. Ich habe sie von einer Schwäche zu meiner größten Starke gemacht", sagt er. Dabei stählten ihn zwei große persönliche Verluste. Sein enger Freund Jules Bianchi, der auch davor stand, als Ferrari-Nachwuchspilot zum Stammfahrer zu werden, starb 2015 an den Folgen eines Unfalls. Im vergangenen Jahr starb Leclercs Vater Hervé Leclerc, selbst einst Rennfahrer. An einem Zweikampf mit einem mehrmaligen Weltmeister wird dieser Leclerc sicher nicht zerbrechen.

Enzo Ferrari habe immer gesagt, dass der Teamkollege der erste Gegner sei, den es zu schlagen gelte, erinnerte Arrivabene jüngst an den Ferrari-Gründer. Diese Aufgabe wird für Sebastian Vettel demnächst kaum einfacher. Vettels Ferrari-Vertrag läuft noch bis Ende 2020. Medienberichten zufolge aber hat er eine Ausstiegsklausel nach der nächsten Saison.

Quelle: ntv.de, Jens Marx, dpa

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