Fußball-EM

Boateng vs. Lewandowski Ziemlich beste - ja was eigentlich?

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Sie sind Teamkollegen beim FC Bayern und werden sich als Gegner trotzdem nichts schenken: Robert Lewandowski und Jérôme Boateng.

(Foto: imago/Schüler)

Zweites Spiel, zweiter Sieg. Das fordert Jérôme Boateng vorm Duell der deutschen Nationalmannschaft bei der EM gegen Polen. Dabei kommt dem Bayern-Verteidiger eine knifflige Rolle zu. Er soll Robert Lewandowski stoppen - ausgerechnet.

Die Internet-Suchmaschine "Google" ist eine wahrlich gute Erfindung gewesen. Denn sie erinnert sich - an fast alles. Und, das ist vielleicht ein bisschen beängstigend, sie merkt sich auch, wonach wir Menschen suchen. Einen Begriff eingetippt, bekommt der bequeme Nutzer gleich noch eine ganze Reihe Vorschläge mit den meistgesuchten Anfragen zum gegoogelten Begriff. Ein Beispiel: Wer die Suchmaschine mit der Kombination der Namen Boateng und Lewandowski füttert, bekommt zunächst folgende Empfehlungen: Foul, Streit, Prügel - und nicht etwa, FC Bayern, Jubel, Freunde, Titelfeiern.

Nun ist die Kombination freilich nicht ganz willkürlich ausgewählt. Denn am Donnerstag treffen die Angestellten des FC Bayern mit ihren Nationalmannschaften bei der Europameisterschaft in Paris aufeinander (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Boateng trägt das deutsche Trikot, Lewandowski das der polnischen Auswahl. Beide sind in diesem Spiel, in dem es mit großer Wahrscheinlichkeit um den Sieg in Gruppe C geht, Schlüsselfiguren ihrer Teams. Deswegen - und natürlich wegen den "Google"-Ergebnissen - drängt sich nun die Frage auf, wie sich die beiden Weltklasse-Spieler begegnen werden. Als Freunde? Als Feinde? Oder einfach nur als zwei Fußballer, die hauptberuflich zufällig den gleichen Arbeitgeber haben?

Klar ist erstmal nur eins: Die Bayern-Spieler werden sich am Donnerstagabend nicht ausweichen können. Im Gegenteil: Es wird sehr körperintensive Kontakte geben. Denn Boateng, im ersten Spiel gegen die Ukraine (2:0) wegen seiner akrobatischen Rettungsaktion als Tatortreiniger gefeiert, ist Chefaufseher des deutschen "Zu-null-Kommandos" und Lewandowski, beim Auftakt gegen Nordirland (1:0) ungewohnt unauffällig, Mastermind von Polens Angriffsreihe. Qua Position und Wettkampfsituation sind rassige Duelle demnach kein allzu mutiges Orakel. Zumal der Stürmer in einem Interview mit "La Parisien" ankündigt: "Ich habe für Boateng eine kleine Überraschung vorbereitet."

Boateng: "Fußball ist ein Kontaktsport"

Spannender ist also die Frage, wie sich der Abwehr-Gladiator, der gegen die Osteuropäer nicht einen einzigen Zweikampf verlor, und der Bundesliga-Torschützenkönig, der gegen den EM-Debütanten nicht einen Torschuss abgab, bearbeiten werden. Denn in der Vergangenheit hat's zwischen beiden, neben all dem Austausch von jubelnden Herzlichkeiten im Münchener Erfolgsrausch, wie Boateng so nett sagt, auch schon einige Male "gescheppert". Ob als Gegenspieler bei den Bayern und Borussia Dortmund oder im Training des Rekordmeisters. Die Bilder von zwei ziemlich mieslaunigen Typen in enger Kopf-an-Kopf-Stellung - "Google" hat sie nicht vergessen.

Boateng natürlich auch nicht. Aber was schert's einen, der dem Leben mit der Lässigkeit einer Freizeitzigarette begegnet? Nichts. "Fußball ist ein Kontaktsport", sagt er zum Beispiel zum Aufeinandertreffen mit Lewandowski. Oder: "Wenn man gegeneinander spielt, dann gerät man halt mal aneinander. Aber es läuft immer fair ab - und nach dem Training oder dem Spiel ist alles wieder gut." Eine besondere Bedeutung? Nein, die misst der Verteidiger dem Duell nicht zu. Vielmehr gilt: "Wir wollen beide für unser Land das Beste geben". Und: "Ein zweiter Sieg ist wichtig für den weiteren Turnierverlauf."

Lewandowski, der im Stade de France auch noch den weiteren aktuellen Teamkollegen Thomas Müller, Manuel Neuer (beide werden sicher spielen) sowie Mario Götze (spielt wahrscheinlich) und Joshua Kimmich (spielt eher nicht) begegnet, fühlt dagegen etwas anders, emotionaler, herzlich: "Wir sind Profis und auch Freunde, die viele Spiele zusammen bestreiten. Das schafft eine Verbindung zwischen uns, ganz klar." Die aber, da ist er dann wieder ganz nah bei Boateng, wird beim Spiel vorübergehend gelöst. "Wenn wir unser Land repräsentieren, ist es etwas anderes. Im Klub spielt man miteinander und hat zusammen ein Ziel, während wir hier nur das Ziel haben, uns zu schlagen. Und nach 90 Minuten sind wir wieder Freunde." Wir sind gespannt - und werden's googeln.

Quelle: ntv.de