Lahm noch "nie so fassungslos"

DFB-Legenden rechnen schonungslos mit Nationalelf ab

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Philipp Lahm sieht im deutschen Fußball große Probleme. (Foto: IMAGO/Eibner)
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01.07.2026 | 17:25 Uhr
Nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM haben DFB-Größen in der Rolle des Kritikers Hochkonjunktur. Philipp Lahm vermisst eine Idee, Toni Kroos Qualität und Michael Ballack deutsche Tugenden.

Geht es nach dem früheren Weltmeisterkapitän Philipp Lahm, muss nach dem WM-Desaster der deutschen Nationalmannschaft vieles auf den Prüfstand. "Natürlich ist es so, wenn Deutschland dreimal hintereinander nicht das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft erreicht, dass man sich Gedanken über alle machen und hinterfragen muss", sagte der langjährige Nationalspieler am Rande der BMW International Open der Golfer. Er sei "nie so fassungslos" gewesen wie bei diesem Aus im Elfmeterschießen der ersten K.o.-Runde gegen Paraguay.

"Ich glaube, das Wichtigste im Fußball ist Kontinuität. Das andere ist, man braucht eine Idee, wie man agieren will. Und ich glaube, das hatten wir eine lange Zeit, aber jetzt auch eine lange Zeit schon nicht mehr", kritisierte Lahm. Man müsse sich Gedanken machen, wie man offensiv und defensiv agieren wolle. "Wenn man dann auch sieht, dass alle drei Mannschaften, die aus unserer Gruppe weitergekommen sind im Sechszehntelfinale schon ausgeschieden sind, spricht das nicht für unsere Gruppe", sagte Lahm. "Deswegen muss man sich in Zukunft eher, oder in erster Linie, Gedanken machen, wie wollen wir eigentlich als Deutschland Fußball spielen."

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Trainer und Spielidee müssen passen

Lahm regte den Blick auf die Topnationen an. "Wenn ich nach Spanien schaue, wenn ich nach Frankreich schaue, wenn ich nach Argentinien schaue, was sicher die Top-Nationen aktuell gerade sind, dann sehe ich, wie die seit Jahren eine Spielweise haben", sagte der 42-Jährige. Bei der Aufarbeitung des WM-Debakels müsse man schauen, welche Spielweise und Idee man künftig als Deutsche Fußball-Bund verfolgen wolle. "Und danach muss man sich entscheiden: Ist der Trainer oder das Trainerteam, das aktuelle, richtig da? Kann man den Weg mit ihnen gehen, oder muss ein Tausch her? Das wird aber der DFB dann entscheiden", sagte Lahm. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte erklärt, dass er seinen Vertrag bis 2028 erfüllen wolle.

Angesprochen auf eine mögliche Rolle als DFB-Funktionär erklärte Lahm: "Aktuell bin ich nicht auf der Suche nach irgendeiner Aufgabe. Man sollte nie was ausschließen, ist ja außer Frage, aber aktuell passt mein Leben so, wie es ist."

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Deutschland kann "schwierige Situationen nicht mehr meistern"

Auch Toni Kroos und Michael Ballack gingen mit dem DFB-Team hart ins Gericht. "Wir haben aktuell keinen einzigen Weltklasse-Spieler", sagte Kroos in seiner Sendung "Kroos & Kroos: die WM unter der Lupe" auf TikTok. "Wir haben Spieler mit Weltklasse-Potential", ergänzte der Weltmeister von 2014, "das heißt aber noch lange nicht, dass sie Weltklasse sind. Die Weltklasse-Spieler entscheiden gerade die ganzen WM-Spiele. Und die stehen da in der Torschützenliste, wo die Weltklasse-Spieler eben stehen. Da haben wir keinen einzigen, da müssen wir auch ehrlich sein."

Zu seiner Zeit habe er bei den erfolgreichen Turnieren "immer das Gefühl" gehabt, "du kannst einen Gang hochschalten". Dazu sei die Mannschaft aktuell "nicht mehr in der Lage". Warum das so sei? Aus Unsicherheit oder Selbstüberschätzung, glaubt Kroos. "Wir glauben, dass wir besser sind als Paraguay - wir werden schon irgendwie gewinnen."

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Ballack vermisst Grundsätzliches. "Unsere Tugenden, die Deutschland immer ausgezeichnet haben, sind ein bisschen verloren gegangen", klagte der einstige DFB-Kapitän. Die DFB-Elf sei "nicht mehr in der Lage, auch schwierige Situationen" zu meistern. "Wir fangen gut an, haben zehn, 20 gute Minuten, schießen vielleicht auch das Tor. Aber mit der ersten Aktion, wo wir vielleicht ein Tor kassieren, oder einen Fehler machen, bricht das Kartenhäuschen zusammen – und da fragst du dich: warum?"

Die Erklärung führe "nicht unbedingt" zum Trainer, "sondern vor allem" zu den Spielern. "Ein Trainer ist unheimlich wichtig in so einem Gebilde, aber die Spieler regeln auch ziemlich viel selbst auf dem Platz – oder müssen das. Diese Selbstverantwortung muss und sollte einfach da sein", sagte Ballack: "Und wenn die Jungs sich in die Augen gucken, dann weißt du, auf wen du dich verlassen kannst, beziehungsweise welche Knöpfe du drücken musst."

Verwendete Quellen: ntv.de, mar/dpa/sid