Für ihre Aufräumaktion im WM-Stadion bekommen Japans Fans ausgerechnet in der Heimat Gegenwind. Nachdem Anhänger im Anschluss an das Spiel gegen die Niederlande (2:2) am vergangenen Sonntag in Dallas ihren Müll in Plastiktüten eingesammelt hatten, entzündete sich in Japan eine Debatte über die Aufteilung der Hausarbeit. Das berichtet der britische Sender BBC.
Auslöser waren Fotos, auf denen Fans mit Müllsäcken die Tribünen durchkämmten. Einige Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien sahen darin laut BBC eine Doppelmoral: Männer, die in der Öffentlichkeit aufräumen, zu Hause die Last aber ihren Ehefrauen überlassen. Viral ging ein Bild, das einen Mann beim Müllsammeln im Stadion zeigt - und denselben Mann zu Hause auf dem Sofa am Handy, während seine Frau abwäscht. Darüber steht: "Bitte macht das zu Hause."
"Jeder will die Welt retten, aber niemand will Mama beim Abwasch helfen", kommentierte ein X-Nutzer und bezog sich dabei auf ein Zitat des amerikanischen Autors PJ O'Rourke. "Wahrscheinlich gibt es unter diesen Leuten, die hier Müll aufsammeln, jemanden, der ein kleines Kind zu Hause hat und seine Frau allein damit gelassen hat, um die WM zu schauen", schrieb ein weiterer Nutzer.
Japans Männer bei Hausarbeit ganz hinten
Nach Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2021 verbringen japanische Frauen täglich ein Vielfaches der Zeit mit unbezahlter Arbeit im Haushalt wie die Männer. Unter den hoch entwickelten Ländern zählen japanische Männer damit zu denen mit dem geringsten Anteil an dieser Arbeit.
Japan sticht erbarmungslos ins Oranje-Herz

Nicht alle teilen die Kritik. "Was ist daran peinlich?", zitierte die BBC einen X-Nutzer. "Das ist viel besser als Berichte, in denen es heißt: 'Japaner lassen im Ausland ihren Müll liegen.'"
Schon bei Japans WM-Premiere 1998 in Frankreich und bei allen Turnier-Teilnahmen danach war es zu solchen Szenen gekommen. Diese Verhaltensweise würden Japaner schon in der Schulzeit lernen, hatte der Politik- und Geschichtsprofessor Koichi Nakano nach dem Spiel gegen die Niederlande der Nachrichtenagentur AP gesagt.
