Verheerende erste WM-Woche

Gianni Infantino fliegt Klimazielen der FIFA auf und davon

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Gianni Infantino hat offenbar eine fantastische Zeit bei der Fußball-WM. (Foto: REUTERS)
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22.06.2026 | 10:00 Uhr
Gianni Infantino reist im Privatjet der XXL-WM hinterher. Der FIFA-Präsident wird damit zum Symbol eines Turniers mit fragwürdiger Klimabilanz - und verheerendem Trend.

Mal winkt er im Azteken-Stadion, wenig später grinst er in Vancouver und am nächsten Tag reist er quer durch die USA: Gianni Infantino ist derzeit quasi überall. Bei der Fußball-WM möchte sich der FIFA-Präsident offenbar so viele Spiele wie möglich ansehen. Der Reiseplan des Herrn der Lüfte hat allerdings seinen Preis: Immer mehr Flüge, immer größere Distanzen, immer mehr Kerosin. Die Kosten trägt die Umwelt. Damit ist Vielflieger Infantino das Gesicht der XXL-WM, bei deren ökologischer Bilanz Experten nur Kopfschütteln übrigbleibt.

Mexiko-Stadt, Guadalajara, Los Angeles, San José, Vancouver, Miami, Seattle, Los Angeles, Kansas City, Houston, Mexiko-Stadt, Vancouver: So sah der Reiseplan Infantinos in der ersten WM-Woche aus. Nach Recherchen des "Spiegels" nutzt der Schweizer dafür mutmaßlich einen Privatjet von Qatar Executive, einer Tochterfirma von Qatar Airways, des Typs Gulfstream G650ER (Kaufpreis: rund 60 Millionen Euro). Demnach habe Infantino allein am ersten Spieltag rund 200 Tonnen CO2 freigesetzt. Ein durchschnittlicher Deutscher verursacht in zwölf Monaten insgesamt zehn Tonnen CO2.

Heftige Kritik an der FIFA

Die exzessiven Reiserouten des 56-Jährigen sind keine Ausnahme. Laut dem Investigativmedium Josimar sammelte der Schweizer in den vergangenen drei Jahren rund 600.000 Flugkilometer - im Schnitt also knapp 550 Kilometer am Tag. "Dass Führungskräfte täglich mit stark umweltbelastenden Privatjets fliegen, vermittelt nicht gerade das Signal, dass die FIFA die Ursache des Klimawandels erkennt oder ihre Verantwortung, Teil der Lösung zu sein", kritisiert John Hocevar von Greenpeace USA. Die FIFA verteidigt die Reisen ihres Präsidenten mit dem Hinweis, dass die Führungskräfte je nach "Effizienz und Kosteneffizienz" zwischen Linien- und Privatflügen wählen und die Organisation in jedem Fall die Reisekosten übernehme.

David Gogishvili, Geograf an der Universität Lausanne, wirft der FIFA vor, ein "Nachhaltigkeitsparadoxon" geschaffen zu haben. Zwar werden bereits bestehende NFL-Stadien genutzt, was die FIFA in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie natürlich hervorhebt, aber: Die Art und Weise, wie die FIFA diese Weltmeisterschaft organisiert hat, "normalisiert Hypermobilität und wälzt gleichzeitig die Transportkosten sowie die CO2-Belastung auf die Gastgeberregionen und die Fans ab."

Mindestens neun Millionen Tonnen CO2 bei WM?

Laut Schätzungen wird die WM so mindestens neun Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursachen. Die Endrunde werde laut einer Studie der Universität Lausanne "den größten CO2-Fußabdruck in der Geschichte des internationalen Sports" hinterlassen. Zum Vergleich: Die umstrittene Endrunde vor vier Jahren in Katar stieß mit 3,8 Millionen Tonnen CO2-Emissionen weniger als die Hälfte aus.

Im Rahmen der UN-Klimakonferenz 2021 hatte sich die FIFA verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren und bis 2040 auf netto Null zu senken. Ein krasser Kontrast zur jetzigen Entwicklung.

Das Problem dürfte sich künftig eher noch verschärfen: Die Frauen-WM 2027 in Brasilien sowie die Jubiläums-WM 2030, die auf drei Kontinenten ausgetragen werden soll, setzen ebenfalls auf weit verstreute Spielorte. Zudem wird innerhalb der FIFA über eine erneute Aufstockung des Turniers auf 64 Mannschaften diskutiert. Die Kritik dürfte das nicht schmälern. Aber kommt sie oben im Himmel an?

Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid