Kaum ist die XXL-WM beendet, nehmen die wilden Gedankenspiele für das nächste Turnier weiter Fahrt auf. FIFA-Chef Gianni Infantino zeigt sich mehr als nur bereit, erneut an den Regularien für das Turnier zu schrauben. Eine Ausweitung des Wettbewerbs auf 64 Teams? Absolut möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich.
"2030 wird eine ganz besondere Weltmeisterschaft", sagte der FIFA-Chef, das hundertjährige Jubiläum werde ein "fantastisches Turnier". Die im Vergleich zu 2022 vorgenommene Ausweitung von 32 auf 48 Teams sei ein "großer Erfolg". Daran anknüpfend unterstreicht er noch einmal seine Idee einer erneuten Aufstockung. "Vielleicht" habe man bei der nächsten Auflage dann 64 Mannschaften. Das müsse man noch "diskutieren und analysieren", so Infantino.

"Wirtschaftlich hat Infantino vieles richtig gemacht"
Während sich die UEFA gegen den Vorschlag ausspricht, ist man in Südamerika begeistert. "Das nächste Mal findet sie bei uns zu Hause statt", schrieb der Präsident der südamerikanischen Konföderation CONMEBOL bei X. Das Turnier 2030 sei "eine große Chance für den Fußball, um das hundertjährige Jubiläum der WM mit einem Wettbewerb mit 64 Teams zu feiern".
Nächste WM-Aufstockung droht
Mit 64 Teams würde die Zahl der Spiele nochmals steigen. Statt 104 Partien könnte es dann 128 Partien pro Turnier geben - vorausgesetzt der Modus wird nicht verändert. Das Turnier in Spanien, Marokko und Portugal, mit einzelnen Partien in Südamerika, würde sich nochmals deutlich zeitlich ausdehnen.
Die FIFA dürfte sich durch das Turnier nochmals deutlich höhere Einnahmen versprechen, nachdem sie bei der aktuellen Auflage einem Bericht zufolge bereits rund 15 Milliarden Dollar eingestrichen hat. Und die Einnahmen lassen sich nutzen, um besonders die finanziellen Interessen der kleinen Mitgliedsverbände, die von den Zahlungen mitunter enorm abhängig sind, zu befriedigen. Für Infantino ist die Erweiterungsperspektive auch ein Wahlkampfinstrument mit Blick auf seine erneute Kandidatur für den FIFA-Chefposten im kommenden Jahr.
Ob es dann auch noch die viel kritisierten Trinkpausen in beiden Halbzeiten geben wird, lässt der FIFA-Chef offen. Aus Vermarktungssicht boten diese vor allem weitere Zeitfenster für TV-Werbung - eine für die FIFA lukrative Anpassung. Die TV-Einnahmen von 4,3 Milliarden Dollar machen alleine fast ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. "Wir werden sehen, ob wir noch Trinkpausen haben werden - oder nicht". Auch das wolle man "analysieren und diskutieren" mit Blick auf die nächste Turnierauflage, so Infantino.
"Tageslicht"-Abseits steht im Raum
Die spielerisch vermutlich einschneidendste Revolution droht beim Abseits. "Wir werden sehen, ob die Abseitsregel verändert wird oder nicht, um den Angreifern einen Vorteil zu geben", ließ der Chef des Weltverbands wissen. Infantino erklärte bereits öfter die Regelung zur Baustelle. Sein Ziel: Den Fußball "offensiver und attraktiver" zu gestalten.
"Wir betrachten die Abseitsregel, die sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat und derzeit verlangt, dass der Angreifer hinter dem letzten Verteidiger oder auf gleicher Höhe ist", hatte Infantino bereits Ende vergangenen Jahres beim World Sports Summit in Dubai erklärt. "Vielleicht muss der Spieler in Zukunft vollständig vor dem Verteidiger stehen, um als abseits zu gelten."

Wie viel WM schwappt in die Bundesliga? "Hoffe, wenig"
Mit dem ehemaligen Arsenal-Coach Arsène Wenger hat Infantino einen langjährigen Kämpfer für eine solche Abseitsrevolution an seiner Seite. Der Leiter der Abteilung für globale Fußballentwicklung fordert seit Jahren das sogenannte Tageslicht-Abseits. Zwischen Stürmer und Verteidiger muss eine Lücke erkennbar sein, erst dann würde eine Situation als Abseits gewertet werden. Ein entsprechender Test läuft seit April in der kanadischen Fußballliga CFL.
Dort wird zudem parallel noch mit einem anderen System experimentiert: einem Challenge-System beim Video-Beweis. Statt Hinweisen des externen VAR-Referees dürfen die Trainer - analog zum aus dem US-Sport bekannten System - Anträge stellen, um strittige Situationen prüfen zu lassen. Das steht allerdings nicht zur Debatte für das Turnier 2030. Bis jetzt.

