Drohende "Atombombe"

Infantino will WM teilweise an Investoren verkaufen

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28.07.2026 | 17:15 Uhr
Der Fußball-Weltmeisterschaft droht die nächste Revolution. FIFA-Chef Infantino plant mit einem Investoren-Deal für die Turniere. Davon könnte besonders er selbst radikal profitieren.

FIFA-Präsident Gianni Infantino will Anteile an den nächsten Weltmeisterschaftsturnieren an private Investoren verkaufen. Damit will die FIFA mehr als vier Milliarden Dollar erlösen, teilte der Verband in Reaktion auf Medienberichte mit.

Zur Umsetzung des Plans soll demnach eine Firma gegründet werden, die "FIFA Forward Enterprise" (FFE), welche dann zukünftig die WM-Endrunden von Männern und Frauen ausrichtet. Ebenso sei geplant, die 2025 erstmals ausgetragene Klub-Weltmeisterschaft von dem Unternehmen verwalten zu lassen. Das Unternehmen würde unter "alleiniger Kontrolle" der FIFA stehen, heißt es in der Mitteilung. "Langfristige Investoren sollen sorgfältig ausgewählt werden und Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollrechte an der FFE erwerben." Den Plänen der FIFA-Spitze müssten sowohl der Kongress des Verbands als auch der Council zustimmen.

Die UEFA reagierte mit scharfer Kritik auf den Vorstoß. "Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften", so der Verband. "Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsware - erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert. Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs. Er steht der FIFA nicht zum Verkauf", heißt es weiter.

Die Idee soll bereits mit Vertretern der Trump-Regierung besprochen worden sein, heißt es dazu in einem Bericht der "Times". Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll daran interessiert sein, als Investor bei dem Projekt einzusteigen. Als weiterer Interessent wird die US-Bank J.P. Morgan genannt.

Ein Verkauf von Investoren könnte auch weitere Kommerzialisierungsschritte bei der WM-Endrunde nach sich ziehen. Infantino ist bereits offen für die Idee, das jüngst erst auf 48 Teilnehmer erweiterte Starterfeld auf 64 Mannschaften auszuweiten. Beim XXL-Turnier in Kanada, Mexiko und den USA hatte es zudem auch erstmals Werbeunterbrechungen in der ersten und zweiten Halbzeit gegeben im Rahmen der sogenannten Hydration Breaks (Trinkpausen). Die FIFA steigerte ihren Umsatz Berichten zufolge deutlich und nahm bis zu 15 Milliarden Dollar ein.

Infantino könnte gewaltig absahnen

Für die 211 Verbände, die sich der FIFA angeschlossen habe, bietet der Infantino-Plan auch lukrative Vorteile. Jeder Verband soll laut Bericht einen Anteil erhalten, der rund 20 Millionen Dollar wert ist. Diesen könnten die Verbände dann behalten oder an Investoren verkaufen, um so zusätzliche Gelder für den eigenen Betrieb zu generieren. Für viele kleinere Verbände, die von den Zahlungen des Weltverbands abhängig sind, könnte dies ein Argument sein, um dafür zu stimmen, das WM-Turnier auszugliedern.

Die FIFA selbst soll eine Mehrheit an dem Unternehmen halten, 20 bis 30 Prozent der Anteile sollen an Investoren fließen. Weitere 20 Prozent würden sich zu Beginn auf die verschiedenen Mitgliedsverbände verteilen, der Anteil könnte aber durch Verkäufe sinken.

Laut FIFA könnten die Ausschüttungen für die einzelnen Mitgliedsverbände in den WM-Zyklen dadurch deutlich steigen. Von derzeit acht Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus stiege der Betrag demnach zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar.

In dem Bericht wird ein namentlich nicht genannter Insider zitiert, der davon spricht, dass der FIFA-Plan einer "Atombombe" gleichkommt. Investoren sprechen offenbar bereits davon, dass man nun die Chance habe, die "FIFA zu kaufen".

Den Vorsitz in der Firma würde demnach der FIFA-Chef selbst übernehmen und dementsprechend lukrativ entlohnt werden. Dem Bericht zufolge sieht Infantino den Posten auf Augenhöhe mit dem eines Commissioners in der US-Football-Liga NFL. Dort verdient Roger Goodell rund 64 Millionen Dollar pro Jahr. Für Infantino würde dies eine Verzehnfachung seines Gehalts bedeuten.

Verwendete Quellen: ntv.de, lme