Tausende Menschen feierten ihre Fußball-"Krieger" in den Straßen von Asuncion ausgelassen, laut hupende Autos schlängelten sich nicht nur durch Paraguays Hauptstadt - und der stolze Staatspräsident rief einen nationalen Feiertag aus. Die WM-Sensation gegen Deutschland versetzte die Albirroja und ihre Fans in kollektive Ekstase.
"PARAGUAY GIBT NIEMALS AUF! FEIERTAG, VERDAMMT NOCH MAL!", verkündete Präsident Santiago Peña bei X und unterzeichnete wenig später das entsprechende Dekret für Dienstag. "Heute feiert ein ganzes Land. Es feiert den Sieg einer Nationalmannschaft, die das Wesentliche unserer Identität verkörpert: den Kampfgeist, den Glauben und die Stärke eines Volkes, das niemals aufgibt." Das nervenaufreibende 4:3 im Elfmeterschießen ließ Keeper Orlando Gill, den Torschützen Julio Enciso und all die anderen so tapfer kämpfenden Paraguayer zu Nationalhelden aufsteigen.
Trainer Gustavo Alfaro hatte seiner Mannschaft vor dem Spiel offenbar genau jene Mischung aus Ruhe und Glauben vermittelt, die sie später durch den Elfmeterkrimi tragen sollte. "Er vermittelte uns Gelassenheit und gab uns das Gefühl, dass wir zu Legenden unseres Landes werden können. Und genau so war es dann auch", berichtete Enciso über die Motivationsrede seines Trainers.
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"Vor dem Spiel hatte ich 26 Krieger, danach sind sie zu Legenden geworden", befand Alfaro, den sie aufgrund seiner tiefgehenden Analyse "Professor" nennen, voller Pathos. Ein "episches Spiel" habe seine Mannschaft beim Sechzehntelfinale in Foxborough abgeliefert gegen den viermaligen Weltmeister, diebisch freute er sich über den perfekt aufgegangenen Matchplan. "Für mich war es ohne Zweifel der größte Sieg meiner Trainerkarriere." Dabei hatte sich Paraguay gerade so als einer der acht besten Gruppendritten für die K.o.-Runde qualifiziert und war krasser Außenseiter.
"Voller Mut und mit unbändigem Kampfgeist"
"Die Spieler haben ganz genau verstanden, was diese Partie erforderte, und enormen Einsatz gezeigt, um zu verhindern, dass Deutschland Räume findet und sein Spiel aufziehen kann", erklärte der Argentinier, der nach der rumpeligen Gruppenphase in der Kritik stand. Fußballerisch ohne Frage limitiert, aber in der Abwehr "voller Mut und mit unbändigem Kampfgeist", wie die Zeitung "La Nacion" schrieb, ging der Underdog erfolgreich zu Werke. Das Blatt "ABC" nannte die Sensation gegen den viermaligen Weltmeister eine "weltweite Überraschung".
Die Entscheidung: Die letzten zwei Elfmeter gegen Paraguay

Und schaffte es tatsächlich bis ins Elfmeterschießen, in dem Gill zum "überragenden Helden" - so titelte ese "Última Hora" - aufstieg. Die Elfmeter von Kai Havertz und Nick Woltemade parierte der 26 Jahre alte Torhüter, der sich in den 120+ Minuten zuvor wie in einem "Horrorfilm" gefühlt hatte gegen die "überall auftauchenden Deutschen". Doch seine sechs Paraden im Spiel ließen die deutschen Offensivstars mehr und mehr verzweifeln.
"Es ist der schönste Tag meines Lebens"
Besonders emotional wurde Enciso, der Paraguay gegen den haushohen Favoriten Deutschland in der 42. Minute in Führung geköpft hatte, nach dem Ende des Nervenspiels vom Punkt. "Es ist der schönste Tag meines Lebens" sagte der Angreifer von Racing Straßburg mit stockender Stimme, als er im Moment des Glücks an seinen geliebten Opa dachte. Der war 2023 verstorben, bevor er seinen Enkel bei einer WM spielen sehen konnte. "Ich widme diesen Sieg meinem Großvater. Er wäre stolz auf mich", erklärte Enciso mit geröteten Augen: "Dieser Sieg ist ein Geschenk Gottes und von ihm."
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Nun geht es im Achtelfinale am Samstag in Philadelphia gegen Vize-Weltmeister Frankreich oder Schweden. Mit einem weiteren Sieg wäre das bislang beste WM-Abschneiden beim Viertelfinaleinzug 2010 gegen den späteren Titelträger Spanien (0:1) eingestellt. Angetrieben von der Sensation gegen Deutschland, träumt Paraguay nun erst recht groß. "Wir", versicherte Enciso, "haben vor niemandem Angst."
