Rudi Völler stand nach dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft dicht vor einem Rücktritt als DFB-Sportdirektor. "Ich habe überlegt, ob es nach dieser WM noch Sinn macht, weiterzumachen und habe gewackelt. Ich war nah dran", berichtete der 66-Jährige beim Internationalen Trainerkongress in Mainz.
Nach Gesprächen mit der Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes und dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp habe er sich aber entschieden, seinen Vertrag bis zur EM 2028 zu erfüllen. "Jürgen hat eine enorme Vita. Wenn er sagt, du musst dabeibleiben, freut mich das natürlich. Ich werde ihn auf meine Art unterstützen", sagte Völler.

"Jürgen Klopp kann DFB-Team zurück in die Weltspitze bringen"
Hauptaufgabe werde es sein, attraktiveren Fußball zu spielen. "Wir müssen die Massen wieder begeistern und es bei der nächsten EM besser machen", forderte Völler. Dafür sei Klopp der richtige Mann. "Du musst den Menschen in den nächsten zwei Jahren eine gewisse Zuversicht geben. Das kann er mit seiner Art. Er hat das Land ja schon angezündet", sagte Völler.
Sportdirektor glaubt an Aufschwung
Der ehemalige Teamchef, der mit der DFB-Auswahl 2002 Vize-Weltmeister geworden war, freut sich auf die Zusammenarbeit mit Klopp. "Es ist super, dass er es geworden ist", sagte Völler und lobte: "Es ist seine ganz große Stärke, neben seinem Fußball-Sachverstand, Menschen mitreißen zu können."
Diese Fähigkeit habe Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann zuletzt gefehlt. "Er hatte keine Lobby mehr. Jede seiner Entscheidungen wurde ihm negativ ausgelegt", sagte Völler. Der DFB hatte sich nach dem frühzeitigen WM-Aus im Sechzehntelfinale von Nagelsmann getrennt.

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Bei Klopp werde dies anders sein, prophezeite Völler: "Er hat die Wucht und die Macht, auch mal Dinge auszuprobieren. Und bei ihm wird man auch mal ein Auge zudrücken, wenn etwas nicht so funktioniert. Das hat er sich erarbeitet." Er habe die Hoffnung, dass es unter dem 59-Jährigen mittelfristig wieder bergauf gehe. "Wir sind immer noch eine Nation, die an guten Tagen alle schlagen kann", bekräftigte Völler.
"nicht gleich zu Beginn Schlagzeilen liefern"
Auch Klopp hätte beim Trainerkongress eigentlich dabei sein sollen, sagte aber ab und entschuldigte sich: "Ich möchte nicht gleich zu Beginn nochmal Schlagzeilen liefern, ohne jemals mit der Mannschaft gespielt zu haben. Deshalb dachte ich, es macht Sinn, dass ich nicht darüber spreche, worüber ich sprechen wollte", sagte Klopp in einer Videobotschaft. Der 59-Jährige sollte den Eröffnungsvortrag halten. "Das Thema wäre gewesen: Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein umso mehr", berichtete Klopp in seinem Video-Statement.

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"Da hätte ich erzählt aus meiner Karriere, wie ich es geschafft habe - ohne ganz genau zu wissen, wie es funktioniert hat - solange bei den jeweiligen Vereinen gewesen zu sein", sagte der Bundestrainer und fügte hinzu: "Wenn ich mir vorstelle, ich hätte darüber erzählt, dann könnte mir das durchaus in den nächsten Tagen und Wochen um die Ohren fliegen. Weil, jetzt bin ich Trainer geworden. Das war schon schwer genug. Aber jetzt muss ich auch zeigen, dass ich es auch bleiben kann. Darauf möchte ich mich konzentrieren."
