"Schulnote vier"

Schlechtes Zeugnis: Matthäus rechnet mit Nagelsmann ab

imageInterview: Antonia Raabe
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Julian Nagelsmann (links) und Jürgen Klopp bei MagentaTV. (Foto: Tom Weller/dpa)
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03.07.2026 | 13:22 Uhr

Die Ära ist beendet: Der Deutsche Fußball-Bund bestätigt den Rücktritt von Julian Nagelsmann als Bundestrainer. Rekordnationalspieler und Fußball-Experte Lothar Matthäus spricht im Interview mit ntv/RTL offen über den ehemaligen Bundestrainer und dessen Fehler.

Herr Matthäus, wie bewerten Sie abschließend die Leistung von Julian Nagelsmann als Bundestrainer?

Lothar Matthäus: Ich würde ihm eine Schulnote vier geben. Ausreichend, weil es eben zwischendurch immer wieder die Ausschläge nach oben gegeben hat. Wir hatten drei Turniere mit ihm: Die Heim-EM mit Viertelfinale. Da reden wir immer vom unglücklichen Ausscheiden, aber da hat man auch nicht in jedem Spiel überzeugt. Dann kam die Nations League im eigenen Land: vier Mannschaften, Platz vier. Ich glaube, das sagt alles aus. Jetzt die Weltmeisterschaft, bei der wir schon im Sechzehntelfinale ausgeschieden sind.

Was waren die Gründe für das Nagelsmann-Aus beim DFB?

Die Aussage nach dem Spiel war in dem Moment für ihn die richtige, aber man hat jetzt ein bisschen Zeit gewonnen und ist zurück in Deutschland. Man hat sich gestern mit den Verantwortlichen getroffen – in dem Team, in dem man über zweieinhalb Jahre zusammengearbeitet hat. In der Besprechung sind Dinge aufgefallen und viele sind von ihm als Bundestrainer abgerückt, die nicht mehr dieses Vertrauen zu ihm haben: die Verantwortlichen vom DFB. Auch über die Medien ist großer Druck ausgeübt worden. Es war sehr negativ um seine Person. Auch die Fans haben kein Vertrauen mehr zu ihm gehabt. Auch einige Spieler, die sich nicht so behandelt gefühlt haben, wie es vielleicht normal gewesen wäre, während der Weltmeisterschaft. Er hat viele Fehler gemacht, das muss man sagen. Deswegen ist es so weit gekommen. Aber er ist nicht der alleinige Schuldige, dass die Mannschaft so früh ausgeschieden ist, sondern natürlich müssen die Spieler abliefern auf dem Platz.

Ist die Trennung zwischen Nagelsmann und dem DFB die richtige Entscheidung?

Ja, absolut. Es ist die richtige Entscheidung. Ich habe kurz nach dem Spiel schon gesagt, dass jetzt ein neuer Mann ans Ruder muss. […] Er ist von allen Seiten kritisiert worden. Das Ergebnis hat nicht gestimmt, die Leistung hat nicht gestimmt. Die Stimmung um die Mannschaft herum war auch nicht in Ordnung. […] Es gibt viele Gründe, um diese Entscheidung durchzuziehen. Man sagt jetzt schön, dass die Trennung im beidseitigen Einvernehmen getroffen wurde, aber ich glaube nicht, dass es im beidseitigen Einvernehmen war. Es lag ein gewisser Druck vom DFB auf Julian Nagelsmann, der ihm diese Entscheidung so ein bisschen abgenommen hat, die er aber dann selbst nach außen tragen kann. 

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Wie haben Sie grundsätzlich die Kommunikation von Nagelsmann empfunden?

Es ist in der Öffentlichkeit so rübergekommen, dass er ab und zu stur ist. Er musste Aussagen, die er getätigt hat, verbessern oder verändern. Zum Beispiel, was Undav, Baumann und Goretzka betrifft. Es sind ja nicht nur einzelne Aussagen, die er getroffen hat und dann im Endeffekt nicht eingehalten hat, sondern es waren mehrere.

Was fehlt Julian Nagelsmann als Trainer noch für den ganz großen Wurf?

Julian Nagelsmann hat sehr viel gewechselt. Er hat nie eine Einheit auf den Platz gebracht. Er hat 60, 70, 80 Spieler getestet in seiner Zeit als Bundestrainer, keinen klaren Kurs gefahren; hat an Spielern festgehalten, die im Endeffekt nicht die Spielpraxis hatten; hat an Spielern festgehalten, die nicht an der Leistungsgrenze waren. Wie soll man dann Weltmeister werden? Wie soll man überhaupt weiterkommen in einem Turnier? Man hat gesehen, dass die Mannschaft im Endeffekt nicht so performt hat, wie wir das erwartet haben und dass Spieler auf der falschen Position gespielt haben; dass Spieler, die hintendran waren und bei ihrer Einwechslung performt haben, danach nicht berücksichtigt wurden. 

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Sind die Nebenschauplätze am Ende Mitgrund für das Nagelsmann-Aus?

Auch bei dieser WM hat man gemerkt, dass keine Ruhe in dieses Team gekommen ist. Es gab sehr viele Schlagzeilen von außen. Die hat Nagelsmann nicht alleine zu verantworten, sondern auch die Leute, die beim DFB in der Verantwortung stehen. Zum Beispiel bei der Quartiersuche und bei der Entscheidung, ab wann die ganzen Familien zur Nationalmannschaft dazukommen. Ich finde, das muss man einfach besser klären, weil man in der Vergangenheit schon viele vergleichbare Geschichten gehabt hat, die der Nationalmannschaft geschadet haben. Ich war selbst davon betroffen, deswegen weiß ich, wovon ich spreche. Ich glaube, dass in Zukunft klarere, bessere Entscheidungen getroffen werden müssen, sodass der Fokus wieder auf dem Fußball liegt und nicht auf den Nebenschauplätzen, die sich immer wieder bei so einer Weltmeisterschaft bilden.

Verwendete Quelle: ntv.de