Peinlicher WM-Post

Was hat Friedrich Merz nur für ein DFB-Spiel gesehen?

imageVon Tobias Nordmann
Bundeskanzler-Friedrich-Merz-ist-bei-der-Rente-zuversichtlich
Öhm. (Foto: Michael Kappeler/dpa)
00:00 / 02:50
30.06.2026 | 09:28 Uhr
Bundeskanzler Friedrich Merz spendet der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem dramatischen WM-Aus gegen Paraguay Trost. Seine Worte via X werfen aber Fragen auf. Hat Merz dasselbe Spiel gesehen wie der Rest der Welt?

Niemand bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wollte die Dinge schöner reden, als sie waren. Julian Nagelsmann beklagte, dass seine Fußballer beim WM-Debakel gegen Paraguay (3:4 nach Elfmeterschießen) zu langsam gespielt hätten. Joshua Kimmich wollte nirgendwo eine Entschuldigung suchen. Wer nach 120 Minuten und einer höchst umstrittenen Schiedsrichterleistung trotzdem nicht in der Lage sei, einen schwachen Gegner zu besiegen, der scheitere halt verdient. Niemand, nein wirklich niemand, sah die Dinge positiv.

Außer einem: Friedrich Merz. Der Bundeskanzler meldete sich via X. Wie es gute Tradition ist. Deutschlands Top-Politiker bieten sich gerne als emotionale Stütze oder auch als Feierbiest, wie Angela Merkel 2014, an. Noch in der Nacht reichte also Merz den blamierten DFB-Stars die Schulter: "Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel!", schrieb der CDU-Politiker auf Social Media: "Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch."

Es sind Worte, die nicht weiter weg sein könnten von dem, was in den USA wirklich passiert ist. Das Spiel war langsam, langweilig. Euphorie, Ekastase? Endzeitstimmung! Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann reagierte fassungslos auf Merz: "Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse." Und in einem weiteren Post schrieb sie als politische Abrechnung: "Diese Nationalmannschaft spielt, wie diese Bundesregierung regiert: viel Anspruch, wenig Entschlossenheit." Der Post des Bundeskanzlers reiht sich in die zahlreichen Fettnäpfchen ein, die seine Kommunikation im Amt auf allen Ebenen immer wieder begleiten.

Deutschland ratlos

Kimmich klagte in einer herzzerreißenden Botschaft an, dass seine Mitspieler und er eben nicht in der Lage waren, das Land stolz zu machen. Zu tief saß der Schmerz und trotzdem war der Blick klar. Nach dem donnernden 7:1 gegen den Super-Außenseiter Curacao kam kaum noch etwas, das das Land mitriss. Der Doppelpack von Deniz Undav gegen die Elfenbeinküste noch. Aber auch bei diesem Sieg (2:1) wurde schon deutlich, wie schwer es das Team hat.

Gegen körperlich robuste Gegner (Einsatz, Herr Merz!) waren sie eingeschüchtert, mutlos, nicht in der Lage, hart dagegenzuhalten. Gegen Paraguay ging ihnen die große Leidenschaft erneut ab, die Dinge auf dem Rasen zur Not auch zu erzwingen. Lange Zeit bewarb sich das Spiel neben Kanada vs. Südafrika am Tag zuvor um das schwächste Spiel des Turniers. Die Südamerikaner standen hinten drin, die Deutschen ratlos davor.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Merz mit seiner sportlichen Schulter blaue Flecken holt. Anfang Februar ging ein Video viral, in dem er mit den Handball-Nationalspielern anstößt. Dabei gab es einen Fremdschäm-Moment. Als er versucht, die Mannschaft als Chor für die Weisheit: Nach dem Spiel ist ... vor dem Spiel" zu gewinnen, steht er alleine da. Danach stößt er an, lobt Teamgeist und mitreißende Leistungen. Immerhin das passte.

Verwendete Quelle: ntv.de