Klub in Trümmern, Ismaik poltert1860 kämpft erbittert gegen Zwangsabstieg in den Amateurbereich

Traditionsverein in Gefahr: 1860 München steckt im Geld-Chaos und muss für die Lizenz der 3. Liga 2,7 Millionen Euro auftreiben. Nun meldet sich der umstrittene Investor Hasan Ismaik - und will nicht mehr. Der Verein liegt in Trümmern.
Das Chaos wird immer wilder, der Traditionsklub TSV 1860 München kämpft ums nackte Überleben: Die Lizenz vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die 3. Liga steht dieser Tage auf dem Spiel. Ohne diese müssten die Sechzger den bitteren Zwangsabstieg in die Regionalliga schlucken, der Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifußball. Die "Bild"-Zeitung berichtete am Dienstag als erstes.
Wie immer geht es ums Geld. Um den tiefen Fall zu verhindern, muss der Verein bis zum 3. Juni 2,7 Millionen Euro auftreiben und gegenüber dem DFB die Liquidität beweisen. Aber wie? Am Mittwoch zeigte sich das Präsidium zuversichtlich: "Wir gehen aktuell davon aus, dass der Liquiditätsnachweis gegenüber dem DFB rechtzeitig erbracht wird. Die entsprechenden Gespräche hierzu dauern an", hieß es in der Stellungnahme.
Eine mögliche Geldquelle fällt nun definitiv weg. Der umstrittene Investor und Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik ist anders als in den Vorjahren nicht gewillt, dem Chaosklub die Millionen zuzuschieben. Ismaik selbst soll laut der "Süddeutschen Zeitung" der Grund für die klaffende Euro-Lücke sein, weil er am 21. Mai äußerst kurzfristig bestehende Darlehensverträge mit 1860 gekündigt habe. Der Klub geht dagegen gerichtlich vor.
Ismaik: "Nicht das, was wir uns erhofft hatten"
Am späten Mittwochabend meldete Ismaik sich schließlich persönlich auf X zur gefährlichen Lage. Er habe die "bestehenden Darlehen gekündigt, weil wichtige Verpflichtungen unter den Darlehensverträgen nicht eingehalten wurden", schrieb der Geldgeber. "Wir haben aber auch ein neues Finanzierungsmodell mit besseren Konditionen als zuvor vorgelegt, zinslos und mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung." Allerdings, so stellt er klar: "Diese Unterstützung muss an Transparenz und finanzielle Disziplin gebunden sein, damit wir sicherstellen können, dass die Mittel ordnungsgemäß verwendet werden."
Ferner habe er "zusätzliche Lösungen vorgelegt, die verhindern würden, dass der Verein in die Insolvenz fällt, und ihm die Möglichkeit gegeben, Stabilität zu erreichen, unter Wahrung der Rechte des Vereins und seiner Fans", schrieb Ismaik. Der Klub müsste seinen Finanzierungsalternativen lediglich zustimmen, er bleibe weiterhin bereit zum Dialog.
Auch zu den Hintergründen seiner Entscheidung äußerte sich Ismaik. "Seit fünfzehn Jahren habe ich den Verein mit nahezu achtzig Millionen Euro unterstützt, weil ich an die Möglichkeit geglaubt habe, die Löwen auf starken und stabilen Grundlagen neu aufzubauen", sagte der Unternehmer, der seine 60-Prozent-Beteiligung schon seit etwa einem Jahr veräußern möchte. Es sei niemals seine Absicht gewesen, bloß ein Teilhaber zu sein, sondern er wollte den Verein zurück an die Spitze bringen. Er gab aber auch eigene Fehler in der Vergangenheit zu und räumte ein: "Die Wahrheit ist jedoch, dass die Ergebnisse nicht das waren, was wir uns alle erhofft hatten."
1860 schon einmal ohne Lizenz
Gleichzeitig brauche der Verein "mehr als eine neue Finanzierung. Er braucht eine echte Restrukturierung, ein klares Finanzkontrollsystem und Compliance sowie ein Management, das nach modernen institutionellen Standards arbeitet, wie es auch bei erfolgreichen Vereinen und Unternehmen der Fall ist", so der Investor.
Ismaik stieg 2011 bei den Sechzgern ein und prägte eineinhalb Jahrzehnte voll Chaos und Streit. Bereits nach der Saison 2016/17, als die Münchner aus der 2. Liga abstiegen, fand der Klub nicht die finanziellen Mittel für die 3. Liga und musste den bitteren Fall in die Regionalliga schlucken.