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Lemke (m.) hat ein Faible für gute Geschäfte - und Frauen mit großem Busen.
Lemke (m.) hat ein Faible für gute Geschäfte - und Frauen mit großem Busen.(Foto: imago sportfotodienst)
Samstag, 09. Dezember 2017

Redelings über die Saison 83/84: Wenn Willi Lemke Spieler aus dem Puff rettet

Von Ben Redelings

Die Spielerberater sind in der Bundesliga angekommen - und wie. Holger Klemme erzählt gleich Schlüpfriges aus Bremen. In Düsseldorf lässt ein Torwart die Hose herunter. Und ganz nebenbei feiert die Liga eines der spannendsten Finals ihrer Geschichte.

Wolfgang Kleff ist sauer. Die Fortuna will seinen Vertrag nicht verlängern. Im letzten Saisonspiel lässt sich der Düsseldorfer Torwart deshalb in der 74. Minute unter dem Vorwand einer Verletzung auswechseln. Fröhlich trabt er anschließend eine Runde durchs Düsseldorfer Rheinstadion. Unterwegs entkleidet Kleff sich Stück für Stück. Trikot, Stutzen, Schuhe und seine Handschuhe hat er bereits ins Publikum geworfen, als Kleff vor der Haupttribüne beschwingt winkend ankommt. Langsam stoppt der Torhüter, dreht sich zum Spielfeld, streckt seine Beine durch, beugt den Oberkörper nach unten und zieht in einem Rutsch seine Hose herunter. Kleffs nackter Hintern strahlt leicht von links nach rechts wackelnd dem erzürnten Fortuna-Präsidenten Bruno Recht mitten ins Gesicht. Des Torwarts trockener Kommentar im Anschluss: "Für die Fans gebe ich mein letztes Hemd, für manch anderen nur meinen Arsch!"

Erstmals treten Spielerberater an das Licht der Bundesliga-Öffentlichkeit. Einer der schillerndsten Figuren in dieser Szene ist Holger Klemme, der live im TV einen unglaublich raffinierten Trick bei Verhandlungen mit Klubvertretern preisgibt: "Da laufen dann in der ersten halben Stunde fünf Runden Pils mit der Absicht, mich müde zu machen. Aber nicht mit mir. Ich schalte dann immer ein paar Gläschen Fernet Branca dazwischen. Die darin enthaltenen Pflanzenstoffe bauen Alkohol wieder ab."

Die Erotik eines guten Geschäfts

Als Klemme in der Talkshow für seine Geschäftspraktiken gerügt werden soll, reagiert er geschickt mit einem Konter. Er wirft dem anwesenden Werder-Manager Willi Lemke vor, er hätte zwei seiner Spieler aus dem Bordell ausgelöst, als diese nicht mehr flüssig waren, dafür aber vor Ort verlangt, dass sie auf einem Bierdeckel einer Vertragsverlängerung zustimmen. Lemke behauptet natürlich, dass so etwas nie passiert sei, ist aber im ersten Moment eher sprachlos.

Sprachlosigkeit kann man Klemme hingegen in der Tat nicht vorwerfen. Seinen Job betrachtet er so: "Ich knie mich voll rein für die Jungs - und die natürlich für mich." Auf die Frage, was er denn erotisch fände, antwortet Klemme einmal: "Zwei Dinge: ein erfolgreich durchgezogenes Geschäft, das exakt nach meinem Plan ablief und bei dem beide Teile zufrieden sind, ohne dass ein Tropfen Blut floss. Zweitens: schlanke Frauen mit großem Busen."

Rummenigge sorgt für einen Rekordtransfer.
Rummenigge sorgt für einen Rekordtransfer.

 Eine Spielzeit wie diese ist fast so selten wie ein Sechser im Lotto. Am Ende beträgt die Differenz zwischen dem Meister VfB Stuttgart und den Bremern auf Platz fünf gerade einmal drei Punkte – dementsprechend spannend ist das Saisonfinale, bis zum 33. Spieltag. Da gelingt dem VfB vorzeitig sein Meisterstück. Stuttgart siegt bei Werder mit 2:1 und gewinnt, weil zeitgleich der Hamburger SV zu Hause gegen Eintracht Frankfurt mit 0:2 verliert, den Titel. Der VfB weist das deutlich bessere Torverhältnis als der HSV auf. Trotz der engen Situation an der Tabellenspitze trauert Fußball-Deutschland um ein echtes Endspiel, denn am letzten Spieltag treffen der VfB und der HSV im Neckarstadion aufeinander. Die Hamburger siegen gegen feiertrunkene Stuttgarter mit 1:0 und festigen ihren zweiten Platz. Am Ende haben sowohl der Meister wie der HSV und der Dritte Borussia Mönchengladbach 48:20 Punkte auf ihrem Konto. Die Bayern werden Vierter und haben mit 47 nur einen Zähler weniger.

Stuttgart feiert ausgelassen

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In Stuttgart herrscht nach dem Titelgewinn Ausnahmezustand. Es wird gefeiert, was das Zeug hält. Oberbürgermeister Manfred Rommel ist Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sehr dankbar: "Unter deiner Präsidentschaft stieg der VfB aus dem tiefen Tal zu lichten Höhen!" Man fällt sich in die Arme, prostet sich zu und wird ausgelassen. Nur einer hält wie immer die Stellung: Willi Schöttle, der Stadionordner des VfB, bewacht zum Leidwesen der Journalisten die Katakomben ganz genau. Längst haben sie ihm einen Spitznamen verpasst: der "Bullenbeißer vom Betonbunker".

Am Ende verliert die Bundesliga einen ihrer ganz großen Stars. Karl-Heinz Rummenigge geht zu Inter Mailand. Lange Zeit hatte man vor allem in München noch gehofft, dass es sich der Bayern-Stürmer trotz des Millionen-Angebots noch einmal anders überlegen würde. Und als dann urplötzlich die "Abendzeitung" verkündet, Rummenigges fünfjähriger Sohn André habe gemeint: "Mama mia, ich mag doch keine Spaghetti", jubiliert man bereits. Umsonst. Eine sehr hohe, zweistellige Millionensumme wird an den FC Bayern überwiesen. Ein Rekordtransfer für viele Jahre. Doch Rummenigge geht mit einem weinenden Auge aus München weg: "Das ist wie mit der ersten Liebe – die vergisst man auch sein ganzes Leben nicht!"

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Quelle: n-tv.de