Fußball

"Wir müssen ehrlich sein" BVB schielt nach CL-Fiasko auf Trostplatz

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Sahin tröstet seinen Keeper Bürki. Der hatte mal wieder entscheidend gepatzt.

(Foto: dpa)

Nach Nikosia fahren, drei Punkte holen und im Rennen um das CL-Achtelfinale bleiben. Das war der Plan des BVB vor seiner Reise. Nach dem Zypern-Trip geht es um Schadensbegrenzung - und den Umgang mit einer Dauerbaustelle.

Kurz vor dem Abpfiff platzte Sokratis der Kragen. Dortmunds griechischer Manndecker packte sich seinen Gegenspieler Mickael Poté, der ihn mit seiner resoluten Spielweise genervt hatte und ging ihm an den Kragen. Es blieb unergründlich, ob der Torschütze von APOEL Nikosia seinen Kontrahenten aufgrund seines überzeugenden Auftretens in Rage versetzt hatte, oder ob Sokratis von den Darbietungen seiner Kollegen derartig genervt war, dass er kurz davor war, die Contenance zu verlieren und einen Platzverweis zu riskieren.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die zweite Option zutrifft. Denn was der BVB beim mageren 1:1 (0:0) auf der Insel Zypern über 90 Minuten bot, war meilenweit von dem entfernt, was dem eigenen Selbstverständnis entspricht. Schließlich taumelte der Tabellenführer der Bundesliga beim krassen Außenseiter von der Mittelmeerinsel am Rande einer Niederlage. Und das gegen einen Kontrahenten, der im Sturmzentrum mit Poté einen Mann aufbot, der über eine deutsche Vergangenheit berichten kann - beim Zweitligisten Dynamo Dresden. Das allein sagt viel über die Ausgangslage vor diesem Aufeinandertreffen, das für die Borussia in einer Enttäuschung endete, die alle Beteiligten nachdenklich zurückließ.

Schmeichelhaftes Remis

Der BVB war nach Zypern geflogen, um drei Punkte zu holen. Nicht mehr und nicht weniger. Nach zwei Niederlagen zu Beginn der Gruppenphase erwarte er von seiner Mannschaft einen Sieg, hatte Trainer Peter Bosz vor Spielbeginn unmissverständlich zu verstehen gegeben. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, gegen den am schwächsten eingestuften Kontrahenten in der Gruppe H zwei Siege einzufahren, um Platz zwei nicht frühzeitig aus den Augen zu verlieren.

"Wenn wir noch eine Chance auf das Weiterkommen haben wollen, müssen wir in Nikosia gewinnen“, hatte Sportdirektor Michael Zorc vor dem Abflug zu Protokoll gegeben: "Wir fahren als Favorit dorthin und müssen dem gerecht werden." Die Realität sah anders aus. Der BVB fand keine spielerischen Mittel, es gab keine Tempowechsel, keine Positionswechsel, kein Überraschungsmoment. Am Ende gab es am Remis nichts zu deuteln, es war sogar schmeichelhaft. "Das hätte uns nicht passieren dürfen", sagte Mittelfeldspieler Mario Götze, der sich genau wie seine Nebenleute vergeblich bemüht hatte, dem blutleeren Auftritt der Dortmunder so etwas wie Klasse und Struktur zu verleihen.

Bürgerpflicht: Ruhe bewahren

Die ärmliche Darbietung in Nikosia lässt die Frage dringlicher erscheinen, die bereits nach dem glücklichen Sieg in Augsburg und der Heimniederlage gegen Leipzig aufpoppte: Wie weit klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei Borussia Dortmund im beginnenden Herbst auseinander? Vor zwei Wochen hatte Bosz noch betont, er sei positiv überrascht, wie schnell die Mannschaft seine Idee von Fußball verinnerlicht habe und wie gut es ihr gelinge, die Marschroute von Ballbesitz und Vorwärtsverteidigung umzusetzen. Nun klingt die Selbsteinschätzung ein wenig anders: "Im Fußball ist es unmöglich, dass man in jedem Spiel super spielt", sagt der Niederländer: "Aber zwei Mal in Folge nicht zu gewinnen, das darf einer Mannschaft wie Borussia Dortmund nicht passieren."

Auffallend war in Nikosia die spielerische Armut, mit der das Team des BVB versuchte, seinen spielerisch limitierten Gegner in die Schranken zu weisen. "Das war nicht zwingend genug, gerade in der letzten Zone vor dem Tor", monierte Götze: "Da musst du mehr draus machen." Und der zurückgekehrte Kapitän Marcel Schmelzer ergänzte: "Das war heute nicht gut von uns, das war einfach nur wild. Das darf in der Champions League einfach nicht passieren."

Über die hochstehende Abwehr, die immer wieder Gefahr läuft, überlaufen zu werden, wurde bereits nach der Heimniederlage gegen Leipzig diskutiert. Nun kommt noch die Debatte um Torhüter Roman Bürki dazu. Der Schweizer patzte vor dem Führungstreffer für Nikosia gleich zwei Mal, als er zuerst unbedrängt einen Fehlpass spielte und dann auch noch einen Schuss nach vorne abprallen ließ. Es war nicht die erste Fehlleistung des Keepers, dessen Eignung für höhere Weihen immer dringlicher infrage gestellt wird. Auf einen solchen Exkurs wollen sie sich beim BVB jedoch nicht einlassen. "Bei uns in der Mannschaft und bei uns im Verein gibt es gar keine Diskussionen", betont Kapitän Schmelzer: "Roman ist ganz klar unsere Nummer eins."

Es gehe darum, Ruhe zu bewahren nach den letzten Rückschlägen. Zwei Niederlagen und ein Remis, das ist die magere Ausbeute der Borussia nach drei Spielen in der Champions League. Das börsennotierte Unternehmen hatte sich in der Rolle gesehen, hinter dem Platzhirschen Real Madrid mit den Tottenham Hotspurs um Platz zwei in seiner Gruppe zu streiten. Doch diese Gedankenspiele sind nur noch Makulatur. "Ich bin Realist", sagt Sportdirektor Zorc: "Es geht jetzt darum, den dritten Platz abzusichern." Das sieht Bosz ähnlich: "Wir müssen ehrlich sein: Das Achtelfinale zu erreichen, wird sehr schwer."

Quelle: ntv.de

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