Ärger um Handspiel BVB trudelt gegen dezimierte Kölner aus - und kassiert Tor-Schreck

Gegen abstiegsbedrohte Kölner ist ein Sieg für Borussia Dortmund Pflicht. Schnell sieht auch alles danach aus, dann fliegt auch noch ein Kölner vom Platz. Doch das plötzliche Erwachen kommt in der Schlussphase - der BVB muss noch einmal um den Sieg zittern.
Niko Kovac umarmte seinen geschlagenen Amtskollegen Lukas Kwasniok und pustete dann ganz tief durch. Borussia Dortmund hat den befürchteten Spannungsabfall vermieden und die Abstiegssorgen des 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga vergrößert - dabei aber nur mit großer Mühe eine zittrige Schlussphase unbeschadet überstanden. Nach den jüngst verspielten Titelchancen in Champions League und Meisterschaft siegte der BVB in Überzahl 2:1 (1:0).
Bei Kwasniok und den Kölnern herrschte neben Enttäuschung vor allem Wut. Der 44 Jahre alte Coach, der nach der vierten Niederlage in den vergangenen fünf Ligaspielen zunehmend um seinen Job bangen muss, echauffierte sich mit seinem Team über ein nicht geahndetes Handspiel von Dortmunds Yan Couto in der Nachspielzeit. Auch der VAR griff nicht ein. "Ich kann die Diskussion nur mitgehen", sagte Kölns Kapitän Marvin Schwäbe bei Sky: "Ich verstehe nicht, wieso man den Schiedsrichter da nicht rausschickt." Kölns Sportchef Thomas Kessler betonte, er habe "absolut kein Verständnis, dass man das nicht sieht."
Den Dortmundern war das egal, die Westfalen festigten den zweiten Tabellenrang. Auf Platz fünf hat der BVB weiterhin acht Zähler Vorsprung. "Wir sind natürlich sehr glücklich über die drei Punkte. Aber wirklich zufrieden sind wir nicht", sagte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken.
Platzverweis für Winter-Neuzugang
Nach zuletzt drei Pflichtspielen ohne Sieg schossen Serhou Guirassy (16.) und Nationalspieler Maximilian Beier (60.) Dortmund zum Auswärtserfolg. Dabei half auch ein Platzverweis für FC-Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey (45.+2). Der Anschlusstreffer von Jakub Kaminski (88.) sorgte noch einmal für Spannung.
Köln wiederum gerät immer tiefer in den Abstiegsstrudel. In den nächsten beiden Ligaspielen trifft der Aufsteiger auf die direkten Konkurrenten Hamburger SV (14. März) und Borussia Mönchengladbach (21. März). "Jetzt kommen die Mannschaften, mit denen wir auf Augenhöhe sind und wo wir einfach die Punkte holen müssen", sagte Schwäbe.
Trotz der brisanten Situation im Tabellenkeller war Kwasniok vor Anpfiff optimistisch. Das Team sei "zu gut", um das Ziel Klassenerhalt nicht zu erreichen, sagte er. Kovac warnte vor Köln und versuchte nach dem Königsklassen-Aus bei Atalanta Bergamo (1:4) und der bitteren Klassiker-Pleite gegen Bayern München (2:3) den Fokus zu schärfen.
Foul-Elfmeter zurückgenommen
Köln begann mutig und erspielte sich erste Chancen. BVB-Keeper Gregor Kobel war früh gefordert (1./5.). Dem Favoriten half ein Standard: Nach einer Ecke stand Guirassy richtig und grätschte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor. Danach wurde Dortmund souveräner und hielt auch Shootingstar Said El Mala unter Kontrolle, der - wie jüngst von Bundestrainer Julian Nagelsmann gefordert - von Beginn an auflief. Es folgte ein zerfahrenes Spiel zwischen den Strafräumen. Einen wuchtigen Abschluss von Guirassy parierte FC-Keeper Marvin Schwäbe (40.). Als Simpson-Pusey dem umtriebigen Beier von hinten auf die Achillessehne stieg, zückte Schiedsrichter Daniel Siebert nach VAR-Eingriff die Rote Karte.
Doch Köln gab sich nicht auf. Jakub Kaminski und Startelf-Debütant Youssoupha Niang verpassten den Ausgleich (56.). Nur wenig später machte es Beier auf der anderen Seite besser. Einen Foulelfmeter gegen Köln nahm Siebert nach erneuter VAR-Intervention zurück. Cenk Özkacar hatte den eingewechselten BVB-Stürmer Silva am Fuß getroffen, zuvor aber auch den Ball gespielt (69.). Kaminskis Treffer leitete eine spannende Schlussphase ein.