Seit 2008 nicht passiert

Bankdrücker Ronaldo lässt Frust an Fans und Team aus

Bild-AnjaVon Anja Rau
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28.09.2026 | 12:03 Uhr
Portugal spielt - und gewinnt - ohne Cristiano Ronaldo. Das allein ist eine Nachricht von historischem Wert. Der 41-Jährige gibt die beleidigte Leberwurst, wird künftig wohl aber häufiger zuschauen müssen.

Portugal bezwingt Norwegen in der Nations League mit 2:1 und alle feiern gemeinsam auf dem Rasen und mit den Fans. Alle? Nein. Einer hat sich in die Katakomben verzogen und schmollt: Cristiano Ronaldo. Kein Handshake mit den Kollegen oder dem Gegner, kein Lächeln für die etwa 500 nach Oslo mitgereisten Fans, einfach weg.

Der Altstar stand nicht in der Startelf, hatte auf der Bank Platz nehmen müssen - und dann umsonst auf seine Einwechslung gewartet. Er machte sich in der zweiten Halbzeit am Spielfeldrand warm, wurde von Trainer Jorge Jesus aber nicht eingewechselt. Portugal gewann auch ohne den 41-Jährigen und führt die Gruppe nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel vor Dänemark und Norwegen an.

"Ich hatte überlegt, ihn ins Spiel zu bringen - vielleicht für eine halbe Stunde -, aber der Spielverlauf diktiert eben andere Dinge. Ich hielt den Zeitpunkt für ungeeignet", sagte Jesus beim Sender RTP nach dem Abpfiff. "Es ging dabei aber nicht um körperliche Schonung, denn er war durchaus in der Lage, so lange zu spielen, wie ich es gewollt hätte."

Einstiger Teenie-Star liefert

Für Ronaldo, der dick eingemummelt in einer Winterjacke den unfreiwilligen Zuschauer gab, war es ein historischer Tiefschlag. Es war das erste Mal seit der EM 2008, dass er Portugals Kader für ein Pflichtspiel angehörte, aber nicht zum Einsatz kam. Vor 18 Jahren unterlag sein Team der Schweiz mit 0:2 im dritten Gruppenspiel, war aber bereits für die K.-o.-Runde qualifiziert.

Beim Auftaktsieg in die Nations-League-Saison gegen Wales (1:0) hatte Ronaldo noch in der Startelf gestanden. Nichts war es gewesen mit einem Rücktritt aus dem Nationalteam nach dem WM-Aus im Achtelfinale gegen die späteren Weltmeister aus Spanien. Beim Debüt von Jesus war er dabei, die beiden hatten schon auf Klubebene bei Al-Nassr zusammengearbeitet. Bei der Jagd nach der 1000-Tore-Marke ließ Ronaldo (bislang 979 Tore) mehrere Chancen ungenutzt, ein Treffer blieb ihm wegen einer Abseitsposition verwehrt (59.). Er wurde schon in der 67. Minute ausgewechselt. Joao Felix (22.) traf als Einziger am Donnerstagabend.

Felix traf auch diesmal - und zeigte, warum Jesus auf ihn vertraut. Der einstige Teenie-Star, der mit inzwischen 26 Jahren seit einem Jahr Ronaldos Teamkollege bei Al-Nassr ist, blüht in Saudi-Arabien abseits der großen Ligen und der großen Aufmerksamkeit wieder auf. In 55 Partien erzielte er 30 Tore und bereitete 22 weitere vor. Und auch im Trikot von Portugal liefert er: Er brachte Portugal in Führung, ehe Erling Haaland (51.) den Ausgleich für Norwegen erzielte.

Ramos bekommt Vorzug

Statt Ronaldo spielte Goncalo Ramos von der AC Mailand - am Donnerstag noch für den Oldie ins Spiel gekommen - in der Sturmspitze und erzielte prompt das Siegtor (54.). Er profitierte dabei von einem dicken Patzer des norwegischen Torhüters Örjan Nyland, der Ramos den Ball im Spielaufbau direkt in die Füße gespielt hatte. Ramos überwand den Leipzig-Keeper aus rund 20 Metern per Heber sehenswert. Auch sonst ließ sich sein Einsatz sehen: Er schuf Räume für seine Mitspieler, spielte gut mit Felix zusammen, agierte fleißig und nutzte dann seine Chance.

Ronaldo konnte sich offenbar nicht so richtig mit seinem Teamkollegen freuen. Womöglich auch, weil Jesus ihm eigentlich einen Einsatz versprochen hatte, wie er bei Canal11 erklärte: "Ich hatte Ronaldo gesagt: 'Ich bringe dich ins Spiel.' Aber der Spielverlauf gab das nicht her." Weil Ramos gut spielte, durfte er auf dem Feld bleiben. "Das Spiel schritt voran, und der Zeitpunkt für einen Einsatz von Cris war vorbei; stattdessen brauchte es eher einen Spieler, der für Stabilität und die Sicherung des Ergebnisses sorgen konnte."

Denn die Portugiesen retteten ihren Vorsprung über die Zeit, hatten dabei mächtig Mühe. Bekannt ist Ronaldo jedoch nicht für seine defensive Mitarbeit. Und so blieb er außen vor. Gut möglich, dass die Zeit des einstigen Superstars im Nationalteam so langsam, aber sicher zu Ende geht. Denn Ramos und Felix liefern. Nicht nur Tore, sondern auch mehr Beteiligung am Spiel. Schon bei der WM hatte sich Ronaldo aufs Lauern zurückgezogen - dem Team half das nicht weiter.

Am Donnerstag geht es für Portugal gegen Dänemark weiter. Jesus deutete an, dass Ronaldo dann wieder in der Startelf stehen könnte. Er machte aber auch deutlich: "Die Nationalmannschaft gehört uns allen." Seine Schmoll-Aktion kam nicht so gut an: "Warum hat er sich nicht bei den Fans bedankt? Das müsst ihr ihn selbst fragen. Ich kann seine Gedanken nicht lesen," so Jesus. Es klingt nicht gerade so, dass Ronaldo weiter hofiert wird.

Verwendete Quelle: ntv.de