In die sozialen Netzwerke sollte Robin Koch in diesen Tagen besser nicht schauen. Nach der vernichtenden 0:6-Niederlage bei RB Leipzig war der Kapitän von Eintracht Frankfurt als mit Muskelbergen bepackter Bodybuilder zu sehen, dazu der Spruch: "Fehler machen dich stärker." Der Subtext erschloss sich jedem Leser sofort: Kaum ein Profi leistet sich in diesen Wochen mehr grobe Böcke als der 30 Jahre alte Koch.
Für einen Trainer gibt es in einer solchen Situation zwei Möglichkeiten: stützen oder stürzen. Bei der Eintracht hat sich Adi Hütter irgendwie für beides entschieden. Wobei die denkwürdige Klatsche von Leipzig vom vergangenen Wochenenden mehr nachhallt.
Hütters Bekenntnis: Koch bleibt Kapitän
Denn da entschied der Österreicher Hütter, seinen Kapitän nach 45 Minuten beim Stand von 0:4 auszuwechseln und später zu sagen, er habe Koch "erlöst". Koch erhielt für seinen fehlerhaften Auftritt von mehreren Fachportalen übereinstimmend die Note sechs. Stabilität bringen sollte dann ausgerechnet Elias Baum, 20 Jahre jung.
An diesem Freitag (20.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de) soll Koch zum Start des 6. Spieltags in der Fußball-Bundesliga rehabilitiert werden, daran ließ Hütter keinen Zweifel. "Er wird das Spiel am Freitag auch spielen, er wird auch Kapitän bleiben. Da gibt es für mich gar keine Frage und Diskussion", sagte der 56-Jährige vor dem Duell mit dem 1. FC Köln. Er sei "nicht derjenige, der mit dem Finger auf jemanden zeigt und sagt: Das ist der Hauptschuldige".
Dass sich Koch am Sonntagabend, 24 Stunden nach dem Debakel von Leipzig, mit einem Statement via "Kicker" erklärte, soll dem Vernehmen nach nicht überall im Mannschaftskreis gut angekommen sein.
Kritik an Koch: "Erschreckend"
"Weglaufen oder den Kopf in den Sand stecken ist für mich aber keine Option. Ich bin Kapitän und meine Pflicht ist es, diese Niederlage gemeinsam mit dem Team aufzuarbeiten, wegzustecken und unsere Mannschaft wieder aufzurichten", hatte Koch ausrichten lassen. Ihm sei klar, "dass die kommenden Tage nicht einfach werden".
So kam es auch. Denn die Kritik an Koch ebbt nicht ab. "Alle können mehr, als sie zeigen. Es ist erschreckend, wenn man sieht, was aus Robin Koch geworden ist. Der war ein Top-Kandidat für die Nationalmannschaft und ist jetzt komplett von der Rolle", sagte der frühere Frankfurter Torwart Uli Stein dem "Kicker".
Koch, Sohn der früheren Kaiserslautern-Legende Harry Koch, war unter Bundestrainer Joachim Löw und später auch bei Julian Nagelsmann immer wieder im DFB-Trikot zu Einsätzen gekommen. Nach dem vollkommen verkorksten Saisonstart mit 16 Gegentoren aus fünf Bundesliga-Spielen erscheint das DFB-Team für Koch so weit weg wie die Bundesliga-Spitzengruppe für die Eintracht. Denn zur Wahrheit zählt auch: Hütter baut im Flutlicht-Heimspiel vor 60.000 Zuschauern auch auf Koch, weil ihm Alternativen fehlen.
Matthäus tadelt Hütter: "Unglücklich"
"Am Ende des Tages geht es immer um Leistung. Ich erwarte von meinem Führungsspieler auch eine dementsprechende Leistung, das weiß der Robin auch", sagte Hütter. Er habe mit ihm nicht nur einmal nach dem Debakel in Leipzig gesprochen. Ihm sei es "ganz, ganz wichtig", so der Eintracht-Coach: "Robin Koch ist nicht der Hauptschuldige. Natürlich hätte ich auch alle anderen austauschen können."
Für Lothar Matthäus war Hütters Handeln in Leipzig falsch. "Die deutlichen Aussagen haben mich überrascht. Dass Hütter bei der Auswechslung von einer Erlösung spricht, war unglücklich. Das sieht nicht gut aus", sagte der Weltmeister von 1990 der "Sport Bild". Zudem benannte Matthäus ein grundsätzliches Dilemma beim Tabellen-14.: "Wo sind in Frankfurt echte Führungsspieler? Ich sehe keine. Anführer wie Bayern, Dortmund, Leipzig oder selbst Freiburg hat Frankfurt nicht."

