Fußball

Fehlstart und Vertrauensverlust Coach Reis klammert sich an den VfL Bochum

Musste auch auf Schalke eine Niederlage hinnehmen: Bochum-Coach Thomas Reis.

Musste auch auf Schalke eine Niederlage hinnehmen: Bochum-Coach Thomas Reis.

(Foto: David Inderlied/dpa)

Sechs Spiele, null Punkte - nach dem Fehlstart seines Teams droht Thomas Reis beim VfL Bochum der Rauswurf. Doch der Coach hofft auch nach dem 1:3 beim FC Schalke auf einen Verbleib. Die Vereinsführung berät lange, trifft aber noch keine Entscheidung. Der Trainer wirbt für sich.

Die vielen Fragen nach seinem drohenden Rauswurf meisterte Thomas Reis erstaunlich gelassen. Anders als die Vereinsführung, die nach dem 1:3 (0:1) beim FC Schalke auf Tauchstation ging, nutzte der Bochumer Fußball-Lehrer, der in den vergangenen Jahren eine Art Heldenstatus bei den Fans erreicht hatte, das Rampenlicht für klare Bekenntnisse. Trotz des kapitalen Fehlstarts seines Teams mit sechs Niederlagen in sechs Spielen wirkte der 48-Jährige kämpferisch: "Ich kann nur sagen, dass ich weiterhin Bock habe, den Bock umzustoßen. Ich habe viel erreicht in Bochum, das ist für mich noch nicht das Ende der Fahnenstange. Man kann es auch mit mir machen."

Die in solchen Fällen üblichen Mechanismen verheißen jedoch wenig Gutes für den Trainer. Sportchef Patrick Fabian, Finanz-Geschäftsführer Ilja Kaenzig und Aufsichtsrats-Boss Hans-Peter Villis berieten am Sonntag bis in den Abend über die Zukunft von Reis. Eine Entscheidung soll aber erst am Montag getroffen werden. Dass Fabian bereits vor der Partie eine Jobgarantie für den Coach vermieden hatte, war als Indiz für schwindendes Vertrauen gewertet worden. "Wir bewegen uns im Leistungssport, da sind Ergebnisse eine wichtige Zutat", hatte der neue Sportchef den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt.

Nicht sonderlich positiv dürfe sich auf die Bewertung auswirken, dass Reis zunehmend ratlos wirkt. Dass er bei der Suche nach den Gründen für die Pleite wie eine kaputte Schallplatte klang, merkte er selbst. "Ich erzähle ja jede Woche dasselbe", gab er zu, eigentlich halte man mit, habe Chancen auf mindestens einen Punkt, aber individuelle Fehler hinten und vorne sorgten dafür, "dass wir wieder mit leeren Händen dastehen".

"Mich muss keiner in Schutz nehmen"

Obwohl die Bochumer als erst drittes Team in der Bundesliga-Historie nach sechs Partien mit null Punkten dastehen, sieht sich Reis weiter als Teil der Lösung und warb um seinen Verbleib: "Ich habe eine Mannschaft gesehen, die mir folgt. Und ich habe bisher drei tolle Jahre gehabt. Wenn es nach mir geht, will ich gerne noch weitere Jahre haben." Die bedenkliche Ausgangslage empfindet er als zusätzliche Motivation: "Jetzt werden wir noch mehr abgeschrieben. Das muss eine Gier auslösen, sich dagegen zu stemmen." Den ausgebliebenen Treueschwur der Klubbosse konnte Reis verschmerzen: "Mich muss keiner in Schutz nehmen. Ich stehe meinen Mann. Wichtig ist, dass wir zusammenhalten innerhalb der Mannschaft. Und dieses Gefühl habe ich."

Von einer tiefen Kluft zwischen Profis und Coach ist nichts zu spüren. So erinnerte Simon Zoller vor den nun anstehenden Beratungen der Klubspitze über die Zukunft von Reis an dessen große Verdienste. "Dieser Trainer kam vor drei Jahren und hat uns aus der Scheiße gezogen. Wir haben eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Und der VfL Bochum spielt Bundesliga. Da gehört der Trainer am meisten mit dazu", kommentierte der Angreifer mit Verweis auf den Aufstieg vor rund einem Jahr und die starke vergangene Saison mit Siegen über den FC Bayern und Borussia Dortmund. Auch beim Großteil der Fans genießt Reis noch das Vertrauen und den Rückhalt.

Potenzielle Kandidaten werden gehandelt

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Selbst der Neu-Schalker Sebastian Polter, der mit seinem ersten Saisontor das Duell der Nachbarn endgültig entschieden hatte (90.+6) und im Sommer nicht ohne unschöne Zwischentöne Bochum verlassen hatte, warb für seinen Ex-Trainer: "Momentan sieht's nicht gut aus, aber ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass Reisi und die Mannschaft da wieder rauskommen." Die entscheidende Frage wird nun sein: Kann ein anderer mehr aus dieser Mannschaft herausholen, für die die Vereinsspitze im Sommer gerade einmal 750.000 Euro für Ablösesummen freigab? Als potenzielle Nachfolger werden in den Medien bereits U19-Trainer Heiko Butscher oder aber Dimitrios Grammozis, zuletzt auf Schalke aktiv, diskutiert.

Doch anders als das Verhältnis zwischen Team und Trainer scheint die Beziehung zwischen Vereinsspitze und Reis gestört. Dazu trugen auch die jüngsten Meldungen bei, wonach der einstige Bundesliga-Profi in diesem Sommer mit einem Wechsel zum FC Schalke geliebäugelt haben soll. Das könnte auch dazu beigetragen haben, dass die Verhandlungen über eine Verlängerung des bis 2023 laufenden Vertrages stockten und nun auf die WM-Pause im Winter verschoben wurden. Der Klub hat bereits Angebote gemacht, die Reis allerdings ausschlug. Keine gute Grund- und Gemengelenge derzeit "anne Castroper".

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid

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