"Entschuldigung" ist keine

Cristiano Ronaldo zeigt seinem Trainer knallhart den Mittelfinger

imageEin Kommentar von Anja Rau
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Cristiano Ronaldo sieht nur Cristiano Ronaldo. (Foto: picture alliance / TT NEWS AGENCY)
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07.10.2026 | 08:05 Uhr
Eine Entschuldigung? Mitnichten! Was Cristiano Ronaldo nach seiner beleidigten Abreise vom Nationalteam als "seine Wahrheit" verkauft und mit einem "Sorry" dekoriert, ist tatsächlich ein dreister Angriff auf Portugals Nationaltrainer Jorge Jesus. Das ist - einmal mehr - unwürdig.

Cristiano Ronaldo wirft seinen Trainer unter den Bus. Nicht anders ist sein langes Statement zu seiner Schmoll-Abreise vom portugiesischen Nationalteam mitten in der Nations-League-Phase. Ein Eklat, den er verschuldet - für den er aber Jorge Jesus verantwortlich machen will. Und sich damit endgültig der Lächerlichkeit preisgibt.

Der 41-Jährige hatte nach dem Eklat eine Erklärung angekündigt - und liefert nun einen langen Instagram-Post. "Seine Wahrheit", in der er so gegen den Trainer schießt, dass es nur einen Schluss geben kann: Dieses Statement ist eine Machtprobe. Es kann in Portugal nur Ronaldo oder Jesus geben. Eine Zusammenarbeit der beiden in der Zukunft scheint ausgeschlossen. Und Fußball-Opa Ronaldo macht klar, dass er sich als Sieger sieht.

Schon der Einstieg vermittelt die Sichtweise: Ronaldo ist ja nur noch Teil der Nationalmannschaft - deren Kapitän -, weil der Verbandspräsident ihn darum angefleht hatte. Sonst wäre er nach der Weltmeisterschaft zurückgetreten. Mehr noch, der Präsident flehte nicht nur, er setzte auch einen Trainer ein, der unter Ronaldos Gnaden agieren darf. Denn hätte Ronaldo nicht für Jesus gestimmt, wäre dieser laut seiner Darstellung nicht Nationaltrainer geworden. Die Perspektive ist klar, die Bühne für die weitere Entwicklung der "Wahrheit" bereitet.

Ronaldo sieht sich als Alleinherrscher

Denn Jesus hat offenbar einen eigenen Kopf, denkt wohl weniger daran, sich nach Ronaldo zu richten. Es kommt nach Ronaldos Aussage zu ersten Unstimmigkeiten um Einsatzzeiten. Sein Fazit: "Ich lehnte das sofort ab." Der Trainer hat aus seiner Sicht also nicht zu entscheiden.

Es folgt eine Abhandlung über Unstimmigkeiten und Gespräche zwischen ihm und Jesus. Dann sein Fazit daraus, weil im Spiel in Norwegen erstmals seit der EM 2008 in einem Pflichtspiel nur auf der Bank sitzt: "Der Trainer hat sein Wort gebrochen." Er wiederholt es später mehrfach. Der erste Höhepunkt der Vorwürfe in diesem von Vorwürfen triefenden Pamphlet.

Dass er sich bei den Fans für sein bockiges Verhalten nach diesem Spiel entschuldigt, ist die Tinte nicht wert. Er war einfach in den Katakomben verschwunden, hatte nicht mit seinem Team den Sieg gefeiert - als Kapitän - und hatte sich nicht bei den Fans blicken lassen. Was vielleicht sogar ernst gemeint ist, kommt inmitten der Anschuldigungen und des Austeilens gegen den Trainer wie der Versuch vor, hinterher sagen zu können: "Ich habe mich doch entschuldigt! Seht ihr, da steht es."

Fürs Nationalteam nicht tragbar

Eingebettet ist es aber nunmal in Anklagen. Immer im Mittelpunkt: das Ich. Ronaldo nennt sich sogar in Aufzählungen zuerst. Was folgt ist eine Liste, die er angeblich abgesegnet hatte, die Jesus auf einer Pressekonferenz vorlesen sollte - um Ronaldos Namen reinzuwaschen. Eine Liste, die nur darauf abzielt, Ronaldo in höchste Höhen zu heben, als König Portugals zu bestätigen, als Unangreifbaren. Die ihn tatsächlich mit Pelé und Maradona gleichsetzt. Die Jesus niemals hätte so vorlesen können, ohne hinterher direkt seinen Rücktritt zu erklären. Es ist eine Liste, die so übertrieben ist, dass die Echtheit nur angezweifelt werden kann. Die Jesus jegliche Ehre, jegliche Autorität nimmt.

Die Veröffentlichung dieses Wutwerks ist Ronaldos Versuch, sich über Jesus zu stellen. Den Trainer der Lächerlichkeit preiszugeben - dabei aber genau das Gegenteil erreicht. Der ausufernde Text zeigt, wie Ronaldo tickt. Ich, ich, ich - und nichts anderes. Es ist nicht das Statement eines Kapitäns, der das Beste für sein Team und sein Land will. Es ist das Statement eines wehleidigen Egoisten.

Der ist für ein Nationalteam nicht tragbar. Auch wenn Ronaldo mit den Worten schließt, dass er "immer bereit" ist, "um mit unserer Nationalmannschaft anzutreten und zu gewinnen. Glaubt mir, das ist die reine Wahrheit": Die Tage des 41-Jährigen im Trikot Portugals sind gezählt. Er verwehrt sich selbst den Helden-Abschied. Und verschwindet als arroganter Selbstdarsteller, der dem Trainer und einer gesamten Nation den Mittelfinger zeigt.

Wobei das die Wahrheit ist aller derer, die bei Verstand sind. Die nur den Kopf schütteln bei diesem Wahnsinn. Es gibt aber natürlich auch Tausende Jünger des Gottes. Die Ronaldo, dem Unzerstörbaren, blindlings folgen. Sie posten Herzen bei Instagram. Sie lieben ihren Gott. Und Jesus ist in dieser Geschichte der Judas.

Verwendete Quelle: ntv.de