Fußball

Auch Joshua Kimmich sprichtDFB-Vize fordert Boykott-Debatte über Trump und WM

23.01.2026, 16:01 Uhr
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Donald Trump (l.) und Gianni Infantino lieben die kommende Fußball-WM jetzt schon, es regt sich aber Widerstand. (Foto: Evan Vucci/AP/dpa)

Sollen Länder wie Deutschland die Fußball-WM in den USA boykottieren? Der DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Klubchef Oke Göttlich fordert jetzt energisch eine Diskussion darüber und die Verteidigung von Werten. Joshua Kimmich sieht das anders.

Der DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Klubchef Oke Göttlich fordert wegen des Verhaltens von US-Präsident Donald Trump mindestens eine Diskussion über den Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. "Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen", sagte Göttlich in einem Interview der "Hamburger Morgenpost". "Was waren denn die Begründungen für die Olympia-Boykotts in den 1980er-Jahren? Meiner Einschätzung nach ist das Bedrohungspotenzial aktuell größer als damals. Wir müssen diese Diskussion führen."

Der Präsident des FC St. Pauli lässt auch den Einwand nicht gelten, dass ein Boykott des WM-Turniers in diesem Sommer auch den eigenen Nationalspielern Jackson Irvine, Connor Metcalfe (beide Australien) und Joel Chima Fujita (Japan) schaden würde. "Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden", entgegnete der 50-Jährige.

Göttlich fordert: "Werte verteidigen"

Als stellvertretender Sprecher des Präsidiums der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gehört Göttlich auch dem Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an. In der WM-Frage scheut er auch einen möglichen Konflikt mit dem DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf und FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht.

"Katar war allen zu politisch und deshalb sind wir jetzt völlig unpolitisch?! Das ist etwas, was mich sehr, sehr, sehr anstrengt", sagte Göttlich ganz allgemein. "Wir verlernen es als Organisationen und Gesellschaft gerade, Tabus und Grenzen zu setzen und Werte zu verteidigen. Tabus sind ein wesentlicher Bestandteil von Haltung. Ist das Tabu erreicht, wenn jemand droht? Ist das Tabu erreicht, wenn jemand angreift? Wenn Menschen sterben? Ich wüsste gern von Donald Trump, wo sein Tabu erreicht ist, und ich wüsste es gern von Bernd Neuendorf und von Gianni Infantino."

Kimmich hat keine Lust auf Boykott-Debatte

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat allem Anschein nach allerdings keine Lust auf eine Debatte. "Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion", sagte Kapitän Joshua Kimmich am Mittwoch nach dem Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Union Saint-Gilloise (2:0) mit einem Schmunzeln über die aufkommenden Rufe nach einem Boykott.

Seine Haltung sei eine Lehre aus der WM 2022 in Katar, erklärte er: "Das haben wir ja gemerkt, dass es nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern." Es sei zwar "auch ein bisschen unsere Verantwortung, sich bis zu einem gewissen Punkt zu äußern. Aber ich glaube, da haben wir andere Menschen in Deutschland und beim DFB, die sich da besser auskennen und sich dazu äußern sollen."

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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