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Sonntag, 15. April 2018

"Wir haben es verkackt": Der BVB kapituliert vor Schalkes Gier

Von Felix Meininghaus, Gelsenkirchen

Diesmal verspielt der BVB keinen 4:0-Vorsprung im Revierderby gegen Schalke. Dennoch ist der Dortmunder Frust erneut riesig. Ohne Leidenschaft und Esprit kapituliert die Borussia im Vize-Endspiel - und zittert jetzt sogar um die CL.

Hans-Joachim Watzke sah schon vor dem Anpfiff reichlich mitgenommen aus. Ein solch vogelwildes Fußballspiel wie beim Hinspiel werde es mit Sicherheit nicht geben, gab Dortmunds Geschäftsführer beim Bezahlsender Sky mit ernster Miene zu Protokoll, "acht Tore halte ich für ziemlich unwahrscheinlich". Das hatte der Macher des BVB sehr pointiert erkannt. In der 175. Auflage des Fußball-Klassikers reichten nach dem irren 4:4 in der Hinrunde diesmal zwei Treffer, um für klare Verhältnisse zu sorgen.

BVB-Keeper Roman Bürki sah beim 0:2 nicht gut aus. Damit war die Partie entschieden.
BVB-Keeper Roman Bürki sah beim 0:2 nicht gut aus. Damit war die Partie entschieden.(Foto: imago/Jan Huebner)

Die Verteilung der Tore wird Watzkes Laune nicht aufgehellt haben. Seine Borussia verlor das Derby vor 61.786 Besuchern in der ausverkauften Schalker Arena mit 0:2 (0:0) - und das hochverdient. Die 90 Minuten machten wie schon bei der Blamage in München die gravierenden Probleme der Dortmunder erneut mehr als deutlich: Keine Leidenschaft, kaum Elan, kein Esprit - so spielt eine Mannschaft, die nicht an sich und ihre Stärke glaubt. "Wir haben in den ersten 60 Minuten überhaupt keinen guten Fußball gespielt", sagte Nationalspieler Marco Reus selbstkritisch: "Wir haben sie spielen lassen und die Räume nicht eng gemacht."

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel sprach von einem "verdienten Sieg" und analysierte treffend: "Wir waren die bessere Mannschaft mit dem besseren Plan." Tatsächlich waren die Schalker der logische Sieger, weil die Gastgeber über 90 Minuten eine viel größere Bereitschaft an den Tag legte, Zweikämpfe und Laufduelle zu bestreiten und zu gewinnen - während sich die Dortmunder bis auf wenig Phasen in ihr Schicksal ergaben.

Schalke bedrängt passiven BVB

"Ich denke, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen", hatte Schalkes Keeper Ralf Fährmann vor dem Spiel auf die Frage gesagt, wie die Chancen im wichtigsten Derby des Landes verteilt seien: "Die Dortmunder haben sehr viel Qualität. Wir kommen etwas mehr über das Emotionale, das Leidenschaftliche." Was genau Fährmann damit meinte, war im Hinspiel deutlich geworden, als die Schalker aus einem 0:4-Rückstand zur Pause noch ein 4:4 gemacht hatten. Ein Erlebnis, das die Begegnung im kollektiven Gedächtnis der Knappen zu einem der süßesten Erlebnisse der 114-jährigen Vereinsgeschichte macht.

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Beim zweiten Aufeinandertreffen dieser Saison gab es kein Remis, sondern einen Sieg für Königsblau, der die Stadt Gelsenkirchen in den Ausnahmezustand versetzte. Nach nervöser Anfangsphase übernahm das Team von Jungtrainer Domenico Tedesco die Initiative und drängte ihren passiven Widersacher immer weiter an die Wand. Alessandro Schöpf hätte Schalke schon nach fünf Minuten in Führung bringen können, doch seinen Schuss von der Strafraumkante entschärfte BVB-Keeper Roman Bürki grandios. Beim BVB lief aus dem Spiel heraus nichts, einzig der Freistoß von Reus in der 23. Minute beschwor Torgefahr herauf. Doch Fährmann parierte im Schalker Tor stark. Bis zur Halbzeitpause blieb es torlos in Gelsenkirchen, das mit Abstand Beste an der schwachen Dortmunder Vorstellung war das Ergebnis.

Schmelzer patzt, Schalke bebt

Das Versäumte holten die Schalker nach dem Seitenwechsel nach: Dortmunds Kapitän Marcel Schmelzer vertändelte an der Strafraumkante den Ball, den Querpass verwertete der starke Yevhen Konoplyanka zur überfälligen Führung. Erst danach wachten die Gäste zumindest ein wenig auf und bemühten sich, in der Offensive Nadelstiche zu setzen. Reus und Pulisic vergaben zwei Möglichkeiten, doch dann kann der große Auftritt von Naldo: Der Brasilianer donnerte einen Freistoß mit 126 Stundenkilometern in die Maschen, die Schalker Arena wurde in ihren Grundfesten erschüttert - und Dortmunds Widerstand war gebrochen. BVB-Keeper Bürki sah beim Naldo-Hammer diesmal ganz schlecht aus.

Während die Schalker mit diesem Sieg Tabellenplatz zwei festigten und dank eines überschaubaren Restprogramms fest mit der Champions-League-Qualifikation planen können, werden sie beim ewigen Rivalen aus Dortmund weiter über die Unzulänglichkeiten ihrer Mannschaft diskutieren.

"Wir haben es verkackt"

Seinen vielen Kritikern, die ihm vorwerfen, seit Beginn seiner Tätigkeit in Dortmund im vergangenen Dezember einen wenig ansehnlichen Fußball aufzuführen, kann Trainer Peter Stöger zwar seine Bilanz von lediglich zwei Niederlage in 15 Spielen entgegenhalten. Doch bei weiteren Auftritten wie dem auf Schalke dürfte die erneute Teilnahme an der Königsklasse in weite Ferne rücken. Die dürftige Leistung brachte Reus mit markigen Worten auf den Punkt: "Wir haben es verkackt."

Gänzlich anders waren die Befindlichkeiten bei den Siegern, die sich feiern ließen. Vor allem bei Tedesco, der als Bundesliga-Novize seinen ersten Derbysieg zelebrierte und dieses Gefühl bis zur Neige auskostete. Nach dem Schlusspfiff sank der Deutsch-Italiener zuerst auf die Knie und feierte seinen ersten Derbysieg danach mit den Fans auf der Nordtribüne. Seine Gefühle beschrieb Tedesco als "phänomenal". Es sei "ein Privileg, dort stehen zu dürfen". Sein Vorgesetzter Heidel, der sich immer mehr für die Verpflichtung dieses Trainers gratulieren lassen darf, gönnte es dem 32-Jährigen von Herzen: "Er ist ein Emotionsbündel, der lebt das jetzt aus. Und das soll er auch."

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Quelle: n-tv.de