Gastgeber Polen treibt ungeachtet des angedrohten Boykotts der UEFA die Planungen für die anstehende U20-Weltmeisterschaft der Frauen voran. Die Vorbereitung verlaufe "gemäß dem vereinbarten Zeitplan" und befinde sich in der "Endphase", teilte der Polnische Fußballverband auf Anfrage des Sportinformationsdienstes mit.
Bislang gebe es "keine Informationen über einen möglichen Rückzug einer teilnehmenden Mannschaft aus dem Turnier. Wir gehen davon aus, dass die aktuelle Situation zügig geklärt wird, sodass junge Spielerinnen aus aller Welt in Polen antreten können". Die große Frage bleibt daher: Wie ernst meinen es die Europäer tatsächlich mit ihrer Ankündigung? Boykott oder Bluff? Es ist der erste große Test und eine Schicksalsfrage.
Ceferin will Reihen zusammenhalten
UEFA-Boss Aleksander Ceferin, so ist zu hören, werde am Rande des Supercups an diesem Mittwochabend in Salzburg um eine einheitliche Linie werben. Auch die Einberufung eines außerordentlichen FIFA-Kongresses, bei dem ein neuer FIFA-Präsident gekürt werden könnte, wird dort diskutiert. Die FIFA-Führung hatte zuletzt nach einer Krisensitzung ihrer Spitzenfunktionäre in Marokko "Fehler" eingeräumt und für das Investorenvorhaben, von dem auch die Trump-Familie profitiert hätte, um Entschuldigung gebeten. Der UEFA genügte das nicht.
Am Samstag teilte die FIFA umgehend mit: "Es wird immer deutlicher, dass einige gezielt und kontinuierlich versuchen, die FIFA und ihren Präsidenten zu untergraben." Vor allem die UEFA drängt verstärkt auf einen Rückzug Infantinos. Zwar nicht explizit, doch der Subtext der jüngsten Mitteilungen ist eindeutig. So etwa in dem offenen Brief, der am Montag verschickt worden war.
Drei Kontinentalchefs - Europa, Asien, Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik - mit 136 Mitgliedsverbänden im Rücken stellen sich gegen Infantino, ohne ihn namentlich zu nennen. Das Oppositionstrio hält damit eine klare Mehrheit der 211 Wahlstimmen - sollte es keine Abweichler geben. Die aber gibt es sicher. Vor allem aus Asien.
Das Nachwuchsturnier der Frauen vom 5. bis 27. September ist das erste Event der FIFA, seit der Zoff rund um den mittlerweile gescheiterten Investorendeal von Gianni Infantino ausgebrochen ist. Die Europäische Fußball-Union hatte daraufhin angekündigt, sämtliche Wettbewerbe des Weltverbandes zu boykottieren. Für die U20-WM in Polen sind mit Spanien, England, Frankreich, Italien, Portugal sowie dem Gastgeber sechs europäische Teams qualifiziert, die DFB-Auswahl hatte das Ticket verpasst.
Polen veröffentlicht schon Kader
"Unsere Priorität bleibt es, die bestmöglichen Bedingungen für den Wettbewerb und für alle teilnehmenden Mannschaften zu gewährleisten", teilte der polnische Verband mit, der auch bereits seinen Kader veröffentlichte: "Für viele dieser jungen Spielerinnen stellt dieses Turnier einen wichtigen Meilenstein in ihrer sportlichen Karriere dar, und wir konzentrieren uns weiterhin voll und ganz darauf, eine Veranstaltung zu organisieren, die ihrem Talent und ihrem Engagement gerecht wird."
Zuletzt hatten mehrere Medien berichtet, dass UEFA, CONCACAF und AFC über eigene Wettbewerbe als Alternative diskutiert hätten. Nach Informationen fanden derartige Gespräche jedoch noch nicht statt. Rund um den Supercup in Salzburg diskutieren Europas Fußballbosse erstmals persönlich über das weitere Vorgehen und arbeiten an einer einheitlichen Linie.

