Fußball

"Perfekter Abend" in Frankfurt Eintracht zelebriert ihr Talent für Europa

Mit dem Sieg über Benfica Lissabon zieht Eintracht Frankfurt erstmals seit fast vier Jahrzehnten in ein europäisches Fußball-Halbfinale ein. Noch kann das bei den SGE-Helden nicht jeder fassen. Bei anderen wächst derweil der Glaube an den ganz großen Triumph in der Europa League.

Der letzte Akt einer kraftraubenden Europapokal-Schlacht war für die "Krieger" von Eintracht Frankfurt purer Genuss. Ohne Berührungsängste und umringt von ihren freudetrunkenen Fans feierten die SGE-Fußballer den Triumph über den inneren Schweinehund und Benfica Lissabon. An einem "historischen und außerordentlichen Abend" machte der erste Einzug in ein europäisches Halbfinale seit 39 Jahren auch alle körperlichen Leiden vergessen - die Vorfreude auf die Duelle mit dem FC Chelsea ist riesig.

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Fußball-Ekstase auf hessisch.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

"Was die Anhänger und das Team geleistet haben, ist einfach unbegreiflich", sagte Mittelfeldspieler Sebastian Rode. Der 28-Jährige hatte zuvor nicht nur wie ein Berserker gekämpft, sondern seinen Verein auch in die Vorschlussrunde der Europa League geschossen. Rode markierte beim 2:0 (1:0) gegen Portugals Rekordmeister den Endstand, der nach dem 2:4 im ersten Duell aufgrund der Auswärtstorregel für die große Jubelparty reichte.

Nach Olympique Marseille und Lazio Rom in der Gruppenphase sowie Schachtjor Donezk und Inter Mailand in der K.-o.-Runde schalteten die Hessen, laut Vorstand Axel Hellmann "eine Mannschaft voller Mentalität und Leidenschaft", nun also den nächsten namhaften Gegner aus. "Ob wir das verdienteste Team im Halbfinale sind, weiß ich nicht", sagte der "wahnsinnig stolze" Trainer Adi Hütter: "Aber wir sind mit Sicherheit das überraschendste".

"Kein gestohlener Sieg"

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Dezente Choreo vor dem Anpfiff.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Individuell vielleicht nicht so hochklassig besetzt wie Benfica oder der kommende Gegner Chelsea, lieferte der DFB-Pokalsieger vor 48.000 Zuschauern erneut einen heldenhaften Kampf ab. Taktisch äußerst diszipliniert agierten die Schützlinge von Hütter gegen die gefährlichen Gäste. Die Fans peitschten ihre Lieblinge über die komplette Spielzeit lautstark an. "Wir waren müde, aber die Unterstützung hat uns die Kraft gegeben", sagte Abwehrchef Makoto Hasebe.

"Mit diesen Fans im Rücken haben wir von der ersten Minute daran geglaubt, weiterzukommen", ergänzte Mijat Gacinovic, der die Führung quasi vorbereitet hatte. Seinen Pfostenschuss staubte Filip Kostic in der 36. Minute zum wichtigen 1:0 ab - allerdings stand er dabei deutlich im Abseits. "Das war wohl das Quäntchen Glück, das wir diesmal benötigt haben", sagte Flügelspieler Danny da Costa. Auch sein Trainer Hütter bekannte: Beim 1:0 hatten wir das notwendige Glück auf unserer Seite, aber in der Summe ist dieser Sieg kein gestohlener Sieg." Dann fügte er hinzu: "Benfica hat am Ende alle Offensivkräfte gebracht, wir haben aber weiter sehr gut verteidigt. Es war ein insgesamt perfekter Abend für uns."

Euphorie vor "absoluten Krachern"

Die Aufholjagd hat beim letzten verbliebenen Bundesligisten auf der internationalen Bühne jedenfalls so sehr die Zuversicht gestärkt, dass selbst der sechsmalige englische Meister mit Nationalspieler Antonio Rüdiger in der Vorschlussrunde nicht als unüberwindbarer Gegner betrachtet wird. Im Hinspiel am 2. Mai soll vor heimischer Kulisse auch ohne den gesperrten Ante Rebic der Grundstein gelegt werden, um eine Woche später an der Stamford Bridge das Ticket für das Finale in Baku zu lösen.

Apropos Tickets: Die sind für Frankfurts Heim-Hinspiel bereits komplett vergriffen. Für das Rückspiel bekommt die Eintracht nur 2000 Tickets - und Hellmann schwant bereits: "Ich weiß gar nicht, wie wir die an die 20.000 Leute verteilen, die da sicherlich hinfahren wollen. Das wird die brutalste Entscheidung, denn es wird einen Run geben."

In den laut Matchwinner Rode "absoluten Krachern" gegen eine laut David Abraham "Champions-League-Mannschaft" dürfte die Eintracht zwar die Außenseiterrolle einnehmen. Diese Einschätzung teilt auch der Trainer, der die Engländer als "klaren Favoriten" bezeichnete. "Allerdings steckt auch in uns etwas drin", sagte Hütter.

Allerdings war die SGE auch schon gegen Donezk der Außenseiter gewesen. Und gegen Inter. Und gegen Benfica. "Wenn man sieht, gegen wen wir uns schon alles durchgesetzt haben, dürfen wir an uns glauben", sagte da Costa. Und Hellmann stimmte alle, die es gut meinen mit den Hessen, zur Sicherheit schon mal auf die nächsten Festtage ein: "Wir müssen uns langsam wohl daran gewöhnen", sagte er, "dass wir es in Europa einfach können."

Quelle: ntv.de, Nicolas Reimer und Jan Mies, sid