Der französische Fußballverband (FFF) hat sich klar gegen eine Wiederwahl von FIFA-Präsident Gianni Infantino ausgesprochen. Das Exekutivkomitee der FFF bestätigte die Linie von Verbandspräsident Philippe Diallo, der sich bereits zuletzt gegen den in die Kritik geratenen Boss des Weltverbandes gestellt hatte. Damit schließt sich Frankreich einer Reihe anderer europäischer Länder an; allein rund zehn Nationen, darunter die Fußballmächte Italien und England, hatten Infantino öffentlich die Unterstützung entzogen.
Diallo ist Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees und liegt voll auf der harten Linie von dessen Präsidenten Aleksander Ceferin. Der französische Verbandschef hatte sich gleich gegen Infantinos Vorhaben gewehrt, Teile der FIFA-Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. Außerdem äußerte er auch Kritik an den im Vergleich zur Klub-WM niedrigen Preisgeldern für Nationalmannschaften oder generell den Alleingängen des FIFA-Bosses.
Der Schweizer Infantino strebt ungeachtet des krachenden Scheiterns des WM-Investorendeals und der massiven Kritik aus Teilen der Fußballwelt eine weitere Amtszeit an, gewählt wird im kommenden März. Neben anderen fordert vor allem die UEFA seinen Rückzug und bereitet eine Strafanzeige in der Schweiz gegen ihn vor. Erstes Ziel der UEFA ist es, Infantino vor seiner angestrebten Wiederwahl zum Aufgeben zu zwingen.
DFB wünscht sich starken Gegenkandidaten
Der Deutsche Fußball-Verband (DFB) hat bisher noch nicht offiziell Position bezogen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf ließ aber schon im Juli wissen, ein Unterstützerschreiben für Infantino nicht unterschrieben zu haben. Nach dem Scheitern des Investoren-Plans kritisierte Neuendorf den FIFA-Boss scharf, forderte eine "grundsätzlich andere Kultur" im Weltverband. Der 65-Jährige unterstützt auch das Vorgehen der UEFA, die rechtliche Schritte gegen Infantino einleitet. "Wir begrüßen die juristische Aufarbeitung. Es geht um einen Vertrauensbruch."

Infantinos Wiederwahl-Plan ist "widerwärtig"
DFB-Vize Hans-Joachim Watzke äußerte sich noch deutlicher, forderte den Schweizer zum Rückzug auf. Bei RTL und Sky äußerte er Ende August den Wunsch nach einem starken Gegenkandidaten für die Wahl 2027, warnte aber zugleich: "Man muss mit den anderen Konföderationen sprechen und schauen: Wer hat die größten Chancen? Das ist kein Selbstläufer."
Sollte Infantino kandidieren, wird die UEFA mit großer Sicherheit einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken. Vieles deutet darauf hin, dass der Kanadier Victor Montagliani - Chef der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) - als Infantino-Herausforderer antreten könnte. Die Frist für eine Nominierung läuft am 18. November ab.

