Fußball

Nachspiel um Ultra-Angst im DFB Grindel und Koch suchen den Mail-Maulwurf

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DFB-Präsident Reinhard Grindel wollte nicht, dass das Länderspiel gegen Peru in Frankfurt stattfindet.

(Foto: imago/Team 2)

Die deutsche Fußball-Nationalelf spielte gegen Peru womöglich nicht in Frankfurt, weil sich die DFB-Chefetage vor Eintracht-Ultras fürchtete. Das legt ein interner Mailverkehr nahe. Verbandsboss Grindel tut die Diskussion als "absurd" ab. Dabei ist die Affäre brisant.

Reinhard Grindel war in Eile, das half dem DFB-Präsidenten dabei, die brisante Frage nach dem "Maulwurf" im Deutschen Fußball-Bund abzubügeln. "Das ist eine ziemlich absurde Diskussion", sagte der 56-Jährige spät am Abend nach dem Länderspiel gegen Peru. Er ließ aber durchblicken, dass die Debatte über die geleakten E-Mails, die vor allem ihn in ein schlechtes Licht rücken, längst nicht abgeschlossen ist.

"Intern, nicht in der Öffentlichkeit" werde das besprochen, sagte Grindel. Wer dem "Spiegel" den E-Mail-Verkehr zwischen Grindel, dessen Vize Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius, in dem Grindel ein mindestens eigenwilliges Verhältnis zur Fanszene offenbart, zugespielt hat, dürfte für den früheren Bundestagsabgeordneten von hoher Bedeutung sein.

Schließlich wird in weniger als drei Wochen in Nyon die EM 2024 vergeben, der einzige Konkurrent des DFB ist der türkische Verband TFF. Von der Entscheidung des Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union (Uefa) könnte dem Vernehmen nach Grindels weitere Zukunft an der DFB-Spitze abhängig gemacht werden. Ein Scheitern wäre nach dem WM-Debakel die nächste, riesige Enttäuschung.

Wie sehr beim DFB alles auf den 27. September ausgerichtet ist, wurde am Montag erneut deutlich, als Grindel betonte, dass auch die Vertragsverlängerung mit dem Sportartikelhersteller Adidas bis 2026 ein "wichtiges Signal" Richtung Uefa sei, dass der DFB den "Anforderungen an einen Turnierausrichter" gerecht werde. Bis zu 18 Uefa-Funktionäre tendieren derzeit wohl in Richtung DFB.

SGE-Bündnis spricht von "realitätsferner Panik"

Grindel hat offenbar auch aus Furcht vor möglichen Störungen durch die Eintracht-Ultras das Peru-Spiel von Frankfurt am Main nach Sinsheim verlegen lassen. Dass jemand aus dem vielleicht sogar inneren Kreis versucht, dem Amtsinhaber massiv zu schaden, offenbart absurde Ränkespiele innerhalb des weltgrößten Fußballeinzelverbandes, der sich als perfekter Gastgeber präsentieren will.

Die Frankfurter Fanszene forderte schon Grindels Rücktritt. "Kein ernstzunehmender Fanvertreter kann mit einem Verband unter diesem Präsidenten auch nur ein weiteres Wort wechseln! Dieser Mann war und ist untragbar!", schrieb der Nordwestkurve-Rat. Grindels "Panik" sei "völlig realitätsfern". Auch die Eintracht wird sich noch beim DFB melden. "Irritierend und daher auch erklärungsbedürftig" seien einige Passagen aus dem Mailverkehr, teilte der Klub mit.

Hintergrund von Grindels Bedenken war unter anderem eine Protestaktion der Frankfurter Fans vor dem Anpfiff eines Montagsspiels gegen RB Leipzig Mitte Februar. Der Klub hatte seine Anhänger bei einem friedlichen Platzsturm gewähren lassen. "Ich halte das Risiko, dass wir bei dem Länderspiel ein Desaster erleben und dies kurz vor der Euro-Vergabe negative Auswirkungen hat, einfach für zu hoch, weil für mich die Frankfurter Ultraszene viel zu unberechenbar ist", schrieb Grindel an Koch und Curtius neun Tage später.

Koch warnte Grindel

Vor dem Testspiel des DFB-Teams gegen Peru verwehrte sich Koch gegen das Gerücht, selbst die Quelle des "Spiegel" zu sein, der den E-Mailverkehr zwischen ihm und Grindel veröffentlichte. Zugleich äußerte er sein Befremden über den Bericht. An Spekulationen, wie die Schreiben publik werden konnten, wollte sich Koch nicht beteiligen. "Ich weiß, wer es nicht war. Meine E-Mail kam von meinem privaten Account", sagte er. Alles andere müsse die DFB-Verwaltung klären. Bei Sky Sport News HD verurteilte Koch die Veröffentlichung der E-Mail-Inhalte als "strafbares Verhalten".

Kurioserweise hatte Koch in seiner Mail Grindel davor gewarnt, dass "insbesondere gegen dich persönlich" Stimmung gemacht werden könne, sollte rauskommen, dass Frankfurt wegen der Ultras abgelehnt worden sei. "Es bleibt ja nichts geheim", schrieb der DFB-Vize. Grindel antwortete, dass er das für "abwegig" halte.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/sid