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Frank Wettstein und Bernd Hoffmann führen nun erst einmal den HSV.
Frank Wettstein und Bernd Hoffmann führen nun erst einmal den HSV.(Foto: imago/Michael Schwarz)
Donnerstag, 08. März 2018

Trainer Hollerbach darf bleiben: Hamburger SV räumt in der Chefetage auf

Fußball-Bundesligist Hamburger SV steckt in einer sportlichen Krise - und in einer personellen. Nach dem Rausschmiss von Klubchef Bruchhagen und Sportchef Todt präsentiert sich Präsident Hoffmann als starker Mann, der zumindest am Trainer festhalten will - vorerst.

Als der gefeuerte Klubchef Heribert Bruchhagen im ersten Stock des Volksparkstadions gerade begann sein Büro auszuräumen, betrat Bernd Hoffmann die große Bühne beim Hamburger SV. Vor rund einem Dutzend Kamerateams und etwa 30 Reportern verkaufte der neue starke Mann bei den Hanseaten den Rauswurf von Bruchhagen und Sportchef Jens Todt als alternativlosen "Neuanfang" in der wohl schlimmsten Krise der Vereinsgeschichte.

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Man sei zu der Auffassung gekommen, einen "Impuls setzen" zu müssen, sagte Hoffmann, der am Mittwochabend "einstimmig" zum neuen Aufsichtsratsboss der HSV Fußball AG bestimmt wurde und danach sofort knallhart durchgriff. Der 55-Jährige setzte Bruchhagen vor die Tür, anschließend informierte der bisherige Finanzvorstand Frank Wettsein Todt über dessen Freistellung. Wettsein übernimmt zunächst die operative Führung des Klubs.

Zwei Tage vor dem schwierigen Auswärtsspiel bei Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr im n-tv.de Liveticker) herrscht damit Chaos in der Führung an der Elbe. Die aussichtslose sportliche Lage führt offenbar zu Panikreaktionen - in der Hoffnung, doch noch irgendwie das Wunder Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga zu schaffen.

"Ich drücke dem HSV weiter die Daumen"

Bruchhagen reagierte mit Verständnis auf seine Entlassung. Er übernehme "die Verantwortung" für die sportliche Krise und wünsche dem Klub alles Gute: "Ich drücke dem HSV weiter die Daumen." Trotz des Tohuwabohu beim Tabellenvorletzten sieht Hoffmann, der erst vor 18 Tagen zum Präsidenten des Muttervereins gewählt worden war, den HSV "gut aufgestellt, die Weichen zu stellen. Hier werden nicht die Räder stillstehen." Doch der Manager musste auch zugeben: Die Kaderzusammenstellung werde ein "Gesamtkunstwerk".

Nur Bernd Hollerbach darf bleiben.
Nur Bernd Hollerbach darf bleiben.(Foto: dpa)

Allerdings will sich Hoffmann Zeit lassen. "Qualität der Entscheidungen geht vor Schnelligkeit", lautet seine Maxime. "Es gibt keinen Grund für operative Hektik." Die Teamzusammenstellung werde nicht in "drei bis fünf Tagen" entschieden. "Am Ende werden wir einen wettbewerbsfähigen Kader haben." Obwohl die Planungen - egal für welche Liga - nun intensiv betrieben werden müssen, will sich Hoffmann auch bei der Suche nach einem neuen Klubchef Zeit lassen. "Wir werden nicht den Fehler der letzten Jahre machen, sofort eine neue Lösung auf einer Position zu präsentieren", sagte Hoffmann, der die Hanseaten selber als Vorstandsvorsitzender von 2003 bis 2011 führte - in diese Zeit fallen auch die bisher letzten Auftritte des Klubs in der Champions League und in der Europa League.

Heldt dementiert Angebot

Eine Rückkehr als Klubchef strebt Hoffmann nicht an: "Ich möchte nicht Vorstandsvorsitzender werden, ich möchte die beste Lösung für den HSV." Er betonte, dass Investor Klaus-Michael Kühne keinen Einfluss auf die Entscheidung genommen habe, Bruchhagen - dessen Vertrag erst im Dezember bis 2019 verlängert wurde - zu entlassen. Wettstein sucht parallel nach einem neuen Sportchef, dessen Aufgaben zunächst gemeinsam vom dem für Nachwuchs und Strukturen zuständigen Direktor Sport, Bernhard Peters, und dem erst vor Kurzem von RB Leipzig geholten Chefscout Johannes Spors übernommen werden.

Gehandelt werden der vereinslose Jörg Schmadtke und Hannovers Manager Horst Heldt. Der aber sagte: "Es gibt keinen Kontakt zum HSV. Ich war heute auch nicht in Hamburg. Ich kann nichts dafür, dass ich in der Zeitung stehe." Todt war seit Januar 2017 im Amt. "Wir sind voll handlungsfähig", beteuerte Wettstein: "Wir laufen keine Gefahr, dass der HSV auseinanderfliegt."

Doch genau dies befürchten die Anhänger. Der HSV weist seine schwächste Bilanz der Klubgeschichte auf, ist seit zwölf Ligaspielen sieglos - und nach Jahren des Niedergangs nun wohl nicht mehr zu retten. Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt sieben Punkte. Ob auch der erst vor 45 Tagen engagierte Trainer Bernd Hollerbach nun seinen Job verliert, ist unklar. "Stand heute halte ich einen Trainerwechsel für nicht möglich", sagte Wettstein nur. Schon nach dem Spiel in München kann dies ganz anders aussehen.

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Quelle: n-tv.de