Fußball

Irre Aufholjagd gegen Ajax Hattrick-Lucas schießt Tottenham ins Finale

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Lucas Moura wird zum Tottenham-Helden.

(Foto: dpa)

Tottenham Hotspur ahmt den FC Liverpool nach und stürmt mit einer Aufholjagd ins Finale der Champions League. Gegen Ajax Amsterdam zeigt das Team im Halbfinal-Rückspiel eine irre Moral - allen voran Lucas Moura. Am 1. Juni kommt es damit zu einem englischen Finale.

Tottenham Hotspur hat dank Dreifach-Torschütze Lucas Moura in einer weiteren denkwürdigen Europacup-Nacht das Außenseiter-Märchen von Ajax Amsterdam beendet und kämpft nun in einem englischen Duell mit Jürgen Klopps FC Liverpool um die europäische Fußball-Krone. Die Spurs erreichten ihr erstes Champions-League-Endspiel am 1. Juni in Madrid durch einen 3:2-Sieg bei Ajax Amsterdam und schafften dabei ein ähnlich eindrucksvolles Comeback wie Trainer Klopp und die Reds tags zuvor beim 4:0 nach 0:3-Hinspiel-Niederlage gegen den FC Barcelona.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wir sind so glücklich, wir haben gefightet bis zum Ende. Ich glaube immer noch nicht, dass wir gewonnen haben", sagte der frühere Leverkusener Heung-Min Son bei Sky. Sein Teamkollege Christian Eriksen sagte: "Das war einfach ein verrücktes Spiel. Wir wollten uns in der zweiten Halbzeit zurückkämpfen und hatten dann das Glück auf unserer Seite. Für Ajax tut es mir leid - sie haben in beiden Spielen besseren Fußball gespielt als wir."

"Das ist hart und die schlimmste Art und Weise, aus der Champions League auszuscheiden", sagte Kapitän und Torschütze Matthijs de Ligt. "Wenn man so nah am Finale ist und in letzter Sekunde verliert, ist das unbeschreiblich."

Ajax Amsterdam - Tottenham Hotspur 2:3

Ajax: Onana - Mazraoui, de Ligt, Blind, Tagliafico - Schöne (Veltman, 60.), de Jong - van de Beek (Magellan, 90.) - Ziyech, Tadic, Dolberg (Sinkgraven, 67.), Trainer: Ten Hag.

Tottenham: Lloris - Trippier (Lamela, 81.), Alderweireld, Vertonghen, Rose (Davies, 82.) - Wanyama (Llorente, 46.) - Sissoko, Alli - Eriksen - Lucas Moura, Son, Trainer: Pochettino.

Schiedsrichter: Brych

Tore: 1:0 de Ligt (5.), 2:0 Ziyech (35.), 2:1 Moura (55.), 2:2 Moura (59.), 2:3 Moura (96.)

Gelbe Karten: Dolberg (50.), Ziyech (77.), Onana (95.)- Sissoko (16.), Rose (76.)

Zuschauer: 52.000 (ausverkauft)

Nach dem Abpfiff stürmten Trainerteam und Ersatzspieler der Spurs auf den Platz und feierten ihren Hattrick-Helden Lucas. Coach Mauricio Pochettino sank ungläubig auf den Rasen und schlug die Hände vors Gesicht. Tottenham schaffte als erst zweiter Verein in der Historie der Königsklasse den Final-Einzug trotz einer Hinspiel-Niederlage zu Hause - und machte dabei sogar noch einen 0:2-Pausenrückstand wett. Ohnehin stand das Spiel in der stimmungsvollen Johan-Cruijff-Arena der Europacup-Sternstunde vom Vortag in Sachen Tempo, Dynamik und Atmosphäre in wenig nach. Nach den Treffern von Kapitän Matthijs de Ligt (5.) und Flügelstürmer Hakim Ziyech (35.) wähnte sich Ajax schon im ersten Finale seit 23 Jahren. Der dreifache Torschütze Lucas (55./59./90.+6) als Ersatz des weiter verletzten Superstars Harry Kane drehte aber das Spiel und wurde zum Spurs-Held.

Englischer Europa-Triumph winkt

Während Ajax das mögliche Triple verpasste, winkt der Premier League nun ein großer Triumph in den Europacups. Denn auch in der Europa League ist ein rein englisches Finale zwischen Frankfurts Gegner FC Chelsea und dem Londoner Stadtrivalen FC Arsenal durchaus möglich. Der Ex-Hamburger Rafael van der Vaart, der für beide Vereine spielte, hatte vor der Partie die Vermutung geäußert, Ajax müsse irgendwie die Anfangs-Offensive von Tottenham überstehen.

Doch das Gegenteil war der Fall - Ajax erwischte einen Traumstart. Dusan Tadic scheiterte zunächst mit einem abgefälschten Schlenzer noch an Tottenham-Keeper Hugo Lloris, doch nach der anschließenden Ecke hatten die Ajax-Fans Grund zu ohrenbetäubendem Jubel: Lasse Schöne flankte in die Mitte und Verteidiger de Ligt köpfte unhaltbar zum 1:0 ein. Der mit 19 Jahren jüngste Kapitän in einem Halbfinale der Königsklasse, an dem im vergangenen Sommer auch der FC Bayern Interesse gezeigt haben soll, hatte schon im Viertelfinal-Rückspiel getroffen und das entscheidende 2:1 gegen Juventus Turin erzielt. 

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Ajax ist völlig am Boden.

(Foto: REUTERS)

Die Spurs ließen sich von dem Gegentor und der Wahnsinns-Kulisse jedoch nicht lange schocken. Nur eine Minute nach dem Rückstand hatte Son die Chance zum Ausgleich, traf jedoch nur den Pfosten. Beide Mannschaften boten von Beginn an Vollgas-Fußball, lieferten sich packende Zweikämpfe und suchten - wann immer es ging - den Weg nach vorne.

Ajax zittert - und verliert

Trotz einiger harter Duelle leitete der deutsche Schiedsrichter Felix Brych die Partie insgesamt souverän. Tottenhams Coach Mauricio Pochettino musste erneut auf seinen Top-Torjäger Harry Kane verzichten, die Rückkehr des im Hinspiel noch gesperrten früheren Leverkuseners und Hamburgers Son tat den Londonern jedoch sichtlich gut. Der Südkoreaner war praktisch in jeden gefährlichen Angriff involviert und scheiterte in der 23. Minute aus aussichtsreicher Position an Ajax-Torwart André Onana. Für die Gastgeber verzog Tadic aus spitzem Winkel (30.). Sechs Minuten später machte es Ziyech besser. Nach einem schnellen Angriff über links setzte Tadic den Marokkaner im Strafraum mustergültig ein, Ziyech traf den Ball perfekt und sorgte zum zweiten Mal für ekstatische Freude auf den Rängen.

Tottenham gab sich jedoch nicht auf und kam mit einem Doppelschlag zurück ins Spiel. Der Brasilianer Lucas schloss zunächst einen feinen Angriff zum 1:2 ab und traf nach viel Kuddelmuddel im Strafraum zum Ausgleich. Plötzlich musste Ajax mächtig zittern. Die Spurs drängten auf ihr drittes Tor, doch auch Amsterdam beschränkte sich keinesfalls auf die Defensive. Ziyech verpasste mit einem Pfostenschuss das 3:2 und dann kam Lucas. Der Stürmer krönte sich zum absoluten Matchwinner.

Quelle: n-tv.de, Holger Schmidt und Thomas Eßer, dpa

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