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"Geisteskrankes" Foul Hoeneß attackiert Bellarabi

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Hoeneß ist sauer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz des Sieges gegen Leverkusen überwiegt beim FC Bayern der Ärger: Tolisso erlitt einen Kreuzbandriss und Rafinha bei einem rüden Foul eine Innenbandverletzung. Robbens überragende Leistung rückt in den Hintergrund.

Plötzlich passiert das Unerwartete: Uli Hoeneß ging nicht wie sonst meistens mit einem Gruß in die wartende Menge vorbei Richtung Ausgang, sondern er blieb noch einmal stehen, um zu reden. Es musste etwas passiert sein, wenn der Präsident des FC Bayern etwas zu sagen hat. In der Regel sind es keine belanglosen Statements zu einem Spiel, sondern kernige Botschaften, die nachhallen. Auch an diesem Spätnachmittag ging es Hoeneß nicht um das 3:1 der Münchner gegen Bayer Leverkusen.

Der Titelverteidiger hat es sich oben in der Tabelle schon wieder bequem eingerichtet, als einzige Mannschaft mit drei Siegen nach drei Spielen, da gibt es kaum etwas zu kritisieren, auch nicht für Hoeneß. "Die Mannschaft hat es sehr souverän nach Hause gespielt." Er hätte sich aber gewünscht, "dass die anderen zwischendurch auch mal versucht hätten, ein Tor zu schießen", sagte er in Richtung des mutlosen Gegners. Aber in erster Linie wollte der Präsident das DFB-Sportgericht mal wissen lassen, wie es mit der Strafe für Karim Bellarabi zu verfahren habe.

Der Leverkusener hatte sieben Minuten nach seiner Einwechslung Rafinha von hinten rüde in die Hacken getreten und sah dafür zu Recht Rot. Als "geisteskrank" bezeichnete Hoeneß das Foul, bei dem sich der Münchner Außenverteidiger eine Innenbandverletzung im Sprunggelenk zuzog. "Das war vorsätzliche Körperverletzung, das gehört drei Monate gesperrt - und zwar für Dummheit", sagte er. Nicht weniger heftig, aber in der Wortwahl leicht abgeschwächt, reagierte Trainer Niko Kovac auf die Szene. "Das war nicht Rot, das war Doppel-Rot."

Rafinha und Tolisso fallen aus

Der Vorfall in der 80. Minute war der größte Aufreger in einem zwar einseitigen Spiel, mit dessen Ende aber beide Mannschaften haderten. Leverkusen, weil die dritte Niederlage den schlechtesten Bundesligastart bedeutete, die ambitionierten Ziele des Europa-League-Teilnehmers in Gefahr geraten und die externe Kritik an Trainer Heiko Herrlich nun noch lauter werden wird. Die Bayern, weil Rafinha nicht der einzige Verlust war vor dem Champions-League-Auftakt am Mittwoch bei Benfica Lissabon. Bereits kurz vor der Pause hatte es Corentin Tolisso erwischt - und sogar noch schlimmer als den brasilianischen Teamkollegen. Der Franzose zog sich einen Kreuzbandriss zu und wird den Münchnern mehrere Monate fehlen. Allerdings - und da enden die Parallelen mit Rafinha – war der Blessur kein gegnerisches Foul vorausgegangen, sondern Tolisso erlitt sie bei einem von ihm selbst initiierten regelkonformen Zweikampf.

Deshalb ging es bei der Diskussion nicht um die Verletzung Tolissos, sondern vielmehr stellten die Bayern wie schon vor der Länderspielpause grundsätzlich eine härtere Gangart der Gegner fest. "Es ist erst der dritte Spieltag und ich habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind", sagte Kovac. "Langsam reicht es mir." Beim Auftakt gegen Hoffenheim hatte sich Kingsley Coman nach einem rüden Foul von Jung-Nationalspieler Nico Schulz schwer verletzt. Immerhin gaben die Bayern zu, dass Leverkusen vom Generalvorwurf freizusprechen sei. "Das Spiel war okay sonst, das war normale Bundesliga-Härte, nur die Szene von Bellarabi war komplett unnötig", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Bayer verteilt "Geschenke mit Schleife"

Es liegt in der Natur der Sache, dass Bayer eine etwas andere Sichtweise hat. Trainer Herrlich fand die Attacke von Bellarabi lediglich "unglücklich", hielt aber immerhin den Platzverweis für berechtigt. "Die Rote Karte kann man geben." Auf den Ausgang des Spiels hatte sie ohnehin keinen Einfluss mehr. Die Bayern führten zu diesem Zeitpunkt bereits. Leverkusen war zwar früh in Führung durch Wendell, der einen berechtigten Handelfmeter im zweiten Versuch verwandelte, den ersten hatte Kevin Volland verschossen, aber Glück, dass der Ball noch nicht freigegeben war und deshalb der Strafstoß wiederholt werden musste.

Danach hatten die Rheinländer aber "Geschenke verteilt und die auch noch schön verpackt mit einer Schleife", wie Sven Bender zugab. Vom ersten Präsent profitierte der später so schwer verletzte Tolisso, als er eine Unordnung in der Bayer-Defensive zum schnellen Ausgleich nutzte. Noch vor der Pause drehte Arjen Robben, dessen überragende Leistung angesichts der Verletzungen und Debatten etwas in den Hintergrund rückte, die Partie mit einem sehenswerten Treffer, begünstigt durch eine verkorkste Kopfballabwehr von Jonathan Tah.

Leverkusen hatte nun Glück, dass der FC Bayern mit Blick auf die kommenden Englischen Wochen nach der Führung das Tempo drosselte, erst in Überzahl fiel der dritte Treffer von James Rodriguez. "Da haben wir heute", fand Bayer-Coach Herrlich, "ein Stück weit Anschauungsunterricht bekommen." Eine Schelte von Präsidenten und Trainer inklusive.

Quelle: n-tv.de

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