Fußball

Schneider nimmt keine Rücksicht Kampf um "Retter" Tönnies spaltet Schalke

Der unaufhaltsam scheinende Absturz des FC Schalke 04 wird zunehmend an Jochen Schneider festgemacht. Der unglücklich agierende Sportvorstand steht massiv unter Druck, Ex-Boss Clemens Tönnies bietet derweil wieder einmal Hilfe an. Doch das sorgt für reichlich Zündstoff.

Mit dem Rücken zur Wand geht Jochen Schneider bei Fußball-Bundesligist Schalke 04 voll ins Risiko. Der angezählte Sportvorstand knüpft sein persönliches Schicksal an den Erfolg des neuen Trainers Christian Gross und er rollt dem höchst umstrittenen Ex-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies den Roten Teppich für einen Auftritt als erneuter "Retter in der Not" aus. Das erzürnt die Schalker Fangemeinde, doch Schneider scheint darauf keine Rücksicht mehr zu nehmen.

Die Frage, ob der mit über 200 Millionen Euro verschuldete Klub eine mögliche Finanzhilfe von Tönnies ("Ich lasse meinen Herzensklub nicht untergehen") annehmen würde, um im Winter Verstärkungen für den Abstiegskampf zu verpflichten, "müssen wir intern beantworten", sagte Schneider bei Sky90. Die Klubspitze soll sich jedoch (noch) gegen eine Finanzspritze des Unternehmers sträuben, wie der "Kicker" berichtet. Schon in der vergangenen Transferperiode soll Tönnies laut "Bild"-Zeitung drei Leihverträge inklusive Finanzierung abgesegnet haben, aber Schneider lehnte damals wegen der zu erwartenden Verstimmung unter den Fans ab.

Das scheint ihn nun nicht mehr zu stören. Schneider stimmte eine Eloge auf Tönnies an, die der Pressesprecher des Fleisch-Barons nicht besser hätte formulieren können. "Clemens Tönnies hat überragende Verdienste um den FC Schalke 04. Er war Motor und Gesicht des Vereins, und es waren wahrlich nicht die schlechtesten Jahre", sagte der Sportvorstand, der von Tönnies im Frühjahr 2019 von RB Leipzig abgeworben worden war. Es sei "nicht in Ordnung" gewesen, wie Tönnies im vergangenen Sommer "durchs Land getrieben" worden sei, "als sei er der Alleinverantwortliche für die Corona-Krise in Deutschland".

"... bis dahin werde ich kämpfen"

Kein Wort über die teils skandalösen Corona-Bedingungen in Tönnies' Fleischfabriken, kein Wort über Tönnies' rassistische Aussagen bei einer Rede zum "Tag des Handwerks", kein Wort zu Tönnies' Allmachts-Anspruch auf Schalke, der den Klub auch dahin geführt hat, wo er heute steht. Für Teile der Fans ist Schneider längst nicht mehr tragbar, neben der zu großen Nähe zum zurückgetretenen Ex-Boss hat der Sportvorstand mit einer missglückten Spieler- und Trainerauswahl viel Vertrauen verspielt. Er verlasse den Verein "in dem Moment, wo jemand hier sagt: 'Du bist nicht mehr der Richtige'", sagte Schneider: "Aber bis dahin werde ich kämpfen." Und hoffen, dass sein vierter Trainer in dieser Saison die Wende schafft. Sollte Gross scheitern, sei auch seine Zeit auf Schalke abgelaufen, "das ist doch klar", betonte er.

Er selbst muss nun auf dem Transfermarkt Treffer landen. Die Rückkehr von Sead Kolasinac (FC Arsenal), der im Heimspiel am kommenden Samstag gegen die TSG Hoffenheim erstmals auflaufen und helfen soll, die Einstellung des Negativ-Rekords von Tasmania Berlin (31 Spiele ohne Sieg) doch noch zu verhindern, kann nur ein Anfang sein. Gesucht werden noch ein Rechtsverteidiger - gehandelt wird der vereinslose Julian Korb - und ein Stoßstürmer. Sollte kein frisches Geld von Tönnies fließen, muss Schneider Spieler verkaufen. Die als Abgänge gehandelten Rabbi Matondo und Ahmed Kutucu würden wohl nur die Gehälter-Ausgaben entlasten. Mehr Spielraum bringt ein Verkauf von Abwehrtalent Ozan Kabak. Eins scheint klar: Schneider geht ab sofort volles Risiko.

Quelle: ntv.de, Jörg Soldwisch, sid