Fußball

Sensation im Elfmeterschießen Kiel kegelt Bayern dramatisch aus dem Pokal

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Zum Haareraufen: Thomas Müller und der FC Bayern scheiden in der zweiten Runde des Pokals aus.

(Foto: imago images/Holsteinoffice)

In einem dramatischen Pokal-Fight setzt sich Zweitligist Holstein Kiel im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern durch. Die Münchner haben zunächst Glück dank eines Abseitstors, aber Holstein kämpft sich zurück und gleicht in der 96. Minute aus. Im Elfmeterschießen behalten alle Kieler die Nerven.

Sensation in Kiel: Die geschlagenen Bayern schlichen enttäuscht vom Platz, während hinter ihnen die Kieler Spieler zu ihrem Matchwinner Fin Bartels stürmten. Erstmals seit 20 Jahren ist Bayern München im DFB-Pokal schon in der zweiten Runde ausgeschieden. Der Champions-League-Gewinner unterlag dem KSV Holstein im Elfmeterschießen mit 5:6. Nach 120 Minuten hatte es 2:2 (2:2, 1:1) gestanden. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Fin Bartels gegen den haushohen Favoriten und Titelverteidiger, bei den Bayern hatte Marc Roca verschossen.

"Auch wenn es sich blöd anhört nach einer Pokalniederlage gegen einen Underdog aus Kiel - das Spielglück war nicht auf unserer Seite. Es ist sicherlich nicht die beste Phase des FC Bayern", sagte ein sichtlich genervter Thomas Müller bei Sky: "Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir mit einer Larifari-Einstellung das Spiel abgeschenkt hätten. Das Ausscheiden ist brutal, das muss man erst einmal sacken lassen."

"Keiner in Kiel wird das vergessen"

Ganz anders war die Gefühlswelt bei den Kielern. "Diesen Abend wird keiner in Kiel, kein Spieler, kein Fan, kein Mensch jemals vergessen", sagte Torhüter Ioannis Gelios. Dies sei "definitiv" der größte Moment in seiner Karriere, betonte Gelios, der sich mit den Bayern-Schützen im Vorfeld "gar nicht beschäftigt" hatte. Bei Bartels' Elfmeter schaute er gar nicht hin.

Ein sehenswerter Freistoß von Leroy Sané zwei Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit reichte nicht zum Sieg in der regulären Spielzeit. Holstein-Kapitän Hauke Wahl erzwang per Kopfball (90.+4) 30 zusätzliche Spielminuten. "Natürlich ist es ein Schock, wir sind enorm enttäuscht", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick. "Letztendlich hat die Mannschaft tolle Moral bewiesen und auch das Spiel bestimmt. Umso ärgerlich ist es, dass wir in letzter Sekunde das 2:2 hinnehmen mussten. Glückwunsch an Kiel."

Die Gäste mussten nicht nur wegen des schneidenden Windes im Holstein-Stadion lange um das Weiterkommen zittern. Serge Gnabry brachte den Champions-League-Gewinner in der 14. Minute nach einem Patzer von Holstein-Torhüter Ioannis Gelios in Führung, seine Abseitsstellung übersah Schiedsrichter Robert Schröder allerdings. Nach einem der wenigen Konter traf Bartels für die Platzherren (37.).

Bayern schwächelt defensiv

Bayern-Trainer Hansi Flick ließ mehrere seiner Topstars zu Spielbeginn auf der Bank. Und so verfolgten Weltfußballer Robert Lewandowski, Weltmeister Benjamin Pavard und David Alaba die Partie zunächst nur vom Spielfeldrand aus. Leon Goretzka war wegen einer Wadenverletzung in München geblieben.

Spätestens nach der frühen Führung hatte der deutsche Meister die Partie im Griff, verpasste jedoch mehrfach die Chance, den Vorsprung auszubauen. Wie von Holstein-Coach Ole Werner angekündigt, versuchten seine Schützlinge, Lücken in der Münchner Deckung zu finden.

Und nicht immer war die Bayern-Defensive sattelfest. So hätte Alexander Mühling nur zwei Minuten nach dem Sane-Treffer durchaus den erneuten Ausgleich erzielen können. Aber balltechnisch und in Bezug auf die Schnelligkeit war der FC Bayern in den meisten Phasen überlegen.

Bayern ideenlos

Dennoch fand Flick immer wieder Anlässe, seine Akteure lautstark zu dirigieren und auch zu kritisieren. Denn nach einer knappen Stunde wurde der Zweitliga-Dritte mutiger und beschwor die eine und andere unangenehme Situation für die Bayern herauf.

Es dauerte aber bis zur 74. Minute, ehe Flick reagierte und den erschöpften Torschützen Sane durch Lewandowski ersetzte. Auch Douglas Costa sollte noch einmal für neuen Schwung sorgen. Die Bayern dominierten daraufhin das Spiel in der Schlussphase und ließen die Gastgeber kaum noch zu gelungenen Kombinationen kommen. Pavard wurde ebenfalls noch kurz vor Abpfiff eingewechselt.

Erst mit dem letzten Spielzug der regulären Spielzeit belohnten sich die Kieler. Eine Flanke von Johannes van den Bergh fand den Weg ins Tor - von der Schulter von Wahl. Manuel Neuer im Tor hatte keine Chance. In der Verlängerung drückten die Bayern auf den Sieg, Holstein wehrte sich mit letzter Kraft. Echte Torchancen blieben aber Mangelware, zudem hielt Gelios stark. Dann folgte die Sensation im Elfmeterschießen.

Quelle: ntv.de, dbe/sid