Die London City Lionesses verkünden den nächsten großen Coup: Nach den Verpflichtungen der zweimaligen Weltfußballerin Alexia Putellas, ihrer ehemaligen Barca-Teamkollegin Maria "Mapi" Leon, der einstigen englischen Nationaltorhüterin Mary Earps, Frankreich-Star Kadidiatou Diani und der deutschen Nationalspielerin Nicole Anyomi geht es diesmal um den Trikot-Sponsorenvertrag. Dieser ist laut Klub-Besitzerin Michele Kang der größte im Fußball der Frauen - und mehr wert als so mancher Vertrag in der Premier League der Männer.
Die Lionesses starten am heutigen Freitag erst in ihre zweite Saison in der höchsten englischen Spielklasse, der Women's Super League. Die erste Erstliga-Spielzeit hatte das Team auf Platz sechs abgeschlossen. 28 Punkte hinter dem Meister Manchester City. Vor dem Auftakt gegen die Vorjahresvierten von Manchester United (20 Uhr) - mit Anyomis DFB-Stürmerkollegin Lea Schüller - zeigt der Rekord, wie ernst der Klub es mit dem Angriff auf die ganz großen Teams meint. Nike ist der Sponsor. So ist der US-Sportartikelhersteller nicht nur Ausstatter, sondern wirbt auch auf der Brust mit dem Schriftzug und der antiken Siegesgöttin, nach der das Unternehmen benannt ist.
Genaue Zahlen und die Laufzeit wurden nicht bekannt gegeben, doch Kang sprach in ganz großen Worten über den Deal mit Nike. "Ich kann absolut bestätigen, dass dies der größte Trikot-Sponsorenvertrag ausschließlich für Frauen ist. Er liegt über dem Betrag aus Atlanta", sagte Kang der BBC und bezog sich dabei auf den Sponsorenvertrag vom US-Team Atlanta, das ab 2028 in der NWSL spielen wird. Atlanta hat Berichten zufolge einen Sponsoringvertrag über vier Millionen Dollar pro Jahr abgeschlossen.
Mehr Volumen als in der Premier League
"Ich kann auch ganz sicher sagen, dass er höher ist als einige der Trikot-Sponsorenverträge in der Männer-Premier-League. Er ist riesig. Deshalb ist er ein Meilenstein." Kang, die seit 2023 Besitzerin des Londoner Klubs ist, nachdem ihr bereits das US-Team Washington Spirit und OL Lyonnes aus Frankreich gehören, pries auch Nike: "Es gibt so viele andere Menschen, die an die Zukunft des Frauenfußballs glauben. Sie [Nike] haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Sie haben keinen Scheck für einen wohltätigen Zweck ausgestellt." Von Nike hieß es laut Mitteilung: "Wir teilen London Citys Vision, den Fußball neu zu definieren."
Das Team ist das einzige in der englischen Liga, das nicht an ein Männer-Team gekoppelt ist. Kang managt es als weibliche Macht im Multi-Club-Ownership - und ist deswegen nicht unumstritten. Kritiker sehen darin die unfairen Vorteile, etwa Transferkosten sparen zu können mit internen Wechseln und die Möglichkeit, Kosten aufzuteilen.
Ringen um Gehaltsobergrenze
Für die Lionesses ist der Deal ein großer Schub. Denn es bestehen durchaus Zweifel daran, dass sich die großen Investitionen in Spielerinnen tragen. So ist bislang fraglich, wie die immensen Ausgaben innerhalb der Gehaltsobergrenze untergebracht werden können. Erstmals greift nach der nun beginnenden Saison die Regel, dass Vereine nicht mehr als 80 Prozent ihrer Einnahmen plus bis zu vier Millionen Pfund (rund 4,66 Mio. Euro) für Spielergehälter ausgeben dürfen.
Der Jahresabschluss der Saison 2024/25, in der sie in die erste Liga aufstiegen, wies einen Jahresumsatz von etwas mehr als einer Million Euro aus. Der Betriebsverlust beziffert sich dagegen auf mehr als zehn Millionen Euro - ist also mehr als zehnmal so hoch. Damals war das noch möglich, die Liga hat erst jüngst Finanzbestimmungen - ähnlich dem Financial Fairplay der UEFA - eingeführt. Nun darf man getrost davon ausgehen, dass der Nike-Vertrag die Jahreseinnahmen im Vergleich zu den Vorjahren immens in die Höhe treibt.

