Paris Brunner ist nicht mehr aufzuhalten. Und niemand weiß warum. Selbst sein Torwart nicht. Lukas Hradecky, ehemals bei Bayer Leverkusen, vermutete vor dem Anpfiff des Europa-League-Spiels der AS Monaco, dass er im Urlaub womöglich etwas Außergewöhnliches zu sich genommen habe. Bitte kein Missverständnis: Es war ein Scherz, nicht der Verdacht einer illegalen Leistungssteigerung!
Aber für das, was Brunner derzeit im Trikot der Monegassen abliefert, dafür gibt es kaum Worte, nur ganz großes Staunen. An diesem Donnerstagabend erzielte er gegen den SC Freiburg (3:0) bereits seinen achten Saisontreffer im neunten Spiel - wettbewerbsübergreifend. Und was war das für eine Sahneschnittchen von Tor. Kurz hinter der Mittellinie bekam der 20-Jährige den Ball, behauptete ihn mit dem Rücken zum Abwehrmann, lupfte ihn dann vorbei, zog zum Tor und erzielte eiskalt das 1:0.
"Das gemacht, was ich am besten kann"
"In der Situation ging es ganz schnell. Ich habe einfach aus Instinkt gehandelt und das gemacht, was ich am besten kann - Tore schießen", sagte der frühere U17-Weltmeister über seine Genie-Aktion, die Max Rosenfelder, zuletzt von Jürgen Klopp für das DFB-Team berufen, aber nicht eingesetzt, nicht gut aussehen ließ. Rosenfelder hat Brunner nur eine Sache voraus: Er hat DFB-Luft geatmet.

Frecher Kopfball lässt Knoten platzen: TSG überrennt Lyon
Das möchte Brunner auch möglichst bald tun. Aber zu einer Kampfansage lässt sich das Sturm-Juwel, das sportlich unumstritten ist, aber sonst immer mal wieder negative Aufmerksamkeit auf sich zieht, nicht hinreißen. "Ich versuche das zu tun, was ich am besten kann -, und zwar Tore schießen", sagte er bei RTL. Derzeit gebe es noch keinen Kontakt zu Bundestrainer Klopp und er zerbreche sich darüber auch nicht den Kopf. "Die Aktion kommt von ihm, ich mache hier einfach weiter", betonte Brunner.
Die prognostizierte Weltkarriere schien früh ins Stocken zu geraten. Nachdem Brunner sowohl beim EM- als auch beim WM-Titel mit der deutschen U17 zum besten Spieler des Turniers gewählt worden war, stand ihm die Welt offen. Doch er machte mit Disziplinlosigkeiten Schlagzeilen, Borussia Dortmund suspendierte ihn - und im Sommer 2024 wechselte das Toptalent für vier Millionen Euro nach Monaco. Nach mäßig erfolgreicher Leihe zu Cercle Brügge folgte nun plötzlich der Durchbruch.
"Ich bin 20. Ich bin jetzt ein Mann"
"Ich bin nicht mehr 17, ich bin 20. Ich bin jetzt ein Mann", betonte Brunner. Für die deutsche U21 traf er beim Debüt Ende September gleich doppelt, auch in den weiteren Partien überzeugte er. Von einem "super Fußballer" schwärmte Kapitän Tom Bischof. Er habe "ihm gesagt, dass er sich von diesem Weg nicht abbringen lassen darf mit irgendwelchen anderen Dingen außerhalb des Platzes", ergänzte DFB-Trainer Antonio di Salvo: "Er hat gesagt, dass er dazugelernt hat."
Klopp hat bereits klargestellt, dass er ihn auf dem Zettel habe. "Er ist ein riesiges Talent seit Jahren", sagte der Bundestrainer. Lothar Matthäus sieht den Ex-Dortmunder zwar in der U21 "im Moment noch gut aufgehoben". Aber die Lage im DFB-Team ist so: Im Sturm drückt der Schuh. Klar, da ist Kai Havertz und auch der alternde Niclas Füllkrug drängt sich nochmal auf. Aber einen schnellen, treffsicheren Stürmer kann der Klopp gut gebrauchen. In Monaco gibt es einen.
