Fußball

Österreich hofft auf Heldentaten Ralf Rangnick? Der beste Mann!

f5d8d94df84e3de4756b41525e4db77e.jpg

"Es ist schon lange her, dass Österreich mit Heldentaten auf sich aufmerksam gemacht hat."

(Foto: IMAGO/GEPA pictures)

Dass Ralf Rangnick Klubs mit verdammt viel Geld und ebenso viel Sachverstand nach oben führen kann, hat er bei 1899 Hoffenheim und RB Leipzig bewiesen. Als Nationaltrainer Österreichs stellt er sich nun einer ganz neuen, deutlich komplexeren Herausforderung.

Der Startpunkt für neue Heldentaten passte eigentlich nicht so recht zu den großen Plänen von Ralf Rangnick. Im doch ziemlich beschaulichen Bad Tatzmannsdorf im Burgenland, bekannt für sein kohlensäurehaltiges Heilwasser und die Saunenvielfalt, hielt der 63-Jährige seine ersten Einheiten als Österreichs Fußball-Nationaltrainer ab. Er schrieb aufgeregten Schulkindern Autogramme, posierte geduldig für Fotos, gab sich volksnah. Er redete viel mit seinen Spielern und den Medien. Besonders ein Satz blieb hängen: "Es ist schon lange her, dass Österreich mit Heldentaten auf sich aufmerksam gemacht hat."

Deshalb ist nun Rangnick da. Mit seiner akribischen und kompromisslosen Arbeitsweise soll er die Nummer 34 der Weltrangliste wieder auf Erfolg trimmen. "Es sind Länder wie Dänemark, Schweiz, Wales, Schweden und Iran vor uns. Ich weiß nicht, ob das unbedingt so sein muss." Und er will vor allem emotionalisieren. "Es hat auch immer etwas mit Unterhaltung zu tun. Spiele sollten nie langweilig sein, sondern sollten die Zuschauer im besten Sinne des Wortes begeistern." Schon sein Debüt hat es in sich. Am Freitag (ab 20.45 Uhr bei DAZN und im Liveticker bei ntv.de) tritt Österreich bei Vizeweltmeister Kroatien an. Es folgen Spiele gegen Dänemark, Weltmeister Frankreich und zum Abschluss des Nations-League-Blocks noch einmal in Dänemark. Danach dürfte Rangnick wissen, wie viel Arbeit tatsächlich vor ihm liegt.

Freigeist Arnautovic ordnet sich unter

Die Spieler sind jedenfalls schon mal entzückt. "Meiner Meinung nach ist er der Beste, den Österreich kriegen konnte", sagte Hoffenheims Christoph Baumgartner dem "Kicker". Ganz ähnlich sieht das Mittelfeldspieler Konrad Laimer von RB Leipzig. Rangnick sei "ein sehr ehrgeiziger Mensch, der den maximalen Erfolg haben will. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine sehr erfolgreiche Zeit haben werden." Und auch Freigeist Marko Arnautovic will sich dem System des Fußball-Professors Rangnick unterordnen. "Ich mache das, was der Trainer von mir verlangt. Ich bin keiner, der sagt: 'Halt, stop, ich mache, was ich will.'"

Die Liaison zwischen der Alpennation und Rangnick ist für beide Seiten eine Chance, für den Trainer vielleicht sogar die noch ein wenig größere. Denn nach seinem - aus welchen Gründen auch immer - Scheitern bei Manchester United will es Rangnick seinen Kritikern zeigen. Bei denen war er in den vergangenen Jahren als der Mann abgestempelt worden, der in Hoffenheim und Leipzig Milliardärsträume wahr gemacht und zwei emotionslose Konstrukte in die Bundesliga geführt hat.

Unabhängig davon, dass der Erfolg auch durch Rangnicks Sachverstand erzielt wurde, dürfte es den ehrgeizigen Schwaben mächtig auf den Nägeln brennen. Mit Österreich kann er nun zeigen, dass er keine Transfers braucht und mit den vorhandenen Spielern erfolgreich sein kann. Während Alt-Internationale wie der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Pacult monierten, dass Österreichs Nationalcoach zum dritten Mal in Folge aus dem Ausland kommt, reagierten die Spieler aber eben durchweg positiv (siehe oben).

Lange Bälle, gnadenloses Gegenpressing

Seine eigene Vergangenheit dürfte bei der Entscheidung für den Job eine Rolle gespielt haben. Denn ähnlich wie in Leipzig wird Rangnick auch in Salzburg verehrt. Dort schuf er Strukturen, von denen auch die Nationalmannschaft immer noch profitiert. Er steht für jenen aggressiven "Red-Bull-Fußball", der in Österreich quasi erfunden wurde. Die Erwartungen sind also groß an einen, der bis vor Kurzem noch den fünfmaligen Weltfußballer Cristiano Ronaldo trainiert hat. Eigentlich wollte Rangnick noch bis 2024 als Berater für Manchester arbeiten, von dieser Doppel-Funktion sieht er nun aber doch ab.

Der Kern der Mannschaft mit Spielern wie Laimer, Marcel Sabitzer, Maximilian Wöber oder Xaver Schlager hat eine Salzburger Vergangenheit (oder Gegenwart) und kennt den "Ralfball", Rangnicks auf lange Bälle und gnadenloses Gegenpressing getrimmte Spielidee. Weil Österreich unter Vorgänger Franco Foda die Winter-WM in Katar verpasste, denkt Rangnick aber längst langfristig, Wunderdinge seien zu Beginn nicht zu erwarten. Sportdirektor Peter Schöttel äußerte schon leicht euphorisiert, Rangnick solle nicht nur dem Nationalteam, sondern dem "ganzen österreichischen Fußball" gut tun.

Salzburg gibt sozusagen die Blaupause für die Nationalmannschaft. Als Rangnick 2012 in der Mozartstadt antrat, lag Österreich im Klubranking der UEFA auf Platz 19. Heute ist man Achter und hat einen fixen Starter in der Champions League. "Ich wüsste nicht, warum mit der Nationalmannschaft nicht auch eine ähnliche Entwicklung möglich sein sollte", sagte Rangnick. Mit der Mannschaft sehe er jedenfalls mehr Chancen als Risiken. Für sich selbst dürfte dies ebenfalls der Fall sein.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen