Fußball

Dortmund müht sich beim Letzten Sancho erlöst BVB von Paderborn-Komplex

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Nach dem 2:0 zeigte Sancho den Schriftzug "Justice for George Floyd".

(Foto: AP)

Das Endergebnis ist deutlich, doch zwischendurch wankt Borussia Dortmund. Wie schon im Hinspiel ärgert der SC Paderborn den Favoriten, aber besonders Jadon Sancho macht den Unterschied. Und sendet mit seinem Shirt ein klares Zeichen in die Welt.

Nach seinem ersten Bundesliga-Hattrick zog Jadon Sancho noch einmal sein Trikot über den Kopf und wiederholte seine Botschaft. "Justice for George Floyd" stand auf dem Shirt darunter, das er schon nach seinem ersten Tor beim 6:1 (0:0)-Sieg von Borussia Dortmund beim Tabellenletzten SC Paderborn präsentiert hatte.

Der englische Jungstar schloss sich damit anderen Bundesligaprofis an, die am Pfingstwochenende Gerechtigkeit für den Schwarzen forderten, der infolge einer brutalen Polizeikontrolle in Minneapolis gestorben war. Der Tod des 46-Jährigen hatte die USA in Aufruhr versetzt. Auch sportlich war Sancho der Hauptdarsteller beim Kantersieg des BVB, der fünf Tage nach dem 0:1 gegen Bayern München und dem Aus im Titelkampf die Konkurrenz im Vierkampf um die Königsklasse auf Distanz hielt. "Wir geben jetzt alles, um jedes Spiel noch zu gewinnen", sagte Torwart Roman Bürki bei Sky.

SC Paderborn - Borussia Dortmund 1:6 (0:0)

Paderborn: Zingerle - Dräger, Strohdiek, Hünemeier, Collins - Vasiliadis (83. Sabiri), Schonlau - Antwi-Adjei (83. Jastrzembski), Srbeny (66. Zolinski), Holtmann (74. Pröger) - Mamba (66. Michel). - Trainer: Baumgart
Dortmund: Bürki - Piszczek, Hummels, Akanji - Hakimi (87. Morey), Can (87. Balerdi), Delaney (68. Witsel), Guerreiro (80. Schmelzer) - Brandt (80. Reyna) - Hazard, Sancho. - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Tore: 0:1 Hazard (54.), 0:2 Sancho (57.), 1:2 Hünemeier (72., Handelfmeter), 1:3 Sancho (74.), 1:4 Hakimi (85.), 1:5 Schmelzer (89.), 1:6 Sancho (90.+1)
Zuschauer: keine
Gelbe Karten: Collins (7), Dräger (2) - Sancho (2), Can (3), Hummels (5)

Nach einer unerklärlich leblosen ersten Halbzeit bekam der BVB den Schalter gegen kampfstarke, aber arg limitierte Paderborner rechtzeitig umgelegt. Thorgan Hazard (54.), Rückkehrer Sancho mit seinen Saisontoren 15 bis 17 (57./74./90.+1), Achraf Hakimi (85.) und Marcel Schmelzer (89.) trafen zum vierten Auswärtssieg in Serie. "Wir haben sie nicht von Anfang an unter Druck gesetzt, zum Glück ist nichts passiert", gab Bürki zu: "In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht und das Spiel kontrolliert. Durch unsere schnellen Spieler außen hatten wir gute Waffen."

Der SCP, für den Uwe Hünemeier (72.) per Handelfmeter verkürzte, ist seit zehn Spielen ohne Sieg und wird höchstwahrscheinlich in der kommenden Saison wieder in der 2. Liga antreten. Paderborn stellte die BVB-Stars gut zu und nervte besonders Julian Brandt und den in die Startelf gerückten Sancho. Einige Vorstöße über den flinken Linksaußen Gerrit Holtmann brachten sogar die ersten Gelegenheiten für Christopher Antwi-Adjei (11./13.). Der Dortmunder Abwehrchef Mats Hummels forderte seine Mitspieler lautstark zu mehr Engagement auf: Schließlich hatte das peinliche 3:3 im Hinspiel (nach 0:3) seinen Trainer Lucien Favre, um den es in der vergangenen Woche wieder viele Diskussionen gab, beinahe den Job gekostet.

Kein Haaland, keine Gedankenschnelligkeit

Raphael Guerreiro hätte nach einem BVB-Konter etwas mehr Gelassenheit bringen können, doch Jamilu Collins bekam einen Fuß dazwischen (25.). Torjäger Erling Haaland fehlte wegen Kniebeschwerden, dadurch fehlte vorne häufig Gedankenschnelligkeit. Immerhin kontrollierte der hohe Favorit das Spiel nun mit mehr Breite im Aufbau und schnellen Pässen in die Tiefe. Paderborn kam kaum noch ins Pressing, die Entlastung ließ nach, Brandt hatte viel Platz. Er wirkte jedoch schlapp, auch bei seiner Großchance (45.).

Es war kein Dortmunder Dauerdruck, eher ein zähes Verschieben des Geschehens Richtung SCP-Tor ohne Konsequenz. Andererseits hätte Paderborn mit höherer Präzision und einem Hauch mehr Klasse auch zustechen können, beispielsweise kurz nach der Pause (48.). Sekunden später rettete Torhüter Leopold Zingerle spektakulär gegen Hakimi, ehe Hazard - nach einer weiteren vergebenen Riesenchance - endlich traf. Die BVB-Blockade war gelöst, was sich umgehend auch in der Körpersprache zeigte.

Quelle: ntv.de, tsi/sid