Nach dem historischen 0:7 in der Nations League gegen England hat sich Kroatiens Fußball-Nationaltrainer Slaven Bilic geschockt gezeigt. "Es ist schwer, nach so einem Abend noch etwas zu sagen. Es ist die größte Niederlage überhaupt", sagte der 58-Jährige nach dem Debakel von Rijeka. Nie zuvor hatte eine kroatische Mannschaft ein Länderspiel derart deutlich verloren. Bislang war ein 0:6 in Spanien im September 2018 das unrühmliche Rekordspiel in der Verbandsgeschichte gewesen.
Bilic betonte, dass seine Mannschaft gut trainiert habe. "Damit hatten wir nie gerechnet. Alles sah gut aus, aber dann - nennen wir es einen schlechten Tag, einen Totalausfall? Es ist sinnlos, ein 0:7 zu analysieren, aber wir müssen trotzdem die Gründe dafür finden", sagte der frühere Profi des Karlsruher SC.
Für den Nachfolger von Erfolgstrainer Zlatko Dalic, der nach der WM zurückgetreten war, ist es nach wenigen Monaten im Amt bereits ein schmerzhafter Nackenschlag. Schon vier Tage zuvor hatten die Kroaten bei Weltmeister Spanien mit 1:4 verloren. Das Spiel gegen England war aber nicht nur aufgrund des Ergebnisses, sondern vor allem aufgrund der Art und Weise ein Tiefpunkt. Wird es für Bilic womöglich bald eng?
"Es ist klar, dass die Verantwortung bei mir liegt. Ich bin der Trainer, es ist meine Nationalmannschaft. Natürlich werden wir das analysieren, natürlich werden wir es beobachten", sagte er. Die Qualität der Engländer sei keine Entschuldigung. "Ich glaube nicht, dass England Estland zu diesem Zeitpunkt mit 7:0 geschlagen hätte. Das ist für Kroatien inakzeptabel", stellte er klar.
"Aufwachen ist schmerzhafter als nach zwanzig Bieren"
Diese Worte wählte auch Luka Modric. Er habe sich zum ersten Mal "geschämt". Man könne verlieren, ergänzte der Rekordnationalspieler, "aber so zu verlieren und den Ruf zu ruinieren, den wir uns über Jahre erarbeitet haben, ist inakzeptabel". Der 41-Jährige erklärte: "Wenn man mit zwei Spielern weniger spielt, geht das nicht, und wir sahen aus, als wären wir vier oder fünf Spieler weniger. Ein katastrophaler Abend." Er rief dennoch zum Zusammenhalt auf: "Wir haben schon schwierige Situationen gemeistert, wir haben bitter verloren, aber so ein Gefühl habe ich nach einem Spiel in der Nationalmannschaft noch nie erlebt."
Ähnlich äußerte sich Nationalspieler Franjo Ivanovic. "Seit ich in der Nationalmannschaft bin, habe ich Kroatien in all den Spielen, die ich gesehen habe, noch nie so erlebt. Ein wirklich schlechter Tag für alle, und mir fällt dazu nichts Schlaues ein. Sieben Gegentore gegen England zu kassieren, ist unmöglich. So etwas darf uns nicht passieren", sagte er bei Nova TV.
Auch die Presse ließ kein gutes Haar am Team. "Jutarnji List" schrieb: "Das ist eine unnatürliche, inakzeptable Katastrophe! Nicht, dass wir nicht zur Elite gehören würden, wir sind zu San Marino geworden. Die Träume vom Viertelfinale sind geplatzt, das Aufwachen ist schmerzhafter als nach zwanzig Bieren." Am Dienstag (20.45 Uhr/DAZN und im ntv.de-Liveticker) geht es für Modric und seine Mitspieler gegen den Weltmeister Spanien um Schadensbegrenzung.


