Zur Unzeit für den FC Bayern

So erklärt Kompany das Blitz-Aus von Manuel Neuer

Video poster
00:00 / 05:09
13.10.2026 | 08:50 Uhr
Manuel Neuer muss auf eine schnelle Reaktion nach seinem schweren Bundesliga-Patzer verzichten. Trainer Vincent Kompany erklärt den Grund. Ob Neuer dennoch im Kader steht? Das lässt der Coach offen.

Manuel Neuer hat was gut zu machen. Das kam in seinem Torwart-Leben zwar schon mal vor, aber eher selten. Auf den letzten Metern seiner herausragenden Karriere kämpft der 40-Jährige um den perfekten Absprung. Als Legende geht er eh. Aber geht er als eine, die zum richtigen Zeitpunkt Schluss macht? Oder geht er im Sommer und das Urteil lautet hernach: Das war überfällig?

Am vergangenen Samstag schlug das Pendel eher in die zweite Richtung aus. Neuer hatte auf für ihn bitterste Weise Bundesliga-Geschichte geschrieben und nach nicht ganz neun Sekunden das schnellste Gegentor aller Zeiten mit einem folgenschweren Patzer verursacht. Auch beim zweiten Treffer der Augsburger sah der Titan des FC Bayern wieder nicht gut aus. Die Fehler des 40-Jährigen häufen sich - gemessen an den Vorleistungen seiner mittlerweile über 20 Jahre andauernden Profi-Laufbahn.

Video poster
2:49

Kult-Kommentator rät Bayern zum Torwartwechsel

Das Remis (2:2) gegen die bayerischen Schwaben, da braucht es keine wissenschaftliche Erhebung oder keinen ausufernden Diskurs, ging auf die Kappe von Neuer. Auch der Torwart selbst wollte diesem Vorwurf der Schuldigkeit nicht ausweichen. Klare Sache - beim 0:1 - sah er auch so. Beim 1:2 dagegen ging er deutlich kritischer mit der Kritik um.

Leise Debatte wird plötzlich laut

Und so wurde eine Diskussion laut, die schon länger leise geführt wird: Muss der FC Bayern im Tor den ohnehin im kommenden Sommer angestrebten Machtwechsel vorziehen? Muss Jonas Urbig schon jetzt Nummer eins werden? In den Fußball-Talks seit Samstagabend gibt es kein weiteres Thema, das so großen Raum einnimmt. Der 23-Jährige wird von lauten Lobeshymnen begleitet, obwohl er bislang der klare Schattenmann war. Auch wenn in seiner Zeit bei den Münchnern, die am 27. Januar des vergangenen Jahres begann, schon 34 Mal zwischen den Pfosten stand. Was aber habe er bisher geleistet, fragen andere Experten. An der Spitze der Bewegung steht Bayern-Ikone Sepp Maier.

Wie schwer der Weg sein kann, das haben Stefan Wessels, Thomas Kraft und Michael Rensing einst erlebt, als es darum ging, Oliver Kahn als Torwart des FC Bayern zu ersetzen. Die richtige Antwort auf das Titanen-Erbe fanden die Münchner erst Jahre später - mit Neuer. Urbig, keine Frage, kommt aus einer anderen Position. Die Bayern wählten in bewusst aus und verfolgten mit seiner Verpflichtung einen klaren Plan. Dass er dennoch an Neuers Vorgabe gemessen wird, so läuft das Geschäft.

Neuer spürt "etwas im Fuß"

Das 35. Spiel kommt an diesem Dienstagabend hinzu. Bei Viking Stavanger wird Urbig spielen. Das ist keine unmittelbare Reaktion auf Neuers Horrorspiel gegen die Augsburger. Vielmehr habe er "etwas im Fuß gespürt". Es sei keine Verletzung, betonte Coach Vincent Kompany. Aber in dieser Phase der Saison müsse man nichts riskieren, deswegen die Pause. Es sei eine "rein medizinische" Entscheidung, warf Kompany noch hinterher. Es war ein Versuch, der tobenden Debatte den Wind zu nehmen.

Video poster
0:45

Köster legt Neuer Karriereende nahe

Der Ausfall des Stammkeepers trifft den FC Bayern, Neuer und auch Urbig zur Unzeit. Nicht weil der Gegner Norwegens Champions-League-Debütant Viking Stavanger ist (21 Uhr bei Prime Video und im Liveticker bei ntv.de), sondern weil wahnsinnig viel Druck auf der Debatte liegt. Was, wenn Urbig, um den auf der einen Expertenseite ein (unnötig) großer Hype nach seinen DFB-Spielen entstanden, reüssiert? Dann haben die Münchner eine noch dicke Debatte an der Backe. Was, wenn er patzt? Dann wird darüber gesprochen, ob Urbig dem Druck gewachsen ist.

Neuer muss auf Wiedergutmachung warten

Und auch für Neuer wird's unangenehm. Er schleppt den Fehler und die Wiedergutmachung weiter mit sich rum. Auch für einen 40-Jährigen nicht leicht, trotz aller Erfahrung. Womöglich sitzt er bei den Norwegern aber auf der Ersatzbank. Eventuell sieht er eine Champions-League-Sternstunde seines Thronfolgers. Das würde bittere Symbolbilder produzieren. Dass Neuer trotzdem in den Flieger nach Nordeuropa gestiegen war, überraschte da etwas. Man habe gedacht, dass er in Stavanger trainieren könne, erklärte Kompany. Dritter Torhüter ist Sven Ulreich.

Video poster
1:41

Kritik an Neuer: Hamann wettert gegen "Heuchler"

Den nächsten Einsatz von Urbig wollte der Trainer im aktuell heftig tobenden Wind allerdings nicht zu hoch hängen: "Wir sind im Plan - die Minuten, die wir ihm geben wollten für seine Entwicklung, hat er bekommen. Er hat ein Pokalfinale gespielt, mehrere Champions-League-Spiele. Dass er jetzt Nationalmannschaft spielt, ist eine Folge dieser Entwicklung. Und jede Minute ist gut für seine Entwicklung", sagte Kompany.

Rat und Druck von Tah

Beim Bestreben, die werdende Legende gleichwertig zu ersetzen, solle der 23-Jährige er selbst bleiben, riet derweil Jonathan Tah. "Jonas muss nicht werden wie Manu, aber er kann viel von ihm lernen", erläuterte der Nationalspieler: "Er strahlt Sicherheit aus und macht es immer gut, wenn er auf dem Platz steht. Er nimmt sicher das ein oder andere von Manu mit, hat aber seine ganz eigene Art."

Zugleich schwärmte Tah von Neuer. "Es ist etwas ganz Besonderes, mit Manu auf dem Platz zu stehen. Ich gehöre schon zur älteren Generation, habe ihm aber schon im Fernsehen zugeschaut. Die Ausstrahlung und Sicherheit, die er uns gibt, ist etwas ganz Besonderes", sagte der Verteidiger. Und erhöhte damit unbewusst nochmal den Druck auf Urbig.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno