Abrechnung, die es in sich hat

Spanien-Boss zerlegt Infantino in alle Einzelteile

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02.08.2026 | 08:05 Uhr
Nach massivem Widerstand gibt Gianni Infantino seine Pläne auf, Teile der WM an Investoren zu verkaufen. Doch der Alleingang des FIFA-Chefs hallt gewaltig nach. Nun ergreift einer seiner schärfsten Kritiker das Wort.

Spaniens Ligaboss Javier Tebas hat FIFA-Präsident Gianni Infantino nach dessen gescheiterten Investorenplänen zum Rücktritt aufgefordert. "Der Weltfußball braucht eine neue Führung, die seine Governance modernisiert, die Glaubwürdigkeit wiederherstellt und zukunftsweisende Entscheidungen im Konsens mit den beteiligten Akteuren trifft", schrieb der 64-Jährige in den sozialen Netzwerken. "Dabei müssen die sportlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Vorfeld sorgfältig geprüft werden, anstatt Entscheidungen einseitig durchzusetzen."

Infantino hatte zuvor sein Vorhaben, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen, nach massiver Kritik aufgegeben. Das sei "eine gute Nachricht", so Tebas, der schon seit geraumer Zeit zu den schärfsten Kritikern Infantinos gehört. Aber: "Einen Vorschlag zurückzuziehen, löscht nicht alles aus, was geschehen ist. Es ist nur die Spitze des Eisbergs."

Tebas erinnerte in seinem Beitrag auch an den Fall Balogun bei der WM, die "skandalösen Preise" für Tickets, den Umgang mit Korruptionsfällen in der FIFA, die Umgestaltung des internationalen Spielkalenders sowie neue Wettbewerbe und Formate, die die FIFA unter Infantino "ohne einen echten Prozess des Dialogs" entschieden habe.

CONCACAF fordert "Aufarbeitung"

"Aus all diesen Gründen glaube ich, dass Gianni Infantino nicht weiter an der Spitze der FIFA stehen darf", schloss Tebas seinen Beitrag: "Das Problem war nie ein einzelner Vorschlag. Das Problem ist ein Governance-Modell, das die Macht zentralisiert, die Gegenkräfte schwächt und jene marginalisiert, die direkt von seinen Entscheidungen betroffen sind."

Zuvor hatte der Kontinentalverband CONCACAF hat mit unverblümter Kritik den Druck auf Infantino erhöht. Die Idee eines Verkaufs von WM-Anteilen sei "das Symptom einer Führung, für die der Fußball nicht mehr an erster Stelle steht", teilte der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik mit. Eine "umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft" sei zwingend erforderlich, hieß es weiter.

Der Name Infantino fiel in dem Statement nicht, doch die Botschaft war eindeutig. Die Zukunft der WM sei in den vergangenen Tagen "ohne Transparenz, ohne Konsultation und ohne Einhaltung ordnungsgemäßer Verfahren" verhandelt worden: "Dieser jüngste einseitige und eklatante Akt schlechter Führung und mangelhafter Governance reiht sich in eine Kette von Fehltritten und ähnlichen Verhaltensweisen ein."

Isoliert ist Infantino trotz der immer lauter werdenden Kritik nicht. Der Schweizer, der sich eigentlich im März nächsten Jahres in Rabat ein letztes Mal für vier Jahre zum FIFA-Boss wählen lassen will, bekommt noch Zuspruch. Unter anderem der Ägyptische Fußballverband bekräftigte "sein volles Vertrauen" in die Führung von Infantino. Und auch Marokko, Gastgeber des 77. FIFA-Kongresses 2027, "erneuerte seine Unterstützung" für ihn.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno/sid/dpa