Fußball

Spieler weiter in Betreuung Tuchel: Anschlag schuld am Aus beim BVB

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Für Ex-BVB-Profi Sven Bender wurde das Thema im Verein zu schnell abgehakt.

(Foto: dpa)

Im Prozess um das BVB-Attentat sagen nun die Spieler und Trainer aus: Es sind teils erschütternde Sätze. Sie zeigen auch, wie überfordert und starrsinning die Klubführung in Teilen war. Das hat zusätzlich für Wunden gesorgt - und für Vereinswechsel.

Thomas Tuchel sieht zwischen dem Anschlag auf die Mannschaft des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und seinem Ende als Trainer des Vereins einen direkten Zusammenhang. Auf die Frage des Oberstaatsanwaltes Carsten Dombert, ob er ohne das Attentat am 11. April über den Sommer hinaus BVB-Trainer geblieben wäre, sagte der 44-Jährige: "Davon würde ich ausgehen". Derweil belastet der Anschlag die betroffenen Spieler und Betreuer noch immer. "Das hat mein Leben verändert", sagte etwa Torwart Roman Weidenfeller. Für den Ex-Dortmunder Sven Bender waren der Anschlag und der Umgang damit sogar ein Grund für seinen Wechsel zu Bayer Leverkusen.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke "hat das ja öffentlich schon gesagt,  dass es großen Dissens gegeben hat. Das stimmte auch so", sagte Tuchel vor dem Landgericht Dortmund. "Der große Dissens bestand darin, dass ich im Bus saß und Aki nicht. Deshalb gab es auch eine andere Herangehensweise mit dem Umgang. Ohne das Aki jetzt vorhalten zu wollen."

"Da war so viel mit umzugehen"

Hintergrund von Tuchels Aussage ist der Streit mit Watzke über den richtigen Umgang mit dem Anschlag am Abend des Viertelfinal-Hinspiels in der Champions League gegen den AS Monaco. Das Verhältnis zwischen Watzke und Tuchel galt am Ende als zerrüttet, auch wegen Meinungsverschiedenheiten bei diesem Thema. Nach dem Ende der vergangenen Saison trennten sich die Wege von Dortmund und Tuchel, obwohl dieser mit dem BVB den DFB-Pokal gewonnen hatte.

Er selbst spüre keine Nachwirkungen des Attentats, auch keine psychologischen Folgen. Allerdings sei er "absolut davon überzeugt",  dass das Erlebnis Auswirkungen auf die Leistungen der Spieler gehabt habe. "Da war so viel mit umzugehen", sagte Tuchel, der auf ein Gespräch mit einem Experten verwies. Dieser habe erklärt, dass Betroffene nach solchen belastenden Ereignissen drei Tage nicht in ähnliche Situationen gebracht werden sollten: "Wir haben aber am nächsten Tag schon wieder gespielt."

Es seien nach dem Attentat viele Gespräche notwendig gewesen, "um eine Atmosphäre zu schaffen,  in der wir uns wieder kritisieren konnten", sagte er. Was das Team danach dennoch geschafft habe, sei "erstaunlich".

Bender: "Das Spiel war ein Fehler"

Mittelfeldakteur Bender bezeichnete es im Nachhinein als "Fehler", dass die Mannschaft am Tag nach dem Attentat in der Champions League angetreten sei. "Für mich wurde das Thema schnell abgehakt. Das war schade, deshalb hat man auch nicht so viel drüber gesprochen", sagte Bender.

Doch das Thema ist mannschaftsintern längst nicht abgehakt. "Das ist immer noch ein Thema in der Mannschaft", sagte Torhüter Weidenfeller. "Ich kenne Spieler, die noch immer darunter leiden. Das war ein Anschlag auf das Leben." Er selbst nehme seitdem psychologische Hilfe in Anspruch: "Man ist immer noch betroffen, immer noch schreckhaft." Kapitän Marcel Schmelzer sagte, er zucke immer noch bei lauten Geräuschen zusammen. "Ich versuche, es wegzuschieben. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen man denkt, was für ein Glück wir hatten."

Der Angeklagte Sergej W. hat inzwischen gestanden, vor der Abfahrt des BVB zum Spiel gegen Monaco am Teamhotel der Dortmunder  drei Sprengsätze gezündet zu haben. Er bestreitet allerdings  jegliche Tötungsabsicht. Das Motiv soll Habgier gewesen sein. Mutmaßlich wollte Sergej W. mit kreditfinanzierten Put-Optionen nach seiner Tat am sinkenden Kurs der BVB-Aktie verdienen.

Die Staatsanwaltschaft wirft W. versuchten Mord in 28 Fällen,  das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und schwere Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der ehemalige  BVB-Innenverteidiger Marc Bartra hatte einen Armbruch und Fremdkörpereinsprengungen erlitten, ein begleitender Polizist ein Knalltrauma.

Quelle: ntv.de, ftü/sid