FIFA-Boss Gianni Infantino gerät auf immer mehr Ebenen in die Bredouille, nun geht es um eine länger zurückliegende Geschichte aus seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär. 2011 soll er dafür gesorgt haben, dass seine "Geliebte" mit einer Abfindung in mindestens sechsstelliger Höhe aus dem Dienst ausschied. Zudem soll der europäische Fußballverband der Frau ein MBA-Studium an einer Business School finanziert haben, die Studiengebühren sollen jährlich rund 52.500 Euro gekostet haben. Das berichtet der "Telegraph", der die enge Mitarbeiterin als "Lover" bezeichnet.
Die Frau, die der Zeitung zufolge jünger als Infantino ist, soll während ihrer Zeit bei der UEFA einen gewaltigen Karrieresprung hingelegt haben, ihr Gehalt sei in dieser Zeit um rund 30 Prozent auf etwa 160.000 Schweizer Franken (171.000 Euro) gestiegen, heißt es unter Berufung auf Insider. Von einer Verwaltungsposition wurde sie demnach in eine Führungsposition befördert, das habe damals schon innerhalb der UEFA Fragen aufgeworfen.
Die UEFA bestätigte die damaligen Geldleistungen: "Die Zahlung entsprach den damals geltenden Vorschriften für ausscheidende Mitarbeiter." Ein Sprecher der UEFA erklärte, dass der Verband von den Vorwürfen Kenntnis habe, wonach die Frau eine Beziehung zu Infantino gehabt habe. Der UEFA zufolge seien die Vorschriften seit 2016 verschärft worden, um "denen einer modernen, rennomierten Organisation gerecht zu werden".
Infantino ist seit 2001 mit Leena Al Ashqar verheiratet, das Paar hat vier Kinder. Er war der UEFA im Jahr 2000 beigetreten und 16 Jahre dort tätig, ehe er 2016 FIFA-Präsident wurde.
Platini stellt Infantino angeblich zur Rede
Die FIFA wies die Vorwürfe gegen Infantino "entschieden" zurück: "Jede Andeutung von unangemessenem Verhalten oder Verstößen gegen Statuten oder Vorschriften ist diffamierend." Es habe nie Beschwerden von Mitarbeitern der UEFA oder FIFA über sein Verhalten gegeben. "Alle unternehmensinternen Maßnahmen in Bezug auf Mitarbeiter, einschließlich etwaiger Abgänge und Abfindungszahlungen, wurden stets von den zuständigen Direktoren in Übereinstimmung mit allen geltenden Vorschriften genehmigt."
Damalige Kollegen berichten dagegen laut "Telegraph", dass Infantino von Michel Platini, dem damaligen UEFA-Präsidenten, wegen der angeblichen Affäre zur Rede gestellt worden sei. Der "riesige Fehler" habe Infantino demnach beinahe die Karriere gekostet. "Leute sagten zu Platini: 'Du musst ihn entlassen.'" Doch der damalige UEFA-Präsident habe Infantino vor die Wahl gestellt, ob er oder sie aus dem Dienst ausscheide. Daraufhin musste die Frau gehen.
Es sei dann vereinbart worden, dass sie mit der Abfindung aus der UEFA ausscheide. Das Geld dafür soll aus UEFA-Mitteln, die eigentlich für den Breitensport hätten verwendet werden sollen, gestammt haben. Im Anschluss soll Infantino seine Beziehungen genutzt haben, um der Frau eine neue lukrative Stelle in einem ähnlichen Bereich zu verschaffen.
Der konkrete Anlass für das Eingreifen Platinis und was damals über das Verhältnis zwischen Infantino und der Mitarbeiterin bekannt war, ist unklar. Nun soll in der UEFA-Zentrale in Nyon geklärt werden, was damals geschah.



