Instagram ist ein gutes Instrument, um Stimmungen oder Aufenthaltsorte zu entlarven. Doch auch hier: nichts. Seit Wochen gibt es auf der Seite von Leon Goretzka keinen neuen Post mehr. Es ist arg still geworden um den ehemaligen Star des FC Bayern, der seit ein paar Wochen offiziell vereinslos ist. Nichts los in den sozialen Medien, auch nichts mehr los in der Gerüchteküche. Das Gericht Goretzka steht offenbar derzeit nicht mehr auf dem Speiseplan. Man weiß aber natürlich nie, hinter welchen verschlossenen Türen was besprochen wird.
Aber was früher regelmäßig in Hinterzimmern blieb, ist längst ein transparentes Geschäft geworden. Nicht nur klassische Medien haben den Transferjournalismus für sich entdeckt, auch wild gewordene Portale werfen mit Gerüchten um sich, sogar ein eigenes Expertentum hat sich aus der Nische heraus kristallisiert. Die Verbreitung von interessiertem Gerede ist ein lukratives Geschäft geworden, noch mehr die exklusive Bestätigung.
Doch um Goretzka gibt es derzeit nichts mehr zu hören. Das war mal anders. Große Klubs wie der FC Barcelona, der FC Arsenal, Juventus Turin, der AC Mailand, die SSC Neapel oder Atlético Madrid wurden mit dem 73-maligen Nationalspieler in Verbindung gebracht. Noch im Mai sprach der Spieler selbst entspannt von einer "privilegierten Situation", er wolle auf ein neues Projekt "100 Prozent Bock haben". Doch so privilegiert scheint alles nicht mehr.
Wenig schmeichelhafte Schlagzeilen
Wenn es in den Medien zuletzt um Goretzka ging, dann wurden eher weniger schmeichelhafte Schlagzeilen produziert. Wiederholt wurden zu hohe Forderungen der Spielerseite als Problem genannt. Dem Vernehmen nach stellt sich der 31-Jährige ein Jahresgehalt von sieben Millionen Euro netto sowie ein Handgeld um die zehn Millionen Euro vor. Bei den Bayern soll Goretzka zuletzt 13 Millionen Euro brutto verdient haben. Damit ist zumindest eine Option vom Tisch, die am Freitagabend, beim Zweitliga-Auftakt vor und nach dem Spiel rund ums Stadion mit großer Leidenschaft und wenig Ernsthaftigkeit diskutiert wurde. Das "Home Coming" des verlorenen Sohns nach Bochum. Der VfL hätte indes Bedarf (aber nicht das Geld), sucht noch einen Achter.
Bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada hatte Goretzka eigentlich groß Eigenwerbung für sich betreiben wollen. Aber das gelang nicht. Nicht nur, weil sich die Nationalmannschaft abermals bei einem großen Turnier blamierte, sondern auch, weil Goretzka überraschend wenig spielte. Die ihm von Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann noch im März zugedachte Rolle des Führungsspielers wurde gestrichen. Der gebürtige Bochumer kam lediglich auf drei Kurzeinsätze. Zu wenig für ein nachhaltiges Bewerbungsschreiben.
Genervt von Degradierung?
Die eher überraschende Degradierung durch Nagelsmann soll Goretzka gar nicht gepasst haben. Die "Sport Bild" berichtete unter Berufung auf Mannschaftskreise, dass sich der 31-Jährige danach abgekapselt habe und häufig schlecht gelaunt gewesen sei. Zudem, so hieß es, habe er dann auch beim entscheidenden Elfmeterschießen im Sechzehntelfinale gegen Paraguay frustriert abgewunken. Der Ausgang ist bekannt. Als finaler deutscher Schütze drosch Abwehrmann Jonathan Tah den Ball über das Tor.
Goretzka galt in seiner Zeit beim FC Bayern immer als Musterprofi. Auch in seiner letzten Saison in München hatte er seine Rolle als Backup hinter Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic akzeptiert. "Leon war immer ein wichtiger Spieler bei Bayern und hat immer wieder gezeigt, was es heißt, ein absoluter Profi zu sein und zu kämpfen", betonte Trainer Vincent Kompany bei dessen Abschied im Mai. Qualitäten, die bisher noch nicht zu einem neuen Vertrag geführt haben. Dabei war Goretzka noch vor der vergeigten WM zuversichtlich gewesen. Er wolle "schon nochmal richtig kompetitiven Fußball im Ausland spielen". Ein Angebot von Chicago Fire aus der MLS blockte er deshalb ab. Er werde, sagte er vielmehr, "schon etwas Schönes finden, denke ich".
Mittlerweile hat der Klub Robert Lewandowski unter Vertrag genommen, einen alten Bayern-Kollegen. Ob das die Sache nochmal verändert, falls das Angebot überhaupt noch steht?


