St. Pauli-Boss zu Reese

"Wenn wir Pfiffe nicht mehr aushalten, wird es schwierig"

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11.09.2026 | 12:02 Uhr
Wenn die Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg und FC St. Pauli am Wochenende im Unterhaus aufeinandertreffen, ist das trotz der gemeinsamen jüngeren Vergangenheit ein ungleiches Duell. St. Pauli-Boss Göttlich findet klare Worte. Auch zur Situation von Fabian Reese.

Oke Göttlichs Mitleid für Fabian Reese hält sich in Grenzen, die Aufregung um die Pfiffe gegen den Wolfsburger Neuzugang hält der Präsident des FC St. Pauli für überzogen. "Mir ist das alles, ehrlich gesagt, sehr, sehr hochgekocht. Es gibt natürlich Emotionen im Fußball", sagte Göttlich vor dem Zweitliga-Duell am Samstagabend (20.30 Uhr/RTL und Sky sowie im Liveticker bei ntv.de) am Hamburger Millerntor im Interview mit RTL/Sky: "Wenn Spieler sich über Jahre committen, sich festlegen und auch eine Wortwahl treffen, die eine große Verbundenheit zu einem Verein ausdrückt, und dann wechseln sie, dann ist doch klar, dass Emotionen entstehen."

Reese, der sich vor der Saison wenige Monate nach flammenden Bekenntnissen zu Stadt und Klub von Hertha BSC nach Wolfsburg verabschiedet hatte, war zuletzt in mehreren Stadien heftig ausgepfiffen worden.

"Was soll das?"

Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte Pfiffe der Energie-Fans gegen Reese jüngst scharf kritisiert. "Was soll das? Ich finde das unmöglich. Warum muss unser Verein oder unsere Fans diesen Spieler auspfeifen? Der hat Energie Cottbus nichts getan, im Gegenteil. Der versucht jetzt für seinen Arbeitgeber das Beste", sagte Wollitz nach dem 4:4 der Brandenburger beim VfL Wolfsburg.

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St. Pauli-Präsident verteidigt Pfiffe gegen Reese

Aus dem Gästeblock hatte es Pfiffe gegen den Neu-Wolfsburger Reese gegeben. "Auch wenn ich jetzt dadurch Probleme habe, die nehme ich gerne an, bleibe auch gerne zu Hause. Das gehört sich nicht", sagte der 61-Jährige.

Reese selbst hatte nach Wolfsburgs Sieg in Karlsruhe (5:2) bekundet: "Ich nehme diese Pfiffe mit, ich nehme die auch nach Hause mit. Ich kann sie nicht so gut abschütteln, vielleicht bin ich da auch zu sensibel für. Ich glaube, jeder müsste sich vorstellen, vor 30.000, 40.000 (Zuschauern) mit Mitte 20 ausgepfiffen zu werden. Das verletzt mich."

"Dann wird es schwierig"

Grundsätzlich müssten Profis und Funktionäre mit Reaktionen auf ihre Entscheidungen umgehen können. "Wenn wir Pfiffe im Fußball nicht mehr aushalten, dann wird es schwierig", sagte Göttlich. Anfeindungen wolle er damit nicht rechtfertigen. Er gehe nicht davon aus, dass Reese beim FC St. Pauli "überhaupt ein großes Thema sein wird".

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Max Kruse: "Ich weiß nicht, was er erwartet hat"

Die Sonderrolle des VfL Wolfsburg im deutschen Profifußball kritisiert Göttlich scharf. Der St. Pauli-Boss sieht in den finanziellen Voraussetzungen des Liga-Konkurrenten, der von der 50+1-Regel ausgenommen ist, eine Benachteiligung anderer Klubs. "Das ist eine Wettbewerbsverzerrung. Das kann man so sagen", sagte Göttlich: "Und das sieht ja auch das Bundeskartellamt so. Weswegen das Bundeskartellamt natürlich auch sagt: 50+1 muss sich mit den Ausnahmen VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen beschäftigen."

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"Nicht auf Augenhöhe"

Vor allem die finanzielle Ungleichheit gegenüber der 100-prozentigen Tochter des Volkswagen-Konzerns stört Göttlich. "Man spielt nicht auf Augenhöhe. (...) Selbst wenn der VfL Wolfsburg in der ersten Liga spielt, spielt er mit sehr vielen Teams dort nicht auf Augenhöhe, weil einfach über Jahrzehnte Geld in Infrastruktur investiert wurde, was sich viele eingetragene Vereine und viele Klubs nicht leisten können." Der VfL sei ein Mitbewerber um den Bundesliga-Aufstieg, "mit dem 17 andere definitiv nicht mithalten können".

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Wollitz schießt gegen eigene Fans

Der ambitionierte und bemerkenswert aufgerüstete Absteiger Wolfsburg ist solide in die Mission Wiederaufstieg gestartet: Nach vier Spielen stehen acht Punkte auf der Habenseite. Zuletzt verspielte man allerdings gegen Aufsteiger Cottbus eine 3:0-Führung. Mitabsteiger St. Pauli dagegen hat ganz andere Schwierigkeiten: Die Hamburger sind noch immer sieglos, drei Remis sorgten für lediglich drei Punkte.

Verwendete Quellen: ntv.de, ter/sid