Mbappé, Vini Jr., Diomande

Wie gut ist Real Madrids neue Monster-Offensive?

imageVon Emmanuel Schneider
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09.08.2026 | 07:08 Uhr
Real Madrid peilt in der kommenden Saison den Großangriff an. Der neue Coach José Mourinho kann dabei auf eine pfeilschnelle Angriffsreihe setzen. Aber eine Problemzone bleibt.

Der vergangene Donnerstag war ein guter Tag für Real Madrid. Denn es war ein Nägel-mit-Köpfen-Tag. Zunächst machten die Königlichen den sich gefühlt ewig hinziehenden Transfer um Leipzigs Yan Diomande perfekt. Für mindestens 125 Millionen Euro. Am Abend folgte endlich die neue Vertragsverlängerung von Superstar Vinicius Junior, dem immer wieder Avancen vom FC Arsenal nachgesagt wurden. Über anderthalb Jahre zogen sich die Gespräche mit dem Brasilianer. Nun ist das neue Arbeitspapier bis 2032 fix. Einer der großen Leistungsträger bleibt.

Mit den beiden Personalien steht das Grundgerüst der Real-Offensive für die kommende Saison. Auf dem Papier ist sie beängstigend gut. Auch wenn der neue Real-Trainer José Mourinho schon zu Beginn seiner neuen Amtszeit klarmachte, dass für ihn der Fokus darauf liege, die schwächelnde Defensive zu stabilisieren - vorne muss er die richtige Balance finden. Und hat die Qual der Wahl.

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Neben Vinicius Junior und Diomande, die vor allem über die Flügel mit viel Speed anrauschen, stehen dem Portugiesen noch WM-Torschützenkönig Kylian Mbappé, Arda Güler, Brahim Diaz, Rodrygo, der junge Spanier Carlos Espí, der nach Leihe zurückkehrende Endrick sowie Jude Bellingham im Halbraum zur Verfügung. Da möchte man kein Verteidiger der gegnerischen Mannschaft sein. Im Sommer holte Real zudem neben Offensivmann Bernardo Silva (Manchester City), die Defensivspieler Denzel Dumfries (Inter Mailand), Ibrahima Konaté (FC Liverpool) und Marc Cucurella (FC Chelsea) und untermauerte damit seine Ambitionen auf die Renaissance.

Dreiköpfiges Monster hat viel Speed

Die Stärken des vielköpfigen Offensivmonsters liegen auf der Hand. Hohe Geschwindigkeit, brutales Können im Eins-gegen-Eins, Abschlussstärke. Der Zugang von Leipzigs Flügelstürmer Diomande macht Real dabei noch vielseitiger und gibt dem Team mehr Optionen über die rechte Seite, bisher eher eine Problemstelle. Bei RB erzielte der junge Ivorer 13 Tore und 10 Assists. Nun soll er auch die rechte Spur bei Real noch gefährlicher machen. Dort muss er sich aber auch einem harten Konkurrenzkampf stellen und steht schnell unter Druck. Ein Stammplatz ist ihm nicht gewiss. Für Real steckt in dem Deal auch ein Risiko. Diomande lieferte gute Zahlen ja, allerdings bisher nur über eine ganze Saison, plus eine okaye WM für die Elfenbeinküste (vier Spiele, ein Assist), die aber schon im Sechzehntelfinale gegen Norwegen zu Ende war (1:2).

Die Dreierreihe Vini Junior, Mbappé und Diomande könnte die wohl schnellste in Europa sein. Wer sich gegen diese Kombo einen Konter fängt, kann gar nicht so schnell gucken, wie es hinten brenzlig wird. Spannend wird sein, wie Mourinho die vielen Offensivoptionen auf dem Platz balancieren kann. Wer wann welche Räume besetzt. Bislang kippte das Spiel der Madrilenen meist über die linke Seite ab, wo sich vor allem Vinicius Jr. und Mbappé sehr gerne aufhalten. Hier soll Diomande ein Gegengewicht aufbauen.

Problematisch ist zuweilen auch die Defensivarbeit der Offensiv-Fachkräfte. Besonders Vini Junior und Mbappé sind nicht die besten oder aktivsten Spieler im Gegenpressing. Zudem: Einen richtigen Vollblut-Neuner hat Real Madrid weiter nicht.

Aus dem Überangebot in der Offensive muss womöglich noch der ein oder andere weichen oder per Leihe verschifft werden. Ein Kandidat wäre zum Beispiel Rodrygo. Der junge argentinische Stürmer Franco Mastantuono wurde bereits nach Florenz verliehen.

Die Hauptaufgabe für Mourinho, das Team und Diomande ist klar: wieder Titel gewinnen. In der vergangenen Saison blieben die Königlichen wie schon in der Saison davor ohne großen Titel, eine Schmach für den stolzen Klub und die Fans.

Leicht wird das allerdings nicht. In der Liga war zuletzt der FC Barcelona zu stark. Und ausgerechnet die Katalanen sollen Real nun den spanischen Weltmeister Rodri vor der Nase wegschnappen. Eine herbe Schlappe auf dem Nebenkriegsschauplatz namens Transfermarkt droht. Der Mittelfeldstratege der Furia Roja hat sich zwar laut seines Beraters für das Team von Hansi Flick entschieden. Aber sein bisheriger Arbeitgeber Manchester City hat Berichten zufolge das erste Angebot noch abgeblockt. Zuletzt hatte auch Real tüchtig an einem Transfer gearbeitet, es wäre ein extremes Upgrade fürs Mittelfeld gewesen, das auch die Defensivarbeit nach Mourinhos Vorstellungen verstärkt hätte.

Barça fehlt Lewandowski

Dafür hat Barça in der Offensive einen namhaften Abgang zu verzeichnen. Das Kapitel von Robert Lewandowski in Barcelona ist beendet, der Pole spielt inzwischen für Chicago Fire in der MLS. Für Tore und Assists sollen dort nun der Ex-Dortmunder Karim Adeyemi und der englische Nationalspieler Anthony Gordon sorgen. Beide sind über den Sommer zum Team gestoßen. Allein: Eine brutale Quote wie Lewandowski können sie beide nicht vorweisen. Auch wenn diese bei dem Ex-Bayern-Stürmer im letzten Jahr etwas zurückging und er mehr und mehr als Backup von Flick eingesetzt wurde. Mit Raphinha sowie den Weltmeistern wie Lamine Yamal und Ferran Torres (Wechsel zu PSG steht im Raum) ist aber auch Barça im Sturm bestens besetzt.

Neben der Meisterschaft will Real auch wieder in der Champions League angreifen, der 16. Titel soll her. Neben Barça, dem FC Bayern und englischen Anwärtern wie Arsenal dürfte vor allem auch Paris Saint-Germain einer der Hauptgegner sein.

Auch der doppelte Champions-League-Sieger PSG wartet mit einer gut geölten Offensivmaschine auf. Im Hinblick auf Tempo müssen sich Ousmane Dembélé, Bradley Barcola und Désiré Doué nicht verstecken. Mit Khvicha Kvaratskhelia haben sie im Zentrum einen echten Vollstrecker in ihren Reihen. Mbappé und Co. mögen individuell stärker sein, das PSG-Trio ist aber vielleicht noch variabler als Reals Angriff, auch die Defensivarbeit funktionierte bislang besser als bei den Madrilenen.

Auch um dieses Problem zu lösen, haben sie Mourinho zurück ins Bernabeu geholt. Um der Show der Stars in einer der größten Manegen der Welt Einhalt zu gebieten. Es ist auch ein Experiment, ob der exzentrische Mourinho der Richtige ist, um Exzentriker wie Vinicius Jr. und Co zu zähmen. Immerhin neue, strengere Regeln hat Mourinho schon mitgebracht. Große Namen auf dem Papier gewinnen allein noch keine Titel in Serie, fragen Sie mal bei den "Galacticos" nach. Trotz Superstar-Ansammlung um Zinédine Zidane, Ronaldo und David Beckham blieb Real damals oft hinter den gigantischen Titel-Ansprüchen zurück.

Verwendete Quelle: ntv.de