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Mag es ihm auch noch so "scheißegal" sein - dieses Gegentor wird Ron-Robert Zieler so schnell nicht wieder los.
Mag es ihm auch noch so "scheißegal" sein - dieses Gegentor wird Ron-Robert Zieler so schnell nicht wieder los.(Foto: imago/Sportfoto Rudel)
Sonntag, 30. September 2018

Die Regel zum VfB-Slapstick: Zieler patzt sich ins Kuriositäten-Kabinett

Der VfB Stuttgart taumelt in der Fußball-Bundesliga zum ersten Saisonsieg. Gegen zehn überlegene Bremer hält Keeper Zieler nach eigenem Ermessen "sehr, sehr gut". Obwohl er es ist, der mit dem wohl kuriosesten Eigentor des Jahres den Sieg ins Wanken bringt.

Ron-Robert Zieler war bestens gelaunt. Kein Wunder. Endlich war dem VfB Stuttgart der erste Sieg in dieser Saison gelungen, der Torhüter hatte dabei, wie er behauptete, "sehr, sehr gut gehalten" - vor allem aber musste er sich nach dem spektakulären wie kuriosen 2:1 (1:0) gegen Werder Bremen nicht mehr grämen, an einem irrwitzigen Eigentor beteiligt gewesen zu sein.

"Das war", betonte Zieler, "ein Sieg des Willens". Es war ein Sieg, der im Ländle erst einmal für ein bisschen Ruhe sorgen dürfte. Es war ein Sieg, nach dem Sportvorstand Michael Reschke zur Jobsicherheit von Tayfun Korkut beteuerte: "Es gibt keine Trainerdiskussion bei uns." Viel fehlte allerdings nicht, und Zieler hätte nach dem Spiel ähnlich belämmert dreingeschaut wie in der 68. Minute: Der Torhüter richtete gerade seine Stutzen und rechnete erkennbar nicht damit, dass ihm sein Teamkollege Borna Sosa einen Einwurf "so schnell und präzise" zuwarf. Sekunden später trudelt der Ball in Zielers Kasten, der Treffer zählt, Bremen gleicht aus.

Statt Eckball plötzlich 1:1

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In den "Spielregeln" des Deutschen Fußball-Bundes ist die ganze Angelegenheit auf Seite 90 unter "Regel 15 Einwurf" klar formuliert: "Aus einem Einwurf kann nicht direkt ein Tor erzielt werden", steht dort, und weiter: "Wenn der Ball ins Tor der einwerfenden Mannschaft geht, wird auf Eckstoß entschieden."

An diese Regel, sofern er sie denn kannte, hat Zieler am Samstagnachmittag nicht gedacht. Er regierte viel zu spät auf den heranfliegenden Einwurf. Was dann folgte, war Slapstick: Zieler versuchte, den Ball wegzuschlagen, er streifte ihn allerdings nur leicht - prompt kullerte die Kugel ohne entscheidende Änderung ihrer Flugbahn weiter in das Stuttgarter Tor. Ohne die Berührung von Zieler hätte es Eckball gegeben. So stand es plötzlich 1:1.

"So ein Ding will man nicht, aber es ist passiert", sagte Zieler, und "weil es gut gegangen ist, ist alles okay." Sportvorstand Michael Reschke wollte Zieler hinterher allerdings nicht aus der Verantwortung für den Ausgleich entlassen: "Es gibt keinen Grund, dass der Torwart nicht aufmerksam ist. Schmunzeln kann man über die Szene trotz des Sieges nicht, das wird auch Ron so sehen." Beim Bezahlsender Sky antwortete Zieler auf die Schuldfrage: "Das ist mir scheißegal. Das klären wir intern." So wie Jean-Marie Pfaff auch nach Jahrzehnten noch mit dem Einwurfgegentor in seinem ersten Spiel für Bayern München von Werder Bremens Uwe Reinders aus dem Jahr 1982 in Verbindung gebracht wird, so wird die Szene untrennbar mit Zieler verbunden bleiben.

Teuer erkaufter Sieg

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Dass es nochmal gut ging, verdankte der Torwart, der bis dahin in der Tat prächtig gehalten hatte, Gonzalo Castro, der in der 75. Minute den zweiten Heimtreffer des VfB in dieser Saison erzielte. Der erste war dem starken Anastasios Donis (19.) nach einem Zauberpass von Daniel Didavi gelungen. "Dieser Sieg ist unglaublich wichtig", sagte Sportvorstand Reschke.

Trainer Korkut lobte hernach die Moral seiner Mannschaft. Die spielte nach Gelb-Rot für Bremens Verteidiger Milos Veljkovic (36.) zwar fast eine Stunde lang in Überzahl, doch an diesem Eigentor der Marke Slapstick drohte sie zu zerbrechen. "Da wieder rauszukommen ... da muss ich der Mannschaft schon ein Kompliment machen", sagte Korkut. Mit den Verletzungen von Donis und Dennis Aogo (jeweils Verdacht auf Muskelfaserriss) wurde der Sieg freilich teuer erkauft. Korkut hob zudem hervor, wie mutig seine Mannschaft nach dem Ausgleich weiter nach vorne gespielt habe, dabei immer "mit dem Risiko, das Spiel auch zu verlieren, aber dieses Risiko mussten und wollten wir gehen". Die Folge war in den letzten Minuten eine wahre Flut an Chancen für die Stuttgarter - wie sie allen voran Nicolas Gonzalez vergab, war zum Haareraufen.

"Ich habe mir ein paar ausgerissen", sagte Reschke im Scherz und betonte: Dieser Sieg werde "einen unglaublichen Schub geben". Den Bremern wiederum sollte die Niederlage keinen Knacks geben. Sie waren überlegen, selbst in Unterzahl besser und nah dran am Sieg, nur: Ihr Mut wurde nicht belohnt. Maximilian Eggestein (58.) und Claudio Pizarro (73.) etwa trafen nur den Pfosten.

Trainer Florian Kohfeldt bescheinigte seinem Team eine "überragende Auswärtsleistung" und ergänzte: "Es war eine unglückliche und aus meiner Sicht auch unverdiente Niederlage." Widerspruch erhob sich berechtigterweise nicht. Selbst der Stuttgarter Kapitän Christian Gentner räumte ein, dass es "sicherlich selten" sei, ein solches Spiel zu gewinnen. "Wir waren schlecht", sagte er, "und das Groteske ist, dass wir drei Punkte haben." Aber: Nichts anderes zählt.

Quelle: n-tv.de