Frauenfussball

Oft nicht "so ernst genommen" Schult legt sich mit DFB, Fifa und Uefa an

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Grenzenloser Jubel in Köln: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg (hier Torhüterin Almuth Schult mit dem Pokal) feiern den fünften Pokal-Sieg in Folge.

(Foto: imago images / Nordphoto)

Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg feiern den fünften Pokalsieg in Serie und bestätigen ihre nationale Dominanz. Stolz verlassen auch die knapp unterlegenen Freiburgerinnen die Finalstadt Köln. Doch die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult legt sich mit den Verbänden an. Und hat gute Argumente.

Als fast alles gesagt war, meldete sich plötzlich eine weibliche Stimme aus dem Hintergrund. "Herr Lerch, wie ist denn der weitere Abend geplant?", lautete die Frage an den Wolfsburger Fußballtrainer Stephan Lerch. Der 34 Jahre alte Ex-Profi blieb erstaunlich cool, als er nach dem 1:0 (0:0) seines VfL im DFB-Pokalfinale der Frauen gegen den SC Freiburg am Ende der Pressekonferenz seine Torhüterin Almuth Schult als "Journalistin" erkannte. Die Nationalkeeperin hielt lässig eine halbleere Bierflasche in der Hand. "Die Frage habe ich schon beantwortet", sagte Lerch. "Wir wollen auf jeden Fall die Meisterschaft klarmachen. Meine Spielerinnen sind Profis. Sie wissen, dass Sonntag ein wichtiges Spiel ist."

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Nichts war es also mit einem Freibrief für die Pokalheldinnen für eine Dauerparty oder eine durchgezechte Nacht in Köln. Standesgemäß gefeiert werden soll erst nach dem mutmaßlichen nächsten Titelgewinn. Sollte das Team um Schult und die schwedische Anführerin Nilla Fischer, die zuvor jubelnd die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte Silbertrophäe in den Himmel gereckt hatte, am Sonntag das Spiel bei der TSG Hoffenheim gewinnen, wäre das Double schon eine Woche vor dem Bundesliga-Finale perfekt.

Natürlich sollten die Spielerinnen "den Moment genießen und feiern", ergänzte Lerch. "Das ist in Ordnung, aber alles im Rahmen. Es sollte nicht ausufern!" Schließlich hatten die Titeljägerinnen "am Tag der Arbeit" richtig malochen müssen, ehe der mutige und lange ebenbürtige Außenseiter in die Knie gezwungen war. "Freiburg hat es sehr gut gemacht, Kompliment", lobte Lerch. Nicht zuletzt deshalb herrsche beim VfL nun "große Erleichterung". Auch Alexandra Popp gestand: "Es war ein Kampf."

"Musste nur den Fuß hinhalten"

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Der entscheidende Treffer vor 17.000 Fans zum fünften Pokalcoup hintereinander - dem sechsten insgesamt - gelang Torjägerin Ewa Pajor in der 55. Minute, als sie nach einem Pfostenschuss der Dänin Pernille Harder abstaubte. "Ich musste nur den Fuß hinhalten", so die Polin. "Wir dürfen jetzt ein bisschen feiern, haben aber schon das wichtige Spiel am Wochenende im Kopf." Fast ebenso gut gelaunt war Jens Scheuer. Der Freiburger Trainer hatte sein personell geschwächtes Team glänzend eingestellt. Lange lag die Sensation in der Luft. "Für uns war der erste Finaleinzug schon ein Erfolg", befand der 40-Jährige. "Wie wir uns präsentiert haben, war Werbung für den Frauenfußball. Ich bin glücklich, mit dieser Mannschaft zusammenzuarbeiten."

Zur nächsten Saison allerdings wechselt Scheuer - wie schon viele SC-Spielerinnen in den vergangenen Jahren - zum Ligarivalen Bayern München. Zuvor stehen aber noch Feierlichkeiten an. Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn, der das Spiel auf der Tribüne verfolgte, lud die Mannschaft zu einem Empfang an diesem Freitag ein. Um 15.30 Uhr wird sich das Team auf dem Rathausbalkon präsentieren und mit den Fans feiern. So traten Stürmerin Sandra Starke und Spielführerin Clara Schöne trotz der Niederlage die Heimreise ins Breisgau zufrieden an. "Jeder träumt davon, so etwas mitzuerleben", sagte Starke. Und Schöne war "mega-stolz" auf ihr Team.

Frauenfußball wird nicht "ernst genommen"

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Erkennt eine mangelhafte Wertschätzung für den Frauenfußball: Wolfsburgs Torhüterin Almuth Schult.

(Foto: imago images / foto2press)

Die glückselige Stimmung dämpfte allerdings Nationalkeeperin Schult ein wenig, indem sie ihre kürzlich im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geäußerte Kritik an den Verbänden DFB, Fifa und Uefa erneuerte. Im Kern beklagt die 28-Jährige den noch immer vorhandenen Mangel an Wertschätzung für den Frauenfußball, die fehlende Gleichberechtigung und den im Vergleich zu anderen europäischen Nationen wie England, Spanien oder Italien hierzulande gegenläufigen Trend bei den Zuschauerzahlen. 17.000 Zuschauer beim Pokalfinale seien eine "tolle Kulisse", betonte Schult. Gleichwohl werde der Frauenfußball oft nicht "so ernst genommen". Als Beispiel nannte sie eine mehr als ärgerliche Terminierung, die Fifa und Uefa zu verantworten haben: So musste das WM-Auftaktmatch der deutschen Frauen in Rennes am 8. Juni gegen China auf die unattraktive Anstoßzeit 15 Uhr vorverlegt werden. Grund: Am selben Tag steigt ab 20.45 Uhr das EM-Qualifikationsspiel der DFB-Männer in Weißrussland. "Es ist traurig, dass es so ist."

Quelle: n-tv.de, dbe, dpa

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