Schräge Mannschaftsbilder

Als der FC Bayern zum Saisonstart noch auf Lastwagen stieg

Ben-RedelingsVon Ben Redelings
Bildnummer-00164891-Datum-15-07-1979-Copyright-imago-Frinke-Mannschaftsbild-Bayern-Muenchen-1979-1980-auf-einem-LKW-des-Sponsors-Magirus-Deutz-vorn-v-li-Norbert-Janzon-Alfred-Steinkirchner-Peter-Gruber-Branco-Oblak-Wilhelm-Reisinger-2-Reihe-Trainer-Pal-Csernai-Walter-Junghans-Klaus-Augenthaler-Udo-Horsmann-Kurt-Niedermayer-Hans-Georg-Schwarzenbeck-3-Reihe-Hans-Weiner-Dieter-Hoeness-oben-Paul-Breitner-Karl-Heinz-Rummenigge-Wolfgang-Dremmler-Bernd-Duernberger-Wolfgang-Kraus-Mannschaftsfoto-Kader-Vorstellung-Praesentation-Pressetermin-quer-vdia-Karlheinz-Branko-Fussball-1
Für das Mannschaftsbild steigen die Spieler des FC Bayern 1979/1980 auf einen LKW des Sponsors.
00:00 / 06:31
22.08.2026 | 07:46 Uhr
Zum Saisonbeginn präsentierten sich die Klubs den Fotografen früher gerne in abenteuerlichen Posen, um sich gemeinsam mit ihren Sponsoren ins rechte Licht zu rücken. Manchmal ging das allerdings auch schief.

Als sich die Spieler des FC Watford Anfang der 80er-Jahre mit ihrem Boss zum Mannschaftsfoto aufstellten, ging es lauter und lustiger zu als in all den Jahren zuvor. Kaum verwunderlich! Denn der Klubbesitzer war niemand Geringeres als der exzentrische englische Popstar Elton John. Schon einige Jahre vorher hatte er den Provinzklub übernommen und ihn in kürzester Zeit mit viel Geld aus der vierten englischen Division in die erste Liga geführt.

Zu seiner ersten Sitzung als neuer Präsident war Elton John mit rosa gefärbten Haaren und auf zwanzig Zentimeter hohen Plateau-Absätzen erschienen. Sieben Jahre später sah er mit Tränen in den Augen, wie sein Verein die englische Vizemeisterschaft errang. Geschickt verknüpfte der Popstar damals sein Leben als Musiker und als beliebter Klubbesitzer miteinander. Auf dem 1978 erschienenen Album "A Single Man" singen Spieler seines FC Watford beim Titelsong mit.

Der Tag, als er mit seinem Team auf dem Rasen herrlich unbekümmerte Fotos schoss, muss ein ganz besonderer für Elton John gewesen sein. Denn schon immer war er ein echter Fan seines Vereins gewesen, wie er einmal erzählte: "Mein Vater hat mich damals mit zu den Spielen von Watford genommen, weil sie unser Heimteam waren. Da war ich sechs oder sieben. Ich habe mich in das gesamte Erlebnis verliebt. Und das ist es. Du kannst deinen Verein nicht ablegen, er ist in deinem Blut und in deinen Knochen - auch wenn er absolute Scheiße spielt." Heute ist in Watford eine Tribüne ("The Sir Elton John Stand") nach ihm benannt. Was will man als Anhänger eines Klubs mehr?

Männer, die auf LKW steigen

Doch als Teameigner hatte der Musiker damals natürlich auch die Finanzen des Vereins im Blick. Und so setzte sich Elton John für ein Bild für den Trikotsponsor in das Führerhaus einer LKW-Zugmaschine. Die Mannschaft stellte sich amüsiert dahinter auf das Fahrzeug. Ein absoluter Klassiker der damaligen Zeit, denn auch der FC Bayern München platzierte sich zur Saison 1979/80 auf einem LKW. Legendär wie Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge oben auf dem Dach des Fahrzeugs ihres Sponsors sitzen. Zehn Jahre später verkleidete sich dann Trainer Jupp Heynckes für ein Nostalgiefoto mit Oldtimer zum 100-Jährigen des Trikotpartners mit Frack und Melone.

Anzeige

Ein Tor würde dem Spiel guttun: Das ultimative Buch der Fussball-Wahrheiten
18
16,90 €

Dass sich die Sponsoren gerade auch bei den Mannschaftsfotos zum Saisonstart gerne entsprechend ins rechte Licht setzen lassen wollen, ist im Fußball seit jeher üblich. So präsentierte sich der 1. Nürnberg in der Spielzeit 1986/87 zu Ehren einer Brauerei zünftig mit Pferd und Kutsche. Unter dem Bild stand später: "Trainer Heinz Höher hat die Zügel fest im Griff. Hier lenkt er die Bierkutsche des Brustsponsors."

Auf Schalke stellt man sich schon immer gerne vor den Förderturm der ehemaligen Zeche Consolidation, um den aktuellen Sponsor mit Ruhrgebietskolorit zu feiern. Als man dies für einen großen Gaskonzern im Jahr 2013 mit übergroßen Buchstaben inmitten der Mannschaft tat, schienen die Spieler allerdings nicht gerade begeistert, wie der Fotograf später vermerkte: "Die Fußballprofis müssen ein fast einstündiges Fotoshooting über sich ergehen lassen - mit verschiedenen Gruppenbildern für die Sponsoren."

Oldtimer, LKW oder Bierkutschen sind allerdings noch nichts gegen die irre Idee, die zur Saison 1995/96 der neue Hauptsponsor des KFC Uerdingen hatte. Hinter der aufgereihten Mannschaft des damaligen Bundesligisten schwebte nämlich ein Hubschrauber - und darin saß, gut zu sehen, das Ehepaar Grupp vom bekannten Textilunternehmen aus Burladingen auf der Schwäbischen Alb. Es ist eines der legendärsten und stimmungsvollsten Mannschaftsbilder der Bundesliga-Geschichte - nicht nur wegen der zerzausten Haare einiger Profis, sondern auch wegen der vielen lächelnden Gesichter auf dem Bild. Das Foto sorgte auf jeden Fall für eine Menge Aufmerksamkeit.

Zum Autor

Über mangelndes Interesse konnte sich der Duisburger Bezirksligist VfvB Ruhrort/Laar im Jahr 2008 ebenfalls nicht beschweren. "Unser Trikotsponsor hat sich zumindest gefreut", meinte ein Kluboffizieller leicht zerknirscht und mit einem Hauch von Zynismus nach einer unglaublichen Geschichte, die damals bundesweit viral ging und für Furore sorgte. Nicht wenige Fußballfans werden sich sicherlich auch heute noch daran erinnern, dass sie damals beim Öffnen des Postfachs eine Mail mit einem Zeitungsartikel und einem Smiley erhalten haben. Doch was ist im Sommer 2008 genau passiert?

Skandalträchtiger Aussetzer

Auf dem offiziellen Mannschaftsfoto hatte ein Spieler, auf der unteren Bank sitzend, seine Hose ein Stück nach oben geschoben, genauso weit, dass man nun auf dem Bild, das ein paar Tage später im Sportteil der regionalen Zeitung erschien, sein bestes Stück in voller Pracht bewundern konnte. Den Gesichtsausdruck des 23-Jährigen konnte man schlecht deuten, aber der Torjäger schaute bei seinem skandalträchtigen Aussetzer auf jeden Fall mit beiden Augen direkt in die Kamera. Den Satz seines damaligen Abteilungsleiters konnte man durchaus als doppeldeutig bezeichnen: "Er hat sich einen kleinen Spaß erlaubt, es hat ja auch kaum jemand gesehen."

Video poster
1:38

BVB-Boss schickt erste Kampfansage an Bayern

Trotz der bundesweiten Erregung wollte man den Stürmer damals allerdings nicht rausschmeißen, schließlich hatte er in der Saison zuvor 15 Tore geschossen. Und es hätten noch mehr sein können, "wären ihm nicht die Platzverweise dazwischengekommen", wie die Zeitung berichtete. Sein Aussetzer auf dem Mannschaftsbild war also nicht sein erster Fauxpas, wie auch sein Trainer anmerkte: "Er ist enorm wichtig für die Mannschaft und kann ein Spiel entscheiden, muss aber unbedingt an seiner Disziplin arbeiten."

Sein Coach hatte damals übrigens die ganze Aufregung um das Foto nicht ganz verstanden. Kein Wunder. Schließlich handelte es sich dabei um den Ex-Profi Gregor Grillemeier, der in seiner Karriere 149 Bundesligaspiele und 147 Zweitligapartien bestritten hat - und natürlich (fast) alles im Profifußball schon erlebt hatte. Vielleicht nicht unbedingt so ein krasses Ding wie mit seinem damaligen, zeigefreudigen Stürmer, aber immerhin hatte auch Grillemeier schon mit einem Reisebus auf einer Tartanbahn sitzend dem aktuellen Sponsor einiges an Aufmerksamkeit verschafft.

Verwendete Quelle: ntv.de