Fußball-WM 2018

Das DFB-Desaster im Schnellcheck #zsmmnbrch

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Mesut Özil und seine deutsche Weltmeister haben fertig.

(Foto: dpa)

Deutschland fliegt nach der Vorrunde aus der Fußball-WM. Der Fluch des Titels erwischt nach Italien 2010 und Spanien 2014 jetzt auch die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw. Sie verdient es sich mit der dritten Nicht-Leistung im Turnier.

Was ist in der Kasan-Arena passiert?

Der 270 Minuten schmerzende Weltmeisterschafts-Krampf der deutschen Fußballer ist gelöst. Nach dem "Fiasko Mexicana" und dem spät bekömmlichen "Schweden-Happen" gibt's im dritten Gruppenspiel die "Kimchi-Katastrophe" (0:2). Eine deutsche Nationalmannschaft scheidet zum ersten Mal in der Geschichte in der Vorrunde aus. Wer jetzt noch Kraft hat, bitte schön ...

Den Spielbericht (wenn Sie ihn wirklich noch lesen wollen) finden Sie hier!

Teams & Tore

Deutschland: Neuer - Kimmich, Hummels, Süle, Hector (78. Brandt) - Khedira (58. Gomez), Kroos - Reus, Goretzka (63. Müller), Özil - Werner; Trainer: Löw.
Südkorea: Cho - Y. Lee, H.-S. Jang, Y.-G. Kim, Hong - Koo (56. H.-c. Hwang), Jung - Moon (69. S.-j. Ju), Yun - J.-S. Lee - Son; Trainer: Shin.
Tore: 0:1 Kim (90.+3), 0:2 Son (90.+6)
Schiedsrichter:
Geiger (USA)
Zuschauer: 41.835 (Kasan-Arena)

Das totale Desaster im Spielfilm

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Manuel Neuer zwingt sich zu einer Manuel-Neuer-Parade.

(Foto: REUTERS)

19. Minute: Manuel Neuer zwingt sich zu einer Manuel-Neuer-Parade, nachdem Manuel Neuer zuvor ein nicht besonders frech geschossenen Freistoß von Woo-young Jung so über die Finger geflutscht war, wie Manuel Neuer ein Ball nie durch durch die Finger flutschen würde. Klar soweit?
25. Minute: Manuel Neuer braucht keine Manuel-Neuer-Parade, atmet aber trotzdem tief durch. Mats Hummels und Niklas Süle legen den Ball prächtig für Heung-min Son auf, der fackelt, nicht um einsfuffzich verlegen, sofort drauf los, brennt den Ball aber knapp übers deutsche Lattenkreuz.
HALBZEITPAUSE: Manuel Neuer fragt energisch: "Was ist los mit euch Jungs" - Oh, war die Cola-Werbung.
47. Minute: Leon Goretzka steht plötzlich frei, wie das Bergbaumuseum neben der Bochumer Innenstadt, sein Kopfball ist prima, aber noch mehr prima ist die Parade vom koreanischen Posterboy Hyun-woo Cho.
51. Minute: Schweden führt, Deutschland ist raus - und Timo Werner haut den Ball aus acht Metern vor Schreck neben den Pfosten. #발 흔들림
62. Minute: Toni Kroos schießt aus der Distanz (sehr gute Idee), trifft aber in Abwesenheit der sonst anwesenden hunderttausend koreanischen Abwehrbeine nur Goretzka (schlechte Ausführung).
87. Minute: Mesut Özil nagelt mit seiner besten Aktion eine Spitzenflanke auf Hummels an den Fünfmeterraum - der aber verwechselt in der drohenden Debakel-Panik seinen Kopf mit der Schulter. Der Abschluss ist zwar dennoch wuchtig, aber knapp daneben.
93. Minute, TOOOOOOOORRRRRR FÜR SÜDKOREA, 0:1 KIM: Und schon wieder Toni Kroos in der Nachspielzeit! Diesmal spitzelt er den Ball im Strafraum zu Young-gwon Kim. Ruummms. Drin. Schock.
96. Minute, TOOOOOOOORRRRRR FÜR SÜDKOREA, 0:2 SON: Neuer draußen, Ball drinnen. Son sprintet aufs leere Tor zu, kein Problem.

Was war gut?

Eine erste Halbzeit ohne Gegentor.

Was war nicht gut?

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Benjamin Blümchen, hier mit Bibi Blocksberg, ist für seine gute Laune und seine Hilfsbereitschaft bekannt, nicht aber für sein feuriges Temperament.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Obacht, Sie sind im aktuellen Schnellcheck von n-tv.de, auch wenn sich das, was Sie hier lesen wie schon hundertmal gehört klingt: Die ersten 45 Minuten waren so feurig wie Benjamin Blümchen beim Lambada, die zweite Halbzeit knirschte wie die Gelenke von Ötzi. ZDF-Mann Béla Réthy sah sich gleich mehrfach in der Not, den gelangweilten TV-Zuschauern zu erklären, dass es sich bei den gezeigten Szenen um Echtzeitbilder handelt. Die deutschen Mühen waren behäbig, träge und ideenlos wie Länderspiele Ende der 90er-Jahre. Pass-Monster Toni Kroos leitete zwar 114 Pässe an seine Kollegen weiter - seiner Zählart nach damit 286 weniger als gegen Schweden - ein cleverer Einfall war indes nicht ebenso wenig dabei, wie ein fataler Fehler. Und das die Statistik-Experten der Fifa Deutschland 26 Torschüsse ins Fleiß-Heftchen schrieben, nennt man wohl Weltmeister-Bonus.

Wer fiel in der deutschen Mannschaft auf

Direkt mal Sami Khedira, der verlor nämlich in der 1. Minute mit seinem ersten Kontakt den Ball. Das endete aber nicht in einem "Fiasko Südkoreanico", sondern mit einem Pfiff des Schiedsrichters. Ein Warnschuss für das deutsche Spiel, sich mehr um Fehlervermeidung als um Spieleröffnung zu kümmern. Dabei war gar nicht so schlecht, was passierte, wenn die Mannschaft den Gegner mal aggressiv anlief. In der 14. Minute attackierte Überraschungsmann Goretzka früh, gewann den Ball, vertändelte ihn dann zur Ecke. Das deutsche Spiel war so aufregend wie Wäsche aufhängen, so zittrig wie ein Fisch am Haken. Selbst Manuel Neuer wackelte einmal wie ein Lämmerschwanz. Nur Hummels und Süle erledigten ihre Aufgaben gegen die pfeilschnellen Koreaner souverän. Der bislang so starke Reus? Angesteckt von der Lethargie der anderen. Özil? Ängstlich - mit aber drei starken Momenten. Kroos? Kaum wahrnehmbar.

Das neue Hobby des Bundestrainers

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Thomas Müller durfte erstmals seit 2010 nicht in einem WM-Spiel ran, wenn er einsatzbereit war.

(Foto: dpa)

Das Hitzfeld'sche R O T I E R E N - sprach unser WM-Experte Uli Borowka nach dem Hattrick-Wechselspiel gegen Schweden noch von einem mittelschweren Aufstellungsbeben in der Ära Löw, so löste sich nun ein Tsunami: Fünf Neue spülte die Wechselwelle in die deutsche Startelf, dafür unter anderem "Müller-spielt-immer" und "Übersteiger-Übersteiger-Übersteiger-oh-Ball-Weg-"Draxler raus: Hummels (wieder fit, also gesetzt), Süle (muss spielen, weil Abwehr-Kaiser Jérôme Boateng nicht darf und Antonio Rüdiger sich als Alternative verwackelte), Khedira (hatte genug Zeit sein schwächstes DFB-Spiel, gegen Mexiko, zu verarbeiten, außerdem hat Sebastian Rudy Nase), Özil (Nibelungentreue wieder eingesetzt) und Confed-Cup-Sieger-Leader Goretzka (wusste die "Bild" ja bereits nach dem Geheimtraining). Mit dem galt Deutschland in Pflichtspielen übrigens nicht zu schlagen. Vor dem Anpfiff gegen Südkorea lautete seine fantastische Bilanz: acht Siege und ein Remis (1:1 in der Confed-Cup-Vorrunde gegen Chile). Bis auf Matthias Ginter hat der Bundestrainer sein komplettes Feldspieler-Potenzial vortanzen lassen.

Wie war der Schiedsrichter?

Mit zwei frühen Gelben Karten gegen Woo-Young Jung und Jae-Sung Lee versuchte Mark Geiger, die anfangs manchmal übermäßige Härte der Südkoreaner aus der Partie zu nehmen. Das zeigte Wirkung, die Asiaten hielten sich fortan merklich zurück. Der amerikanische Referee hatte das Spiel unter Kontrolle und bis zur Nachspielzeit nur wenige Herausforderungen zu meistern, wie unser Schiedsrichter-Experte Alex Feuerherdt von "Collinas Erben" urteilt. Als Lee in der 43. Minute im eigenen Strafraum auf den Knöchel von Jonas Hector trat, erkannte der Unparteiische nicht auf Strafstoß, sondern auf Foulspiel des deutschen Linksverteidigers - weil dieser dem Südkoreaner im gleichen Moment ein Bein gestellt hatte. Eine grenzwertige, gerade noch vertretbare Entscheidung. Die Gelbe Karte gegen Heung-Min Song wegen einer vermeintlichen Schwalbe war sehr hart, einen Körperkontakt von Marco Reus hatte es durchaus gegeben. Als Südkorea in der Nachspielzeit das 1:0 erzielte, entschied Geiger zunächst im Verbund mit seinem Assistenten an der Seitenlinie auf Abseits. Der Video-Assistent schaltete sich jedoch ein, und nach Ansicht der Bilder in der Review Area erkannte der Schiedsrichter den Treffer doch noch an. Zu Recht, denn der Ball war nicht von einem Südkoreaner zum im Abseits befindlichen Torschützen Young-Gwon Kim gespielt worden, sondern von Toni Kroos. Damit war das Abseits aufgehoben. Eine gute Leistung des Unparteiischen, dem im entscheidenden Moment die technische Hilfe aus Moskau zugute kam.

Und wie war's im Stadion?

Abgesehen vom Spiel ganz gut, berichtet unser Reporter Stefan Giannakoulis. Und es drängte sich mit zunehmender Spielzeit der Eindruck auf, dass diejenigen unter den 41.835 Zuschauer in der Kasan-Arena, die es ursprünglich mit keiner der beiden Mannschaften hielten, ins Lager der Südkoreaner überliefen. Die deutschen Fans hingegen wurden gerade in der zweiten Halbzeit von Minute zu Minute stiller. Angesichts der ebenso zunehmenden Hilflosigkeit ihres Lieblingsteams auf dem Rasen war das allerdings keine Überraschung. Immerhin konnten sie sich freuen, in einer der schönsten Städte Russlands gelandet zu sein. Da empfiehlt sich doch für den heutigen Abend ein kleiner Spaziergang hinauf auf den Kasaner Kreml - und anschließend eine gutes Essen in einem der netten Restaurants an der Bauman Straße, der Fußgängerzone der Stadt. Wichtig dabei: Hauptsache nichts mit Fußball.

Der Tweet zum Spiel

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Quelle: n-tv.de

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