Teams in allen großen Ligen

Der mächtigste Mann der Sportwelt

imageVon Marcus Blumberg
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Stan Kroenke (r.) hält nun Teams an fünf großen Sportligen. (Foto: IMAGO/Craig Mercer)
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06.09.2026 | 09:36 Uhr
Als ob er nicht ohnehin schon einer der mächtigsten Menschen der Sportwelt war, setzt er nun noch einen drauf. Stan Kroenke kauft die Los Angeles Angels für eine Rekordsumme und hat nun wirklich in allen großen Ligen der Sportwelt ein Team. Sein Einfluss geht jedoch weit darüber hinaus.

Für die stolze Summe von vier Milliarden US-Dollar gehen die Los Angeles Angels, immerhin Meister der Saison 2002 im Baseball, von Arte Moreno und Familie an Stan Kroenke. Für ein MLB-Team ist das ein neuer Rekordverkaufspreis, nachdem vor wenigen Monaten erst die San Diego Padres für 3,9 Milliarden Dollar den Besitzer wechselten. Doch für Stan Kroenke ist es vor allem mal die Komplettierung einer beachtlichen Sammlung.

Kroenke ist in erster Linie ein Immobilienmagnat, der mit seiner Firma Kroenke Sports & Entertainment die Mehrheitsanteile am englischen Fußballmeister Arsenal, dem Frauen-Team Arsenal W.F.C. sowie am NFL-Team der Los Angeles Rams hält. Zudem kontrolliert er auch die Colorado Avalanche aus der NHL, die Denver Nuggets in der NBA, die Colorado Rapids (MLS) sowie das Colorado Mammoth (National Lacrosse League). Technisch gesehen ist allerdings seine Frau Ann Walton Kroenke, eine Erbin des Walmart-Mitbegründers James "Bud" Walton, die Haupteigentümerin der Denver-Teams, um eine NFL-Regel zu umgehen, nach der Teameigner keine Sportteams in designierten Märkten anderer NFL-Klubs kontrollieren dürfen.

Nun kommt mit den Angels auch noch ein MLB-Team dazu, was seine Sammlung an US-Profiligen komplettiert. Doch sein Einfluss geht weit darüber hinaus. Kroenke nämlich ist Wegbereiter der US-Sport-Expansion nach Las Vegas und jemand, der Erfolge förmlich anzieht, auch wenn er auf dem Weg dahin nicht unbedingt überall Freunde gemacht hat.

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Immobilienentwicklung als Grundlage

Zu seinem eigenen Reichtum (sein Vermögen beläuft sich laut Forbes auf rund 24 Milliarden Dollar) kam er durch seine Immobilienentwicklungsgesellschaft Kroenke Group, mit der er zunächst vor allem Shoppingmalls, Wohngebäude und öffentliche Flächen in der Nähe von Walmart-Märkten baute. Später kam dann noch eine weitere Firma mit dem Fokus auf Immobilienentwicklung in Vorstadtsektor dazu, die er Anfang der 90er Jahre in St. Louis gegründet hat. Nachdem seine Frau dann Teile des Vermögens ihres Vaters Mitte der 90er Jahre geerbt hatte, kamen noch zahlreiche Ranches dazu, darunter die Waggoner Ranch in Texas, die die größte Ranch innerhalb einer Umzäunung in den USA ist.

Seinen Einstieg in die Sportwelt hatte er schließlich 1995, als er 30 Prozent der Los Angeles Rams kaufte und maßgeblichen Anteil daran hatte, das Team aus Anaheim nach St. Louis zu versetzen. Als die einstige Haupteignerin Georgia Frountiere verstarb, übernahm er auch den Rest des Teams im Jahr 2010. Und spätestens das war so etwas wie der Startschuss für Kroenkes Großangriff. Denn kurz darauf begann er damit, Unmut über den Zustand des Edward Jones Domes in St. Louis öffentlich zu machen. Das Ziel war klar: Druck machen für ein neues Stadion - aber nicht zwingend in St. Louis.

Vielmehr verfolgte er schon frühzeitig den Plan, die Rams an die Westküste zurückzubringen. Zu der Zeit lag L.A. aus NFL-Sicht brach - wie die Rams waren auch die Raiders Jahrzehnte früher abgewandert. Man hatte den zweitgrößten US-TV-Markt der NBA (Lakers) und MLB (Dodgers) überlassen, während den Football vor allem USC kontrollierte. Die NFL, die damals auf Expansionskurs war, wollte nicht nur eins, sondern zwei Teams in Los Angeles - analog zu New York, dem größten TV-Markt des Landes. Selbst der einstige Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, gelobte einst, zwei Teams in der Stadt unterbringen zu können.

Am Ende gab es gleich drei Teams, die sogar Stadionpläne formulierten und sich um den Umzug bewarben. Kroenke wollte mit den Rams nach Inglewood, wo er bereits Bauland erworben hatte, die Oakland Raiders und San Diego Chargers hingegen favorisierten Carson. Alle drei hatten gemeinsam, dass sie sich über nicht mehr zeitgemäße und damit profitable Stadien bei ihren Städten beklagten. Kroenke ging noch einen Schritt weiter und erklärte der NFL, dass St. Louis nicht mehr für die NFL als Standort geeignet gewesen sei. Das ging so weit, dass der damalige Bürgermeister der Stadt einen Brief an Commissioner Roger Goodell schickte, in dem er Kroenkes Behauptungen vehement bestritt. Später wurde Kroenke sogar von der Stadt verklagt. Das Ende vom Lied: der Milliardär zahlte für einen Vergleich 790 Millionen Dollar.

Rams-Umzug löst Kettenreaktion aus

Nach Gesprächen unter anderem mit Cowboys-Eigner Jerry Jones, der seit jeher wohl der mächtigste aller NFL-Owner ist, setzte sich Kroenkes Vorschlag durch - mit 30:2 Stimmen der NFL-Teameigner. Den Chargers wurde lediglich das Recht eingeräumt, als Quasi-Untermieter mitzukommen - für die symbolische Pachtsumme von einem Dollar pro Jahr.

Und die Raiders? Die wurden letztlich zu ihrem Glück gezwungen und zogen nach Las Vegas um. Damit ebneten sie zugleich den Weg für den US-Profisport, die Stadt der Sünde zu erobern. Wenn man so will, wäre das nie soweit gekommen - Glücksspiel und Sportwetten galten einst als rotes Tuch für die US-Ligen, man mag es heute kaum glauben! -, hätte sich Kroenke damals nicht durchgesetzt und seinen Palast in Inglewood namens SoFi Stadium gebaut.

Mehr als 15 Milliarden Dollar: Die wertvollsten Teams der NFL

Die NHL bekam in der Folge die Vegas Knights, die NFL die Las Vegas Raiders und Baseball wird Ende des Jahrzehnts mit den Athletics nachziehen. Was die NBA betrifft, sind zwar Expansionspläne immer mal wieder im Gespräch, doch für den Moment begnügt man sich noch mit NBA-Cup-Playoffs und der Summer League.

Doch Kroenke, der stets mit dem gleichen Schema arbeitet, und nicht nur ein Team oder einen Verein kauft, sondern dann auch noch eine entsprechende Arena erbaut - "Forbes" berichtete auch bereits von Plänen, das alte Angel Stadium durch eine neue 2,5 Milliarden teure neue Arena in Orange County zu ersetzen -, steht zudem für außerordentlich großen sportlichen Erfolg. Er wird schon aufgrund der Geschichte mit St. Louis keine Beliebtheitswettbewerbe gewinnen, aber sein Schaffen wird nachhallen. Die Gunners haben dank ihm Emirates Stadium und gewannen jüngst erstmals seit 2004 wieder die Premier League. Die Nuggets gewannen 2023 erstmal die Meisterschaft in der NBA, ein Jahr zuvor krönte sich die Avalanche nach langer Zeit mal wieder zum Stanley-Cup-Sieger und die Rams gewannen zuletzt 2021 - im eigenen SoFi Stadium - den Super Bowl. SoFi wird auch den nächsten Super Bowl am kommenden Valentinstag veranstalten und die Rams gelten als großer Favorit.

Kroenke gehören die Hälfte der Profiteams im lukrativen Denver-Markt, er hält das derzeit beste Team der englischen Premier League, die womöglich nach der NFL die zweitgrößte Sportliga der Welt ist. Ihm gehört das zweitwertvollste Sportteam des Planeten - die Rams (12,7 Milliarden Dollar laut Sportico) - und nun kommen auch noch die Angels aus der MLB dazu. Diese haben zwar seit 2002 nichts mehr gewonnen, doch sind sie eben auch im wertvollen L.A.-Markt zugegen und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sie unter dann wieder stabiler Führung an die alten Glanzzeiten anknüpfen könnten. Kroenkes bisheriges Schaffen lässt kaum einen anderen Schluss zu.

Verwendete Quelle: ntv.de