Alexander Zverev hat sein grandioses Tennis-Jahr 2026 gekrönt. Nach den French Open gewann er auch die US Open. Zverev besiegte im Finale Ben Shelton aus den USA in vier Sätzen - und bedankte sich anschließend vor allem bei seiner Mutter.
Alexander Zverev war am Ziel, endlich am Ziel. Er hatte am Sonntagabend (Ortszeit) in New York soeben die US Open gewonnen, verdient 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2 im Finale gegen den US-Amerikaner Ben Shelton gesiegt. Doch Zverev jubelte nicht. Mehr noch: er zeigte keinerlei Regung.
Kurioses Finale
Andere fallen nach derartigen Triumphen erleichtert und erschöpft auf den Boden oder sacken in die Knie. Sie reißen vor Freude die Hände gen Himmel, den Mund weit auf oder fangen auch schon mal an zu weinen. Zverev hingegen, der sein Service gerade durchgebracht und seinen Matchball verwandelt hatte, machte einfach das, was er in den vorangegangenen 3:33 Stunden dieser Partie schon so oft getan hatte: Er stellte sich im mit rund 24.000 Fans ausverkauften Arthur Ashe Stadium wenige Meter hinter seine Grundlinie und erwartete das nächste Aufschlagspiel seines Gegenübers.
Es dauerte einige Sekunden, bis der 29-Jährige realisierte, dass Shelton keinen Ball mehr spielen wird in diesem Finale. Dass diese US Open 2026 vorbei sind und er nach Boris Becker (1989) nun als zweiter Deutscher das vierte und letzte Grand Slam-Turnier des Jahres gewonnen hatte. "Ich dachte, der Stand war 5:1. Ich wusste, ich hatte ihm zweimal den Aufschlag abgenommen, aber, naja, es war ein langes Match", meinte Zverev später gelassen.

Zverev krönt sich zum US-Open-Champion - und merkt's nicht
"Hätte sofort unterschrieben"
So locker nimmt's wohl nur ein Champion. Jemand, der nach vielen Anläufen endlich fest zur Elite gehört, der ganz oben angekommen ist - und zwar nun zum wiederholten Male. "Wenn mir vor drei Monaten jemand gesagt hätte, dass ich ein Grand Slam-Turnier gewinnen werde, hätte ich sofort unterschrieben. Und jetzt habe ich sogar zwei Titel", betonte der Deutsche.

Wie "modifizierter" Zverev endgültig Weltspitze wurde
2026 war sein Grand Slam-Jahr, sein endgültiger Durchbruch bei den vier wichtigsten Turnieren. Halbfinale Australian Open, Sieg French Open, Finale Wimbledon, Triumph US Open. Niemand war so konstant wie er. "Sascha, Glückwunsch zu diesen vergangenen zwei Wochen. Du bist der vielleicht beste Spieler der Welt in diesem Jahr", meinte Shelton voller Anerkennung.
"Wenn alle gesund sind ..."
Zverev ist nun auch bei den Grand Slams immer vorne dabei - stetig, stabil, zuverlässig. Seine größten Kontrahenten indes fielen in diesem Jahr längere Zeit aus. Carlos Alcaraz fehlte nach seinem Sieg bei den Australian Open seit Mitte April mit einer hartnäckigen Handgelenks-Verletzung. Der Spanier verpasste Paris und Wimbledon und gab in New York nach fast fünfmonatiger Pause ein beeindruckendes Comeback, scheiterte aber im Viertelfinale an Shelton. Der Weltranglisten-Erste, Jannik Sinner aus Italien, hatte Zverev im Endspiel von Wimbledon in vier Sätzen besiegt, musste die US Open jedoch wegen einer Knieverletzung absagen.

Experte erklärt, warum Zverev jetzt die dicken Dinger holt
"Wenn alle gesund sind, ist Jannik uns voraus", meinte Zverev. Doch angesichts der Umstände sehe er sich aktuell "wahrscheinlich als besten Spieler der Welt", so gebürtige Hamburger. Für Zverev war das Finale am Sonntag sein sechstes Grand-Slam-Endspiel - aber es wirkte wie ein ganz normaler Arbeitstag für ihn. Business as usual, obwohl das Gros des Publikums natürlich Shelton zum Sieg brüllen wollte.
Zverev fühlt sich wohl
Zverev ist mittlerweile erfahren, er fühlt sich wohl - auch in einem Grand-Slam-Finale. Kein Gedanke daran, dass er auf den Tag genau vor sechs Jahren, am 13. September 2020, schon einmal hier stand, im größten Tennis-Theater der Welt. Dass er im Endspiel gegen den Österreicher Dominic Thiem die ersten beiden Sätze gewonnen hatte, im fünften Durchgang mit Break vorne lag, zum Matchgewinn aufschlug - und trotzdem noch verlor. Und zwar vor nur wenigen hundert Zuschauern. Mehr waren aufgrund von Corona in der riesigen Arena damals nicht erlaubt.

Irre Zverev-Szene bei US Open sorgt für Lacher
"Ich wünsche mir, dass ich diese Trophäe eines Tages nach Hause holen kann", hatte Zverev damals mit enttäuschter Stimme gesagt. Nun, am 13. September 2026, war dieser lang ersehnte Tag. Sein Triumph sei "ein unglaubliches Gefühl, vor allem nach dem Kummer, den ich hier 2020 hatte", freute sich Zverev.
Kurz vor dem Aus
Dass er sich als an Nummer eins gesetzter Spieler arg ins Turnier mühte, in seinem Auftaktmatch gegen den Italiener Lorenzo Sonego sogar nur zwei Punkte vom Aus entfernt war, interessierte nicht mehr. Nachdem Zverev die ersten beiden Partien jeweils fünf Sätze fürs Weiterkommen brauchte und dabei insgesamt 9:26 Stunden auf dem Hartplatz stand, lief es anschließend beim Mitfavoriten. In den folgenden vier Matches brauchte er im Schnitt nur noch 2:33 Stunden und war nach jeweils drei Sätzen durch.

Zverev ist von Halbfinal-Ansetzung genervt
Von den 128 Spielern, die vor zwei Wochen in diese US Open gestartet waren, ist Zverev der Einzige, der unbesiegt New York wieder verlässt. Der Einzige, der die 21 zum Titel-Triumph notwendigen Sätze gewann. Er bedankte sich anschließend auf dem Platz bei vielen, die zu diesem Erfolg beigetragen hatten. Besonders aber hob Zverev seine Mutter hervor, die er als "der stärkste und wichtigste Mensch" in seinem Leben bezeichnete.
Er erzählte die rührende Geschichte von Irina Zvereva, die einst von einem Hamburger Arzt zu hören bekam, dass ihr vierjähriger Sohn Alexander Diabetes habe, sein Leben deshalb stark beeinflusst und Sport "limitiert sein" werde. Doch seine Mutter habe sich davon nicht abschrecken lassen, so Zverev. Im Gegenteil, sie habe entgegnet, dass ihr Sohn "der Mensch werden kann, der immer er sein will. Ob als Tennisspieler oder etwas anderes."
Lob für Transparenz
Jetzt ist ihr Sohn zweimaliger Grand-Slam-Sieger. Zverev muss während der Spiele regelmäßig seinen Blutzuckerspiegel messen und sich spritzen. Doch er macht dies bei den Seitenwechseln so selbstverständlich, wie er einen Schluck aus der Wasserflasche nimmt oder sich den Schweiß von der Stirn wischt. Beim übertragenden US-Sender ESPN wurde Zverevs Diabetes häufiger angesprochen.
Es wurde sogar in der Liveübertragung gezeigt, wie er sich Insulin spritzt. Die Kommentatoren John McEnroe und Andy Roddick lobten ihn für diese Transparenz. "Diabetes definiert uns nicht", habe seine Mutter einst betont, sagte Zverev unter tosendem Applaus der Zuschauer. Er sei froh, dass seine Familie diesen Weg gegangen sei und ihm so eine erfolgreiche Tennis-Karriere ermöglicht habe.


